»Das verlorene Paradies« und sein verlorener Rahmen

Rahmen wechsel dich. Das Gemälde »Das verlorene Paradies« von Franz von Stuck aus den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden erhielt vor zweieinhalb Jahren seinen Rahmen zurück. Die Rekonstruktion war ein gelungenes Zusammenspiel eines großen interdisziplinären Teams.

Alles begann in Finnland, als ein Bild Franz von Stucks aus dem Dresdner Albertinum, »Centaur und Nymphe« im Jahr 2009 zu Gast in Helsinkis
City Art Museum war. Dort hing es neben anderen Werken des Fin de Siècle. Was man zuvor schon wusste, wurde hier offensichtlich: Neben Gemälden mit originaler Rahmung zeigte sich, dass dem Bild der richtige Rahmen fehlte. Es wirkte weit weniger spektakulär. Ihm fehlte die »Bühne«.

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»Das verlorene Paradies« von Franz von Stuck erhielt 2010 einen neuen Rahmen. Im Bild: Das Gemälde wird in die Rekonstruktion eingepasst. Letzte Oberflächenbehandlungen am Rahmen fehlen noch. ©: Rahmenwerkstätte Werner Murrer, München

Denn Franz von Stucks Bilder waren fast durchgängig von opulenten Rahmen eingefasst, die der Malerei zusätzlich räumliche Tiefe verliehen und es in den Ausstellungsraum hinein wirken ließen.
So verhielt es sich auch mit einem zweiten Stuck-Gemälde im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, »Das verlorene Paradies« von 1897.

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m Anfang aller Arbeiten stand die Vermessung der historischen Fotografien, anhand derer sich die ursprünglichen Rahmenmaße ermitteln ließen. So entstand ein erstes Modell für die Rahmenrekonstruktion. Foto: ©: Rahmenwerkstätte Werner Murrer, München

Eine Idee wurde geboren und der Wunsch, diesem monumentalen Ölgemälde seinen ursprünglichen Rahmen zurückzugeben, wach. Jedoch war der Rahmen zu »Das verlorene Paradies« nicht mehr erhalten. »Er ist offenbar nach der Zwischenlagerung auf Schloss Pillnitz in der Nachkriegszeit verloren gegangen. 1962 erhielt es eine neue Einfassung
aus einfachen Profilleisten, die es fast 50 Jahre behalten sollte«, berichten Prof. Marlies Giebe und Dr. Andreas Dehmer von den Staatlichen
Kunststammlungen Dresden.
Das Team aus Dresden entschloss sich, Recherchen anzustellen und ein fachliches Gutachten erstellen zu lassen, das die Stuck- und Rahmenexpertin Dr. Eva Mendgen übernahm.

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Die Umsetzung in Holz folgte. Der fertige Rahmen wurde anschließend grundiert und vergoldet. Foto: ©: Rahmenwerkstätte Werner Murrer, München

»Es ist belegt, dass Gemälde, mit denen Stuck sich auf den großen 
Ausstellungen seiner Zeit präsentierte, einen Rahmen erhielten, den der Künstler eigens für diese Werke entworfen hatte«, informiert Eva Mendgen.
Heute weiß man auch, dass Franz von Stuck großen Wert auf die Gestaltung seiner Rahmen legte. Frühe Atelieraufnahmen belegen, dass Franz von Stuck die Leinwand bemalte, als sie schon gerahmt war. Der Rahmen war demzufolge oft der Beginn eines Werkes.

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Letzte Arbeiten fanden vor Ort in Dresden statt. Foto: ©: Rahmenwerkstätte Werner Murrer, München

Die Recherchen brachten aber auch konkrete Anhaltspunkte für eine Rekonstruktion des Rahmens von »Das verlorene Paradies«. Erste Belege lieferten Fotografien des frühen 20. Jahrhunderts, auf denen der einstige Rahmen noch zu erkennen ist. Zusammen mit dem Wissen über die Arbeitsweise Franz von Stucks bildeten diese historischen Aufnahmen die wichtigste Grundlage für die Rekonstruktion, die der Dresdener Galeriedirektor Ulrich Bischoff schließlich in die Hände der Rahmenwerkstatt Murrer legte.

Auf die Rahmenwerkstatt Murrer warteten einige Herausforderungen. Wie es mit dem Rahmen weiterging, erfahren Sie in RESTAURO 1/2013 .