Neben der Malerei und Grafik entfaltet sich eine eigenständige Bildkultur auf den Straßen. Besonders in Hochburgen wie Köln, Mainz oder Düsseldorf prägen aufwendig gestaltete Festwagen das Erscheinungsbild der Umzüge. Diese mobilen Skulpturen sind keineswegs bloße Dekoration: Sie verbinden Bildhauerei, Szenografie und politische Satire zu ephemeren Gesamtkunstwerken. In Düsseldorf haben seit den 1980er-Jahren insbesondere die politisch pointierten Wagenentwürfe von Jacques Tilly die Wahrnehmung des Straßenkarnevals geprägt. Seine großformatigen, beißend satirischen Figuren übersetzen aktuelle Ereignisse und Akteure aus Politik, Wirtschaft oder Kirche in drastische, oft international beachtete Bildformeln. So wird der Festwagen zur zeitgenössischen Form politischer Bildkritik, die sich jedes Jahr neu erfindet.
Die Motivik der Festwagen in den Karnevalshochburgen reichen von mythologischen Anspielungen bis zu aktuellen politischen Ereignissen. Karikaturistisch übersteigerte Figuren aus Politik, Wirtschaft oder Kirche werden in monumentaler Form dargestellt. Der Karneval wird so zum Ventil öffentlicher Kritik. Wagenbauer:innen arbeiten mit symbolischer Verdichtung, Übertreibung und klar lesbaren Bildbotschaften. Dass diese Kunstwerke nur für wenige Stunden sichtbar sind, unterstreicht ihren performativen Charakter – dokumentiert werden sie durch Fotografien, Medienberichte und Fernsehübertragungen, die ihre Wirkung weit über den Stadtraum hinaus verlängern.
Auch international lassen sich vergleichbare Phänomene beobachten. In Venedig, dessen Karneval nach Jahrhunderten im 20. Jahrhundert wiederbelebt wurde, dominiert die ästhetische Eleganz historischer Masken und Kostüme. In Rio de Janeiro dagegen verwandeln choreografierte Paraden den urbanen Raum in eine gigantische Bühne. In all diesen Formen zeigt sich der Karneval als lebendige Kunst, die Architektur, Skulptur, Musik und Performance miteinander verschränkt.