03.10.2017

Beruf

„Mir gefällt besonders, dass wir die Forschung in die restauratorische Praxis miteinbeziehen“

von Ute Strimmer
Diplom-Restauratorin Anna Krekeler in ihrem Atelier vor ihrem aktuellen Projekt: Bartholomäus Breenberghs Gemälde „Jakob ringt mit dem Engel“ (1639). Foto: Rijksmuseum

Diplom-Restauratorin Anna Krekeler in ihrem Atelier vor ihrem aktuellen Projekt: Bartholomäus Breenberghs Gemälde „Jakob ringt mit dem Engel“ (1639). Foto: Rijksmuseum

 

Anna Krekeler studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Während ihres Studiums machte sie diverse Praktika, unter anderem im Rijksmuseum in Amsterdam. Seit 2007 arbeitet sie dort als Gemälderestauratorin. RESTAURO sprach mit Anna Krekeler

Diplom-Restauratorin Anna Krekeler in ihrem Atelier vor ihrem aktuellen Projekt: Bartholomäus Breenberghs Gemälde „Jakob ringt mit dem Engel“ (1639). Foto: Rijksmuseum, Amsterdam

Restauratoren und Kunsthistoriker sind im Rijksmuseum in die gleiche Gehaltsklasse eingestuft

Das Rijksmuseum in Amsterdam, das größte Museum der Niederlande, unterhält mit rund 60 Mitarbeitern eine beachtliche Restaurierungs- und Konservierungswerkstatt. Dort arbeitet Anna Krekeler. Die 39-Jährige stammt aus Wiesbaden, ist aber schon so lange in Amsterdam, dass ihr die niederländischen Wörter oft schneller einfallen als die deutschen. Seit zehn Jahren ist sie für das Rijksmuseum tätig. Ihr Diplom machte sie in Dresden. „Während des Studiums nutzte ich alle Semesterferien für Praktika“, erzählt Anna Krekeler. „Weil mich die Niederlande schon immer begeisterten, absolvierte ich ein achtwöchiges Praktikum im Rijskmuseum in Amsterdam.

Die internationale Atmosphäre im Museum schätze ich bis heute.“ Ihre Kollegen kommen aus ganz Europa oder den USA. „Meine direkte Chefin ist Australierin“, ergänzt Anna Krekeler. „Jeder bringt eine unterschiedliche Ausbildung mit, das ist ein sehr stimulierendes Umfeld.“ Interdisziplinäre Zusammenarbeit wird im Rijksmuseum ebenfalls großgeschrieben. „Einmal im Monat gibt es einen Jour fixe mit den Kuratoren. Wir besprechen unsere Projekte im Atelier und erfahren von den Vorhaben der Kunsthistoriker. Der Dialog ist da und auch die gegenseitige Anerkennung. Außerdem sind seit 2016 sind Kunsthistoriker und Restauratoren in die gleiche Gehaltsklasse eingestuft“, erläutert die Restauratorin, die sich sehr für Forschung und Maltechnik interessiert und auf diesem Gebiet auch publiziert.

Aktuell widmet sich Anna Krekeler einem Gemälde des holländischen Malers Bartholomäus Breenbergh (1639)

Seit 2016 arbeitet sie mit Kollegen im Rahmen des Climate4Wood-Projekts des Science4Arts- Programms, gesponsert von der Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO), an dem Holztafelgemälde „Jakob ringt mit dem Engel“ des holländischen Malers Bartholomäus Breenbergh (1639). „An diesem Gemälde haben wir eine schadenverursachende Parkettierung abgenommen. Während der kompletten strukturellen Behandlung haben wir die Reaktion der Holztafel mittels digitaler Bildkorrelation (DIC) überwacht, einem kamerabasierten Verfahren zur berührungsfreien Verformungsmessung. So konnten wir deutlich machen, welchen Einfluss die einzelnen Behandlungsschritte auf den hölzernen Bildträger hatten. Wir hoffen, die Ergebnisse dieses Pilotprojektes bald zu veröffentlichen. Das Gemälde besitzt nun seit März 2016 keine Stützkonstruktion mehr. Wir monitoren es regelmäßig mit der digitalen Bildkorrelation (DIC). Mir gefällt an der Arbeit im Rijksmuseum besonders, dass wir die Forschung in die restauratorische Praxis miteinbeziehen.“ Mittlerweile arbeitet Anna Krekeler an der Vorderseite des Breenbergh-Bilds: „Die Oberflächenbehandlung war aufgrund vieler Übermalungen eine Herausforderung. Es dauerte lange, eine so weitgreifende Entscheidung zu treffen, wie die Übermalungen abzunehmen. Jetzt retuschiere ich gerade. Ende des Jahres ist das Gemälde wohl fertig.“

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