30.08.2025

Museum

Wiener Jugendstil mitten in Deutschland

Im hessischen Darmstadt kann man Wiener Jugendstil entdecken. Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 de, via: Wikimedia Commons
Im hessischen Darmstadt kann man Wiener Jugendstil entdecken. Foto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de, CC BY-SA 3.0 de, via: Wikimedia Commons

Joseph Maria Olbrich zählt zu den wichtigsten Architekten des Wiener Jugendstils: Das von ihm erbaute Secessionsgebäude in Wien ist eine Architekturikone. Doch auch mitten in Deutschland – nämlich in Darmstadt – findet man Spuren des Architekten. Nun hat das Architekturbüro schneider + schumacher das von Olbrich entworfene Ausstellungsgebäude auf der Darmstädter Mathildenhöhe aufwendig saniert.

Bei einem Besuch in Wien darf ein Besuch des Naschmarkts nicht fehlen. Der Spaziergang beginnt an der U-Bahnstation Kettenbrückengasse und führt geradlinig durch zwei enge Passagen, vorbei an Otto Wagners Majolikahaus, zwischen ihre nWaren anbietenden Händlern hindurch, bis man, nach etwa eineinhalb Kilometern, am anderen Ende wieder frische Luft zum Atmen und Sonnenlicht zu sehen bekommt. Hier, zwischen Getreidemarkt und Karlsplatz, an der linken Wienzeile, funkelt das berühmte goldene Blätterdach der Secession. Wenn man einmal von Susana Pilar Delahante Matienzos Ausstellung „Achievement“ im Sommer 2024 absieht – in der die Künstlerin jedem einzelnen güldenen Blatt eine schwarze Strumpfhose überzog – glitzert die Baumkrone jahreszeitenunabhängig auffällig in der Sonne. Man könnte dann den Schriftzug „VER SACRUM“, der an der linken Hauswand des ansonsten recht schlicht in weiß gehaltenen Kubus prangert, wörtlich nehmen: „Heiliger Frühling“. Allerdings bezogen sich die Künstlerväter der Wiener Secession rund um Gustav Klimt hier auf den neuen Frühling, den ihre Kunst für die Gesellschaft bringen sollte. Denn mit der Fertigstellung des Baus 1898 gaben die Künstler auch eine gleichnamige Kunst- und Literaturzeitschrift heraus, die bis zu ihrer Einstellung 1903 die Philosophie der Art Nouveau in jeden Haushalt tragen sollte. Weiß und Gold, das sind die Farben, die sich außen um den streng symmetrisch klotzigen Bau ziehen. Bei einem Rundgang um das Gebäude taucht immer wieder das Blättermotiv auf, hier und da klettert mal eine Eidechse, oder eine gewundene Schlange zieht sich elegant in die Länge – sogar Eulen kann man entdecken – Tiere und Natur in Einklang mit der Architektur. Ja, es handelt sich um ein Prachtexemplar des Wiener Jugendstils! Verantwortlich hierfür ist Joseph Maria Olbrich (1867–1908).


