Restauro 2/2017

Beschreibung

Titelthema: Schädlingsbekämpfung und mikrobieller Befall 


Neuer Materialschädling in der Kulturlandschaft

Seit einigen wenigen Jahren treten Papier schchen (Ctenolepisma longicaudata), eine verwandte Art der besser bekannten Silber schchen (Lepisma saccharina), in Museen in Deutschland und Ös- terreich regelmäßig auf. Ihr vermehrtes Erscheinen führt zur Entstehung immer weiterer Schäden an Papierobjekten, Fotogra en oder Gra ken. Seidenpapier oder Pergamin-Papier kann ihnen als Nahrung dienen. Im Beitrag werden die Biologie des Schädlings, seine Erkennungsmerkmale, das Verschleppen mit Verpackungsmaterialien und Bekämpfungsmethoden wie Reinigung, Diatome- enerde und neue Fallen beschrieben.

Autoren: Pascal Querner und Bill Landsberger

Ikonen retten

Im Oktober 2016 wurde das neue Nationalmuseum für Mittelalterliche Kunst im albanischen Korce vom Ministerpräsidenten Edi Rama eröffnet. Das alte Museum mit Ikonen des 13. bis 19. Jahrhunderts war in einer entweihten Kirche unter katastrophalen Bedingungen untergebracht. Schädlinge hatten die meisten Werke bereits angegriffen. Mit einem feuchtegeregelten thermi- schen Verfahren konnten nun die ersten Objekte gegen Befall behandelt werden, weitere Tausende werden folgen.

Autor: Lorenc Glozheni

Schlupfwespen im Einsatz

Die biologische Schädlingsbekämpfung ist seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Immer mehr Institutionen entscheiden sich für diese sensible Methode, um ihre wertvollen Objekte vor weiterer Zerstörung bei Schädlingsbefall zu schützen. Sie schätzen vor allem die geringen Kosten und die Vermeidung von toxischen Stoffen, außerdem bleiben die Räumlichkeiten während der Behandlung weiterhin begehbar. RESTAURO besuchte zwei Einsatzorte, in denen Schlupfwespen erfolgreich ausgesetzt werden: die Schlupfwespenart „Trichogramme evanescens“ im Verkehrszentrum des Deutschen Museums und die Art „Spathius exara- tor“ im Schloss Blutenburg in München. Eine 100-prozentige Tilgung ist dabei jedoch nicht gegeben, dafür aber ein ständiges Monitoring, um den durch die Bekämpfung reduzierten Befall im Blick zu behalten und gegebenenfalls einzelne Nachbehandlungen zeitnah durchzuführen.

Autorin: Friederike Voigt

Die letzte Ruhestätte der Hohenzollern

Der 1905 fertiggestellte Berliner Dom gehört zu den bedeutendsten evangelischen Kirchenbauten in Deutschland. Nun stellten Restauratoren Spuren von Schimmel an den Stoffbezügen der bis zu 500 Jahre alten königlichen Särge fest.

Autorin: Ute Strimmer

Umweltfreundlich Schimmel entfernen

Professor Gerald Ziegenbalg aus Freiberg hat ein ebenso einfaches wie wirkungsvolles Mittel auf Basis von Alkohol und Kalk im Kampf gegen Aspergillus niger & Co entwickelt: Seine paten- tierte Wirkstoffkombination ist frei von ökologisch bedenklichen oder gesundheitsgefährdenden Inhaltstoffen und hemmt effektiv das Wachstum aller gängigen Schimmelarten.

