Die Turtle-Box

Als passionierter Surfer erkannte der niederländische Kunstlogistiker Hizkia van Kralingen die Vorteile von Komposit-Materialien und entwickelte daraus eine Transportkiste, die wie eine Schildkröte ist: außen hart, innen weich und langlebig. Ein Video zeigt einen Blick hinter die Kulissen des niederländischen Kunsttransportunternehmens

„Nachhaltigkeit schadet nicht“, äußerte sich Dr. Andrea Funck 2016 in einem Experten-Kommentar (RESTAURO 6/2016, S. 15).  Die neue Leiterin des Doerner Institut in München machte damals darauf aufmerksam, dass in Deutschland Kisten für jeden Kunst- und Kulturguttransport neu aufgebaut und Verpackungsmaterialien weggeworfen werden. Bereits ein Jahr zuvor hatte die niederländische überregionale Zeitung „NRC Handelsblad“ (4. November 2015) das Thema aufgegriffen: Kulturgut- und Umweltschutz sind auch beim Transport miteinander vereinbar. Benno Tempel, Direktor des Gemeentemuseum in Den Haag – das Museum verfügt über die weltweit größte Mondrian-Sammlung – berichtete in dem Artikel „Kunst vervoer je per ‚schildpad‘“ über seine Erfahrungen mit Holzkisten und einer Kiste aus Komposit-Werkstoff beim Kunsttransport. Für den Museumsleiter stand eindeutig fest: Nur die „Turtle Unltd“ kam für seine Wanderausstellung „Mondrian goes Brazil“ (2016) infrage.

Das Surfbrett als Inspiration

Entwickler der „Turtle Unltd“ ist Hizkia van Kralingen. Der führende Kunst- und Kulturgutlogistiker der Niederlande mit Sitz in Den Haag bietet seit 25 Jahren weltweit maßgeschneiderte Lösungen für den Transport, die Präsentation und die Lagerung von Kunst- und Kulturgütern an. Als passionierter Surfer hatte Hizkia van Kralingen die Vorteile von Komposit-Materialien erkannt: Sie sind leicht und sehr stabil. Dies brachte ihn auf die Idee, eine Transportkiste zu entwickeln, die wie eine Schildkröte ist: außen hart, innen weich und langlebig.

Die Turtle-Box rettet 40 Bäumen das Leben

1994 brachte zum ersten Mal eine Turtle-Kiste ein Gemälde an seinen neuen Bestimmungsort. Und diese erste Turtle-Kiste ist auch heute nach 23 Jahren immer noch im Einsatz. Die Klimastabilität über mehrere Tage wird durch verschiedene Isolierschäume und ein Holzpaneel im Innern der Kiste erreicht. Das Gemälde ist in der Turtle-Kiste mittels gepolsterter Halterungen befestigt. Da die Halterung mit Klettverschlüssen an beliebigen Positionen in der Turtle-Kiste befestigt werden kann, können auch mehrere kleinformatige Gemälde in einer Turtle-Kiste transportiert werden. Gesichert wird die Turtle-Kiste nicht mit herkömmlichen Schrauben wie bei den Holzkisten, sondern mit Flightcase-Schraubverschlüssen. Diese können per Hand geöffnet und geschlossen werden. Nachhaltig ist die Turtle-Kiste auch durch das Leihprinzip. Mittlerweile befinden sich 500 Turtles im Lager des Kunstspediteurs Hizkia van Kralingen. Die Lebensdauer einer Turtle-Box beträgt mindestens 20 Jahre – und rettet so rund 40 Bäumen das Leben, die für den Bau hölzerner Transportkisten gefällt werden würden. Museen in Skandinavien, Großbritannien und den USA folgen dem niederländischen Leihkistenmodell bereits. Und Deutschland?

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der aktuellen RESTAURO 7/2017.

Alles rund um die Entstehung des Unternehmens und wieso Kunsttransport fast schon in der Familie des Turtle-Box-Erfinders Hizkia van Kralingen liegt, sehen Sie in folgendem Video: https://vimeo.com/130889786

Mehr zur Turtle-Box erfahren Sie unter: https://vankralingen.com/en/

Auf der EXPONATEC, der internationalen Fachmesse für Museen, Konservierung und Kulturerbe, ist Art Handling ein Thema. Lesen Sie hier mehr.