Ein ganzes Feld für Olbrichs Kunst

Der Wiener Jugendstil, der eines Otto Wagner, Josef Hoffmann, Adolf Loos oder Joseph Maria Olbrich, zeichnet sich besonders durch eine subtile Sachlichkeit aus. Hier sind die Ornamente weniger verblümt, es herrscht klare geometrische Symmetrie. Die Wiener Werkstätte Hoffmanns und die Architektur Wagners und Loos (Ornament und Verbrechen) setzen sich deutlich von der floralen Ornamentik des deutschen Jugendstils ab. Man möchte meinen, dass es Wiener Jugendstil nur hier gibt. Doch gibt es eine kleine Kolonie mitten in Deutschland, die fast schon als Wiener Insel bezeichnet werden kann. Mit gerade einmal 29 Jahren begann Olbrich mit der Planung des Ausstellungshauses der Wiener Secession. Ziel war es, eine eigene Ausstellungsstätte für die Künstler (u. a. Gustav Klimt, Koloman Moser, Josef Hoffmann, Josef Engelhart, Adolf Hölzel, Anton Nowak) zu erbauen, die sich von dem im Wiener Künstlerhaus vorherrschenden Konservatismus abspalten wollten. Angeblich setzte sich hierzu Josef Engelhart mit dem damaligen, heute kontrovers diskutierten Bürgermeister Dr. Karl Lueger auseinander (Lueger war strammer Antisemit und Wegbereiter von Adolf Hitlers Gedankengut). Nach langem Kampf – so die Legende – überließt der Bürgermeister den Künstlern einen freien Platz in der Nähe des Wiener Kunsthauses. Vielleicht in Anspielung auf das Überlassen der kleinen Freistelle an der Wienzeile äußerte sich Joseph Maria Olbrich bei der Eröffnung der ersten Ausstellung im Frühjahr 1898 wie folgt seinen versammelten Künstlerkollegen gegenüber: „Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt! Alles Andere ist nichts! Die Regierung soll uns […] ein Feld geben, und da wollen wir dann eine Welt schaffen. Das heist doch nichts, wenn einer bloß ein Haus baut. Wie kann das schön sein, wenn daneben ein häßliches ist? Was nutzen drei, fünf, zehn schöne Häuser, wenn die Anlage der Straße keine schöne ist? Was nützt die schönste Straße mit den schönen Häusern, wenn darin die Sessel nicht schön sind, oder die Teile nicht schön sind? Nein – ein Feld; und da wollen wir dann zeigen, was wir können; in der ganzen Anlage und bis ins letzte Detail, alles von demselben Geiste beherrscht, die Straßen und die Gärten und die Paläste und die Hütten und die Tische und die Sessel und die Leuchter und die Löffel Ausdruck derselben Empfindung, in der Mitte aber, wie ein Tempel in einem heiligen Haine, ein Haus der Arbeit, zugleich Atelier der Künstler und Werkstätte der Handwerker, wo nun der Künstler immer das beruhigende und ordnende Handwerk, der Handwerker immer die befreiende und reinigende Kunst neben sich hätte, bis die beiden gleichsam zu einer einzigen Person verwachsen würden!“ So jedenfalls gab Hermann Bahr, Schriftsteller und Secessionsbruder Olbrichs, dessen Rede 1901 retrospektiv wieder. Hellseherisch könnte man meinen, denn Olbrich konnte damals noch nicht ahnen, dass kein geringerer als der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen (1869–1837) genau das vorhatte. Er wollte dem Architekten und Designer sein „Feld“ geben. Das Feld, das waren die Mathildenhöhen in Darmstadt. Hier sollte eine Künstlerkolonie entstehen, mit Fokus auf alle Künste von Architektur, Literatur, Handwerk bis hin zu Design. „Mein Hessenland blühe und in ihm die Kunst!“, so der Großherzog voller Hoffnung für einen wirtschaftlichen Aufschwung seines Landes, zu dem die Mathildenhöhen beitragen sollten. 1899 berief er also Olbrich als einzigen Österreicher nach Deutschland, mit dem schnell eine Freundschaft entstand. Dieser nahm sofort die Zügel in die Hand und begann, sein Feld durchzuplanen. Immerhin hatte er eine Mammutaufgabe zu bewältigen und war (neben Peter Behrens, der mit den Mathildenhöhen die Architektur für sich entdeckte) der einzige ausgebildete Architekt unter den Künstlern, die gemeinsam neues Leben auf den kleinen Hügel mitten in Darmstadt bringen sollten. Unter dem Mäzenatentum Ernst Ludwigs befanden sich damals noch die Jugendstilkünstler Paul Bürck, Rudolf Bosselt, Hans Christiansen, Patriz Huber, Peter Behrens und Ludwig Habich. Sie alle, und der Großherzog auch, wollten Ateliers, Wohnhäuser, Ausstellungsräume, einen schönen Park und Brunnen um sich haben, und Olbrich sollte liefern. Und das wollte er auch. Innerhalb weniger Jahre wird Olbrich das Feld auf dem Hügel, auf dem zuvor nur ein Wasserreservoir gebaut wurde, umkrempeln und dort 23 Wohnhäuser und fünf Großbauten hinstellen. Alle – ganz nach Art des Jugendstils – innen wie außen kunstvoll durchdacht und vom Eingangstor bis zur Kaffeekanne durchdesignet.

