Zuwachs an Kostbarkeiten

Die Bayerische Staatsbibliothek in München hat drei wertvolle Handschriften bayerischer Provenienz aus dem Spätmittelalter und der Renaissance erworben: Jetzt wurden sie digitalisiert. RESTAURO sprach mit dem dortigen Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung

Gebetbuch für Wolfgang und Helena Hofmann, 1513/15, Blatt 241v: Die 14 heiligen Nothelfer, Blatt 242r: Initiale A und Anruf der Nothelfer, Miniaturen/Buchmalerei: Nikolaus Glockendon, Signatur BSB: Cgm 9601. Foto: Bayerische Staatsbibliothek
Gebetbuch für Wolfgang und Helena Hofmann, 1513/15, Blatt 241v: Die 14 heiligen Nothelfer, Blatt 242r: Initiale A und Anruf der Nothelfer, Miniaturen/Buchmalerei: Nikolaus Glockendon, Signatur BSB: Cgm 9601. Foto: Bayerische Staatsbibliothek

Das Metier der Restaurierung und Konservierung ist eines, bei dem Geduld eine entscheidende Tugend ist. Dass bei konservatorischen und restauratorischen Maßnahmen irgendetwas schnell vollzogen wird, ist eher unüblich, wenn nicht gar mit Skepsis versehen. Und doch: Im Falle der jüngsten Neuerwerbungen der Bayerischen Staatsbibliothek und ihrer eingehenden Überprüfung kann man durchaus behaupten, dass hier vieles tatsächlich sehr schnell ging. Was aber auch damit zu tun hat, dass die besagten Neuerwerbungen in einem sehr guten Zustand waren. Im August 2020 hat die Bayerische Staatsbibliothek in München, die mit ihren rund 34 Millionen Medieneinheiten die größte Universalbibliothek Deutschlands ist, den Ankauf dreier hochrangiger deutschsprachiger Handschriften bayerischer Herkunft verkündet. Ein „niedriger siebenstelliger Betrag“ sei für die Exemplare im Antiquariatshandel ausgegeben worden, hieß es in der Pressemitteilung. Die Rede ist von „Spitzenstücken“ der Buchmalerei zwischen Mittelalter und Neuzeit. Kaum war der Kauf vollzogen, befanden sich die Werke bereits in der Digitalisierung – und nach kurzer Zeit vollständig abrufbar in der Online-Sammlung. Konservatorische und restauratorische Maßnahmen waren kaum notwendig, nur einen kleinen Riss habe es zu schließen gegeben, sagt Irmhild Ceynowa, Leiterin des Instituts für Bestandserhaltung und Restaurierung. Offensichtlich spricht hier der exzellente Zustand der Werke für die exzellente handwerkliche Qualität, mit der sie entstanden sind.

Zwei der drei Handschriften schmücken Illustrationen des Nürnberger Buchmalers Nikolaus Glockendon, der 1534 verstarb. Glockendon soll von der Kunst Lucas Cranachs, aber auch von den Holzschnitten Albrecht Dürers inspiriert gewesen sein. Dürers „Kleine Holzschnittpassion“ von 1511 diente Glockendon demnach auch als Vorbild für die ganzseitigen, separat entstandenen 23 Deckfarbenminiaturen in dem von Heinrich von St. Gallen verfassten Passionstraktat, dem wertvollsten Teil der Erwerbungstrias. Die Fertigstellung dieses Passionstraktats wird auf 1521 datiert. „Dürer ist für Holzschnitt höchstrangig“, kommentiert Claudia Fabian, Leiterin der Abteilung Handschriften und Alte Drucke. „Dass man dieses Höchstrangige der Zeit in die Buchmalerei übersetzt hat, ist sehr faszinierend.“

Auch das Gebetbuch für Wolfgang Hofmann, dem Faktoreivorsteher der Fugger in Nürnberg, und dessen Frau Helena bereicherte Glockendon mit ganzseitigen Miniaturen und illuminierten Initialen. Das Buch entstand um 1514 und umfasst 299 Pergamentblätter mit einspaltigen, 13-zeiligen Texten. Der Band ist 12×8,7 cm groß, von rotem Samt umschlossen und hat einen punzierten Goldschnitt.

Die dritte und älteste der Erwerbungen ist eine Fabelsammlung. Sie wurde 1453 in Bayern von Johannes Mör zweispaltig auf Papier geschrieben. Sie ist 26×19,5cm groß, umfasst 88 Blatt und zeigt 84 kolorierte, rot gerahmte Federzeichnungen am Anfang jeder Fabel. Es handelt sich dabei um das letzte bekannte Exemplar, das in Privatbesitz war. Der Text dieser ersten deutschen Fabelprosasammlung wurde von Ulrich von Pottenstein zwischen 1411 und 1417 ins Deutsche übersetzt.

Lesen Sie mehr zum Thema Papierrestaurierung in der  RESTAURO 7/2020.