Autor: Boris Frohberg

Thema: Buchkonservierung  und Papierrestaurierung  


Chinesische Export-Tapeten bezeugen prunkvolles Hofleben unter Maria Theresia

Im Februar 2013 startete ein Projekt zur Konservierung und Restaurierung der in der Schausamm- lung be ndlichen chinesischen Tapeten des MAK in Wien und zugehöriger Teile im Depot. Dabei entdeckte man ein weiteres Konvolut einer chinesischen Tapete aus der Zeit um 1750, welches be- sonders herausragend ist durch die Bandbreite der angewendeten Herstellungstechniken, die Pro- venienz vom Hof der österreichischen Herrscherin Maria Theresia, seine Kostbarkeit und den ein- zigartigen Zustand der originalen Kaschierung der Papierbahnen auf Leinwand. Damit erweiterten sich die Dimensionen des Tapetenprojekts und bedingten neben der Konservierung und Restau- rierung tiefergehende Forschung in Hinblick auf die Herkunft, Verwendung und Technik der chine- sischen Export-Tapeten des MAK.
Autorin: Beate Murr

Herausforderung: Fehlstellenergänzung an Pergament

Pergamentrestaurierung bildet einen wesentlichen Arbeitsschwerpunkt in der Restaurierungs- werkstatt der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Dort entwickelten die Restauratoren ein Pergamentangussverfahren für schwerstgeschädigte Per- gamenthandschriften. Eine Voraussetzung dafür war die Inbetriebnahme einer in deutschlandweit einmaligen, begehbaren Klimakammer.

Autoren: Rebekka Schulz und Lars Spreer

Schutzumschläge für Weimar

Ein Feuer beschädigte 2004 in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar Zehntausende histori- scher Werke. Bis heute dauern die Restaurierungsarbeiten an. Die Seiden- und Seidensamteinbände stellen durch ihre Verknüpfung von Textil- und Buchrestaurierung eine Besonderheit dar. Auch für diesen Bereich wurden Elemente der Mengenbehandlung aufgegriffen und im Rahmen eines Modell- projekts angepasst. RESTAURO sprach mit der leitenden Restauratorin Alexandra Hack.

Autorin: Ute Strimmer

Thema: Original und Reproduktion

Bewahren von Kulturdenkmalen als gesellschaftliche Aufgabe

Dieser Artikel knüpft an den ersten Teil des restaurierungsethischen Beitrags der Ausgabe RESTAU- RO 1/2017 an, mit seinen Überlegungen zu den Aufgaben der Restaurierungsethik und zur De niti- on der Begriffe Kulturdenkmal, Original und Authentizität aus europäischer und internationaler Per- spektive. Wiederum unter Bezug auf Salvador Muñoz Viñaz „Contemporary Theory of Conservati- on“ wird im Folgenden der gesellschaftliche Kontext restauratorischen Handelns untersucht. Die Bildbeispiele widmen sich den facettenreichen Begriffen Original und Authentizität und der Notwen- digkeit einer kontinuierlichen P ege von Kulturdenkmalen.

Autorin: Ursula Schädler-Saub

Faksimilieren, um zu erhalten
Werden Faksimiles anstelle von Originalen in einer Ausstellung gezeigt, muss es hierzu gute Grün- de geben. Schließlich begibt sich der Besucher grundsätzlich in ein Kunstmuseum, um Originale anzusehen. Die Berlinische Galerie setzt bereits seit einigen Jahren vereinzelt Faksimiles und Re- produktionen ein – ein Erfahrungsbericht.

Autorin: Maria Bortfeldt

Aus Reproduktionen lernen

„Eines der zentralen Probleme beim Ausstellen von Kunst auf Papier ist deren Lichtemp ndlichkeit“, heißt es in der Tagungsankündigung des Museums Schloss Moyland. Dem kann nicht widerspro- chen werden. Doch was folgt daraus? Ausstellungen ohne Originale allein mit Reproduktionen? Mu- seen, die sich selbst abschaffen, weil sich Reproduktionen viel besser in Büchern ansehen lassen? Neben Erfahrungsberichten zum Ausstellen von Originalen auf Papier und von Faksimiles erklärt der Kunsthistoriker, Kulturwissenschaftler und Bestseller-Autor Prof. Dr. Wolfgang Ullrich, dass es zwi- schen „Original und Reproduktion“ keinen Gegensatz geben muss.

Autorin: Uta Baier