Joseph Maria Olbrich entwarf das Wiener Secessionsgebäude – es gilt als eine Ikone der Architektur. Foto: C.Stadler/Bwag - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via: Wikimedia Commons
Joseph Maria Olbrich entwarf das Wiener Secessionsgebäude – es gilt als eine Ikone der Architektur. Foto: C.Stadler/Bwag - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, via: Wikimedia Commons

Eine Stadt müssen wir erbauen, eine ganze Stadt!

Der noch nicht einmal dreißigjährige Großherzog von Hessen hatte einen knappen Zeitplan gesteckt: Bereits am 15. Mai 1901 sollte die erste Ausstellung der Künstlerkolonie stattfinden. Hierzu wurden neben temporären Gebäuden (wie einem Hauptportal und ein Restaurant aus Holz) acht Wohnhäuser für die Künstler und das später „Ernst Ludwig-Haus“ getaufte Ateliergebäude entworfen und in Rekordzeit hochgezogen und eingerichtet. Neben Olbrich, der sieben der Wohnhäuser und deren Interieur entwarf, baute und erdachte auch Peter Behrens sein eigenes Haus und fand mit dieser Aufgabe eine neue Schaffensrichtung, die seine Karriere in neue Bahnen lenken sollte. Die Häuser Behrens, Deiters, Olbrich, Christiansen, Habich und Keller sowie das Große Glückerthaus und das Kleine Glückerthaus (ehem. Haus Rudolf Bosselt) standen in enger Symmetrie mit dem Hauptgebäude des ersten Bebauungsplans der Mathildenhöhe, dem Ernst Ludwig-Haus, das in der Mitte der Gebäude sitzt. Alle bis auf das Haus Christiansen haben ganz oder teilweise die Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg überstanden und können heute noch besichtigt werden. Nachdem die Wohngebäude auf Kosten der Künstler selbst erbaut wurden, dienten sie als Musterhäuser für die Ausstellung 1901. Um die Gebäude als Gesamtkunstwerk geltend zu machen, stattete Olbrich diese auch teilweise bis komplett aus. Er entwarf Möbelstücke, Teeservice, Tapeten und Lampen. Später sogar einen Flügel. Auf diese Weise konnte eindrucksvoll gezeigt werden, wie Architektur, Innenarchitektur, Kunsthandwerk und Malerei ineinandergreifen und ein lebendiges und bewohnbares Gesamtkunstwerk erschaffen. Denn Jugendstil hieß, schon lange vor Warhol, die Kunst in jedes Haus zu bringen und zum Gegenstand täglichen Lebens zu machen. Alle Häuser sind in Weiß gehalten, weisen Jugendstil- typische Rundungen und Natursymboliken auf und sind reichlich mit goldenen Inschriften und Verzierungen versehen. Teilweise sind bis heute die Inneneinrichtungen erhalten geblieben. Besonders pompös aber ist der einzige Großbau zur Erstausstellung: das „Ernst Ludwig-Haus“. Die neunachsige streng symmetrische Front wird in der Mitte von zwei Monumentalfiguren dominiert, die den Rundbogeneingang flankieren. Die von Ludwig Habich stark in Szene gesetzten Figuren „Kraft und Schönheit“ grenzen sich in ihrem Steingrau farblich vom weißen, eher schlichten Bau ab. Es scheint sich alles auf die Mitte zu konzentrieren, wo sich über der goldenen Eingangstüre ein Spruch von Hermann Bahr über einen Omega-Bogen zieht: „SEINE WELT ZEIGE DER KÜNSTLER – DIE NIEMALS WAR NOCH JEMALS SEIN WIRD“. Das Gegenüberstellen von harten Kanten und goldenen Rundungen erinnert, neben dem verwendeten Zitat des Landsmanns und engen Freunds Bahr, auf den ersten Blick dann doch noch einmal an die Secession in Wien – auch wenn dort nur zwei eingetopfte Bäume den Eingang flankieren. Vielleicht ein letzter Wink Richtung Heimat, ehe der Architekt sich neuen, größeren Aufgaben widmet. Das heute als Ausstellungsgebäude dienende Haus sollte Atelierhaus für die Künstler der Kolonie werden. Heute befindet sich darin eine Dauerausstellung mit Werken ehemaliger Kolonie-Künstler. Trotz enormer finanzieller Einbußen und obwohl fast alle Künstler die Kolonie aus Geldgründen verließen, entsprang drei Jahre später bereits eine neue Ausstellung mit neuen Künstlern und neuen Häusern der Feder Olbrichs. Er konnte vielleicht keine ganze Stadt bauen, eine Siedlung konnte man das alles aber schon nennen. Zur dritten Ausstellung, die gleichzeitig auch die Hessische Landesausstellung war, sollten später auch neue Großbauten hinzukommen, die bis heute das Stadtbild und vor allem die Skyline Darmstadts nachhaltig prägen.


