Museen in Quarantäne

Die Kunst- und Sammlungswissenschaften der Donau-Universität Krems rief zur Online-Konferenz am 7. Mai. Thematisiert wurde, wie Museen in der Zeit der COVID-19-bedingten Schließzeit mit Sammlungen und Publikum umgingen. Im Vorsprung waren hier jene Häuser und Sammlungen, die bereits vor der Krise auf digitale Wege der Vermittlung und Partizipation setzten

Die Landessammlungen Niederösterreich zogen in der Corona-Zwangspause das Go-Live ihrer Online-Datenbank von Oktober auf April vor. Auch die Videopodcasts „CollectCast“ wurden umgesetzt. Das Foto zeigt einen Einblick in die erste Folge über die Geschichte der Landessammlungen Niederösterreich. Foto: Landessammlungen Niederösterreich
Die Landessammlungen Niederösterreich zogen in der Corona-Zwangspause das Go-Live ihrer Online-Datenbank von Oktober auf April vor. Auch die Videopodcasts „CollectCast“ wurden umgesetzt. Das Foto zeigt einen Einblick in die erste Folge über die Geschichte der Landessammlungen Niederösterreich. Foto: Landessammlungen Niederösterreich

Seit März 2020 haben die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus das kulturelle Leben in seinen gewohnten Formen zum Erliegen gebracht. Museen, Archive und Bibliotheken sind massiv betroffen. Die Museumsarbeit ist auf Home Office und auf Kurzarbeit umgestellt – von Berlin bis Rom, Europa bis nach Südamerika.

Umso größer der Bedarf nach gegenseitigem Austausch über den Umgang mit der Schließung und der zentralen Frage: Wie das Interesse der Besucher halten, wie Kunst über das Internet vermitteln? Anja Grebe, Universitätsprofessorin für Kulturgeschichte und Museale Sammlungswissenschaften kanalisierte den Bedarf mit einer Online-Konferenz via Zoom und traf ins Schwarze: Über 370 Kunstvermittler, Kuratoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und andere Interessierte im Kulturbereich Tätige sahen und hörten die neun Kurzvorträge zu Wegen, mit der Krise umzugehen.

Einer Studie des Netzwerks Europäischer Museums Organisationen (NEMO) zufolge erhöhten die meisten Museen in ausgewählten europäischen Ländern ihre digitale Präsenz um 60 Prozent im Corona-Lockdown. Die Landessammlungen Niederösterreich zogen gar das Go-Live ihrer Online-Datenbank von Oktober auf April vor und brachten sie in wenigen Wochen ins Internet. Kuratierte Online-Ausstellungen sollen folgen, bereits umgesetzt wurden die Videopodcasts „CollectCast“ zur Vorstellung ausgewählter Objekte. Insgesamt zeigt sich: Jene Häuser und Sammlungen, die bereits vor der Krise in digitale Wege der Vermittlung und Partizipation setzten, konnten den Vorsprung nutzen und von hohem Niveau aus Aktivitäten verdichten und Besucher digital ansprechen.

Dabei weisen auch kleine Museen spektakulären Zuspruch im Internet auf: Marion Ruisinger vom Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt führte konsequent ihre bereits vor zehn Jahren begonnenen Objektgeschichten im Internet fort. Jeden Tag ein neues Objekt, alle mit Bezug zu historischen Seuchen und Epidemien, vom Spucknapf bis zur Illustration einer „Lepraparty“ im Mittelalter. Der Austausch mit dem Publikum erfolgte über einen Aufruf im Verbund mit anderen Museen, Schutzmasken zu sammeln.

Lesen Sie mehr in der RESTAURO 5/2020. In diesem Special zu „Museumsneu- und umbau“ widmen wir uns zu dem Thema, vor welchen Herausforderungen die Museen nach der Corona-Zwangspause stehen, https://shop.georg-media.de/restauro-magazin