„Anna webt Reformation“ zum 150. Jubiläum 1667

Der historische Bildteppich von Anna Bump wird zum 500. Reformationsjubiläum im Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem gezeigt. Er entstand anlässlich des 150. Jahrestags des Thesenanschlags Luthers 1667. Die Ausstellung „Anna webt Reformation. Ein Bildteppich und seine Geschichten“ wurde eigens für die Textilie konzipiert.

Der Personenkult um Martin Luther setzte schon kurz nach seinem Tod ein. Und hielt über die Jahrhunderte an. Ein besonderes Zeugnis der Wirkung von Reformator und Reformation ist der so genannte Bildteppich der Anna Bump – ein 3,50 Meter langer Wandbehang mit mehr als 50 Szenen aus dem Leben Christi, entstanden zum 150. Reformationsjubiläum 1667 im Dithmarschen.

Das Museum Europäischer Kulturen in Berlin-Dahlem nimmt das 500. Jubiläum nun zum Anlass, dem „Bildteppich und seinen Geschichten“ eine eigene Ausstellung zu widmen. Denn es gibt viel zu erzählen. Nicht nur die Geschichte des Teppichs selbst, der im 19. Jahrhundert in die USA kam, 1955 dem Israel-Museum in Jerusalem geschenkt wurde und im Tausch gegen jüdische Ritualobjekte 1971 in das Museum Europäischer Kulturen gelangte, sondern auch die Vorstellung der Forschungen zu seiner Entstehungsgeschichte und die Geschichte seiner Restaurierung. Denn ob er für eine Kirche bestimmt war, an welchem Ort er bis ins 19. Jahrhundert aufbewahrt wurde, warum er kurzzeitig in drei Teile zerschnitten und relativ bald wieder zusammengefügt wurde, ist bis heute nicht bekannt. In Ausstellung und Katalog versucht das Museum, zumindest einige dieser Fragen zu beantworten und der signierenden Anna Bump ein wenig näher zu kommen. Denn auch wenn die eingewebte Signatur auf eine Anna Bump verweist, ist über sie nicht mehr als das Geburtsdatum 1644 und der Geburtsort, Kleve bei Hennstedt, bekannt. Ob sie den Teppich entwarf oder webte oder er ihr nur zugeeignet war, ist unbekannt.

Hochwertige Restaurierungsmaßnahmen

Fest steht, die Qualität des Teppichs ist so gut, dass er für die aktuelle Ausstellung nicht restauriert werden musste. Die fast dreijährige Restaurierung von 1973-1976 durch die beiden Nürnberger Restauratorinnen Anneliese Streiter und Erika Weiland hat bis heute Bestand. Die Restauratorinnen reinigten die Tapisserie damals feucht, entfernten nachträgliche Stopfstellen und alte Reparaturen und ergänzten die zahlreichen Fehlstellen durch Einweben speziell gefärbter Wolle.

„Die inzwischen historische Restaurierung hält auch den aktuellen Ansprüchen stand. (…) Da sich die Farben der Restaurierungsmaterialien nicht sichtbar verändert haben, zeigt sich die Tapisserie wieder annähernd in ihrer ursprünglichen Ausstrahlung“, schreibt Salwa Joram, Textilrestauratorin des Museums Europäischer Kulturen, in ihrem detaillierten, sehr lesenswerten Katalogbeitrag. Auch wenn die Restaurierung nicht mehr den aktuellen Praktiken entspricht, kann der Teppich doch in einem Zustand präsentiert werden, der dem Besucher einen hervorragenden Eindruck dieser ungewöhnlichen Arbeit gibt. Salwa Joram: „Die Lesbarkeit der kleinteiligen Darstellung wurde wieder hergestellt und so kann sich der Betrachter ganz auf die inhaltlichen Aussagen der wie ein Andachtsbild anmutenden Wirkerei einlassen.“

Die Ausstellung „Anna webt Reformation. Ein Bildteppich und seine Geschichten“ im Museum Europäischer Kulturen in Berlin ist bis zum 28. Januar 2018 zu sehen. Der gleichnamige Katalog, herausgegeben von Dagmar Neuland-Kitzerow, Christine Binroth und Salwa Joram, erscheint in der Verlagsgruppe Husum und kostet 19,90 Euro.

Mehr zum Thema Reformation aus restauratorischer Sicht gibt es in unserer kommenden RESTAURO-Herbstausgabe 7/2017, die am Mittwoch, den 11. Oktober erscheint.