Ein Liebesbeweis als Stadtkrone

Pünktlich zur Hessischen Landesausstellung 1908 sollten neue Gebäude den kleinen Hügel in Darmstadt schmücken. Hinzu kamen mehrere Villen, Arbeiterhäuser sowie eine Kleinwohnungskolonie. Der frisch verheiratete Großherzog wollte seiner Ehefrau Eleonore einen „Hochzeitsturm“ schenken, den Olbrich zur Erinnerung als Stadtkrone errichten sollte. Der vorgesehene Platz war auf einem 1880 erbauten Wasserreservoir vorgesehen, was Statik und Planung des Baus erschwerte. Schlussendlich entschied sich Olbrich für einen Kompromiss: Der Turm kam neben das Reservoir und oben drauf das neue Ausstellungsgebäude für die Kolonie, das als ausgleichendes Element zum Turm wahrgenommen werden sollte (die Verortung über dem Reservoir sollte spätere Renovierungen des Gebäudes erschweren). Der auch „Fünf-Finger-Turm“ genannte Bau erstreckt sich fast fünfzig Meter in die Höhe und setzt sich mit seiner Backsteinfassade deutlich von seinem Nebenbau ab. Besonders auffällig ist der Spitznamen-gebende fünfzinnige Abschluss und seine Uhr, die von Albin Müller als goldenes Mosaik gestaltet wurde. Nachdem das Eingangstor samt Steinrelief von Heinrich Jobst durchschritten ist, ist der Turm auf mehreren Ebenen begehbar, und die reichlich geschmückten Innenräume sind der Öffentlichkeit zugänglich: Der Eingangsbereich, der heute als Shop dient, wurde von Olbrich mit kunstvollen Mosaiken ausgestattet. Das vergoldete Tonnengewölbe leuchtet als Sternenhimmel, und Besuchende stehen dem „Kuss“ von Olbrich gegenüber. Ein in absoluter Symmetrie sich harmonisch küssendes Paar, das beflügelt vor Glück in den 7. Himmel aufsteigt. Demgegenüber finden wir ein weiteres Mosaik Olbrichs, die „Fortuna“ mit den Namen der Trauleute Eleonore und Ernst Ludwig. Mit dem Fahrstuhl oder zu Fuß über Treppenstufen kann man sich nun noch in das Fürstenzimmer, dessen Deckenbemalung sich mit herrlichem Blau und Gold von der Holzvertäfelung abhebt, begeben. Dann ins Hochzeitszimmer, wo heute standesamtlich geheiratet werden kann, bis hoch auf die Aussichtsplattform. Hier dürfen Besuchende ihre Blicke in 360° vom höchsten Punkt Darmstadts über die Stadt schweifen lassen.


Innen White Cube außen Jugendstil

Wer sich hier noch nicht sattgesehen hat, der begibt sich ins Ausstellungsgebäude nebenan, denn das hat gerade nach zwölfjähriger Renovierungsphase im September 2024 wiedereröffnet. Das Architektenteam rund um Projektleiterin Astrid Wuttke von schneider + schumacher hatte die Aufgabe, den Jugendstil-Zweckbau „energetisch“ zu sanieren. Das klingt erstmal einfacher, als es tatsächlich ist. Denn damit das Ausstellungsgebäude, das vorwiegend Ausstellungen mit Leihgaben beherbergt, internationale Leihgaben entgegennehmen kann, musste es mit modernster Anlagentechnik ausgestattet werden um ein konstantes Raumklima zu ermöglichen. Ein hundertjähriges Ausstellungsgebäude entspricht nicht nur klima- und dämmtechnisch nicht mehr modernen Standards, auch der Grundriss der Hallen und Begegnungsräume wurde grundlegend überdacht und neu gesetzt. Für die anspruchsvolle Thermentechnik wurden sogar Räume in das benachbarte Ernst Ludwig-Haus ausgelagert, über Nahwärmeverbindungen zurück in die Ausstellungsräume geleitet. Dank sieben Erdsonden zwischen Ausstellungshaus, Platanenhain und Russischer Kapelle sowie dem ehemaligen Wasserspeicher unter dem Gebäude, der jetzt zusätzlich als Energiespeicher dient, kann eine nachhaltige Kühlung bei steigenden Sommertemperaturen auch in Zukunft gewährleistet werden. Durch das Verwenden von Aerogelputz sowie das Einsetzen moderner Gläser weisen die Räume einen minimalen Wärmeverlust auf – ohne die Proportionen des Gebäudes zu verändern. Zu diesen Renovierungsarbeiten kamen noch die vielen Belange unterschiedlichster Beteiligter hinzu. Die strengen Auflagen der fördernden Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mussten eingehalten werden, und eine konstante Abstimmung mit der UNESCO-Welterbe-Bewerbung, die während der Bauphase lief, veränderte das Bauvorhaben stetig und verzögerte den Bauabschluss. Bestehende Bauformen, wie die Kriechgänge für die Abluft von 1908, wurden umfunktioniert, um hier hinter den Kulissen moderne Abluftanlagen einzubauen. 2016 kam der Auftrag, ein Café in das Gebäude zu bauen, in dem zuvor eigentlich Technikanlagen geplant waren. Solche ständigen Änderungen sowie eine Pandemie und der Ukrainekrieg während des Baus erschwerten das zügige Voranschreiten ungemein. Ein Mehraufwand, der sich allemal gelohnt hat – denn 2021 wurden die Darmstädter Mathildenhöhe als UNESCO Welterbe anerkannt, und das Gebäude konnte außen nahezu unverändert, ja sogar verbessert, in vollem Glanz erstrahlen. Innen überzeugt ein moderner flexibler White Cube. Internationalen Leihgaben steht nun nichts mehr im Weg. Das Zitat Ernst Ludwigs in der Krone des Eingangspavillons Olbrichs passt perfekt zur Wiedereröffnung der Hallen: „Habe Ehrfurcht vor dem Alten und Mut das Neue frisch zu wagen.“ Der Wiener Schriftsteller Karl Kraus nannte Joseph Maria Olbrich einst einen „Jugendstilmensch[en], bei dem sogar die Hirnwindungen im Ornament verlaufen“. So tief verstrickt war er in sein Konzept des Gesamtkunstwerks. Auf den Mathildenhöhen kann man dieses Ornament überall erfahren. Sein frühes Scheiden aus dem Leben hinderte den Universalkünstler leider daran, seine „ganze Stadt“ zu vollenden. Bereits kurz nach Fertigstellung des Hochzeitsturmes starb Joseph Maria Olbrich. Aber wenn man so im Platanenhain auf das jetzt frisch erstrahlende Ausstellungsgebäude samt Turm blickt und an den langen Wunsch damals im Jahr 1898 in Wien denkt, dann ist hier in Darmstadt ja doch einiges in Erfüllung gegangen für den jungen Joseph Maria. Der Mann, der ein großes Bisschen Wiener Jugendstil nach Darmstadt brachte.

 

Weiterlesen: Wie historische Tapeten rekonstruiert werden.

Das renommierte Architekturbüro schneider + schumacher hat das Ausstellungsgebäude rechts energetisch saniert. Foto: © schneider + schumacher

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