Wiedereröffnung Villa Stuck: Nach 20 Monaten Sanierung erstrahlt das Münchner Künstlerhaus in neuem Glanz. Besucher erwartet nicht nur ein modernisiertes Museum mit barrierefreiem Zugang und erweiterten Ausstellungen – auch ein lange als verschollen geltendes Werk Franz von Stucks wird erstmals präsentiert. Mit internationalen Sonderausstellungen und einem inklusiven Vermittlungsprogramm setzt die Villa Stuck neue Akzente in der Münchner Kulturlandschaft.
Am 18. Oktober 2025 ist es soweit: Nach 20 Monaten Bauarbeiten an der Prinzregentenstraße öffnet das Museum Villa Stuck wieder seine Türen. Die Wiedereröffnung der Villa Stuck markiert einen wichtigen Moment für das Münchner Kulturleben, denn das Haus verbindet Historie, zeitgenössische Kunst und innovative Vermittlungsangebote zu einem Gesamterlebnis.
Umfassende Sanierung und Modernisierung
Die Sanierungsarbeiten an der Villa Stuck waren notwendig, um das denkmalgeschützte Künstlerhaus sowohl technisch als auch baulich auf den neuesten Stand zu bringen. Zuletzt war das Gebäude zwischen 1999 und 2004 generalsaniert worden. Nach mehr als zwei Jahrzehnten mussten zahlreiche technische Anlagen wie Klima- und Alarmtechnik sowie Brandschutzsysteme vollständig erneuert werden. Ziel war es, weiterhin internationalen Standards beim Schutz wertvoller Kunstwerke zu entsprechen. Die Wiedereröffnung der Villa Stuck ist auch ein architektonisches Ereignis. Neben den technischen Erneuerungen wurden die Fassaden, Skulpturen und Reliefs restauriert. Dachfiguren, Portale und Gartenmauern erhielten eine sorgfältige Betonrestaurierung, um Substanz und Sicherheit langfristig zu sichern. Die farbigen Fassadenreliefs nach Entwürfen von Franz von Stuck selbst wurden ebenso überarbeitet wie die Antikenabgüsse. Auch der Künstlergarten wurde neu gestaltet und durch ein erweitertes Wegesystem sowie neue Bepflanzung aufgewertet. Besonderes Augenmerk lag auf der Barrierefreiheit. Künftig ist das Museum über den neuen Zugang an der Ismaninger Straße barrierefrei zu erreichen. Im Innenbereich wurden Aufzüge, Garderoben und Sanitäranlagen modernisiert, um allen Besucherinnen und Besuchern einen gleichberechtigten Zugang zu ermöglichen.
Neuerungen im Innen- und Außenbereich
Die Wiedereröffnung der Villa Stuck bringt nicht nur technische Verbesserungen, sondern auch neue räumliche Konzepte. So wurde ein unterirdischer Wirtschaftsraum geschaffen, der den Gartenbereich entlastet und Platz für Besucherinnen und Besucher schafft. Die historischen Räume präsentieren sich mit neuer Ausstattung, neuer Hängung und teilweise bislang unveröffentlichten Werken von Franz von Stuck. Zu den Höhepunkten zählen die „Phantastische Jagd“ (vor 1890), die „Vision des Hl. Hubertus“ (1890) sowie das neu in die Sammlung aufgenommene Porträt einer Mainzerin, das bislang nur in einer Schwarz-Weiß-Reproduktion bekannt war. Restaurierungen an Stucks eigenwilliger Maltechnik, darunter das übermalte Barockgemälde „Enthauptung des Johannes“, geben neue Einblicke in sein Schaffen. Im Musiksalon wurde zudem die historische Ausstattung mit zinnoberfarbenen Seidenvorhängen rekonstruiert. In Zusammenarbeit mit dem Doerner Institut erfolgte eine kunsttechnologische Untersuchung der Wandmalereien, deren Ergebnisse in speziellen Führungen präsentiert werden.
Zeitgenössische Ausstellungen zur Eröffnung
Mit der Wiedereröffnung der Villa Stuck startet das Haus zugleich ein neues Ausstellungsprogramm. Zwei zentrale Ausstellungen begleiten den Neustart:
- „Chicks on Speed. Utopia“ – Eine umfassende Retrospektive auf das international bekannte Künstlerinnenkollektiv, das seit 30 Jahren Kunst, Musik, Performance, Mode und Aktivismus verbindet. Die Schau zeigt Arbeiten aus drei Jahrzehnten, darunter Installationen, Musikprojekte und Performances.
- „Louise Giovanelli. A Song of Ascents“ – Die erste große Einzelausstellung der britischen Malerin in Deutschland. Giovanelli thematisiert in ihren Gemälden Bühnenbilder, Rituale und kollektive Erfahrungen zwischen Verheißung und Abgrund.
Darüber hinaus eröffnet das Projekt „Von Büchern und Bibliotheken“ erstmals die hauseigene Fachbibliothek des Museums für Besucherinnen und Besucher. Hier können Bücher durchstöbert und neu geordnet werden, was einen interaktiven Zugang zum Bestand ermöglicht.
Ein lebendiges Programm für alle
Ein zentraler Bestandteil der Wiedereröffnung der Villa Stuck ist das neue Vermittlungsprogramm. Es wurde mit Fokus auf Inklusion und kulturelle Teilhabe entwickelt. Neben Angeboten für Kinder in Kooperation mit inklusiven Kindertagesstätten gibt es Programme für Menschen mit Demenz oder Psychiatrieerfahrung. Regelmäßig finden Tastführungen und Führungen in Gebärdensprache statt. Workshops, Schreibwerkstätten, Diskussionsreihen sowie ein inklusiver Museumschor ergänzen das Programm. Damit will die Villa Stuck nicht nur ein Museum, sondern ein lebendiger Begegnungsort für alle Bevölkerungsgruppen sein.
Öffnungszeiten und besondere Angebote
Nach der Wiedereröffnung der Villa Stuck gelten erweiterte Öffnungszeiten: Das Museum ist täglich außer montags von 11 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs sogar bis 20 Uhr. Ein besonderes Angebot ist der „Friday Late“ an jedem ersten Freitag im Monat, an dem das Haus bis 22 Uhr geöffnet hat und kostenlos besucht werden kann. Zur „Langen Nacht der Münchner Museen“ am 18. Oktober 2025 bleibt die Villa Stuck bis 01:00 Uhr geöffnet. Zudem ist der Eintritt an den beiden Sonntagen nach der Wiedereröffnung, am 19. und 26. Oktober, frei.
Bauprojekt und beteiligte Partner
Die Sanierung wurde von der Landeshauptstadt München als Bauherrin initiiert. Verantwortlich für die Planung und Umsetzung waren Kiessler Architekten, unterstützt von verschiedenen Fachplanungsbüros für Tragwerk, Klima, Brandschutz und Landschaftsarchitektur. Die Arbeiten gliedern sich in zwei Bauabschnitte: Der erste wurde rechtzeitig zur Eröffnung am 17. Oktober 2025 abgeschlossen, der zweite endet im Frühjahr 2026. Zu den noch ausstehenden Maßnahmen zählen die vollständige Neubepflanzung des Gartens, die Restaurierung der Skulpturen sowie die Eröffnung einer neuen Museumsgastronomie und eines Vortragsraums im Untergeschoss.
Ein Neuanfang für die Münchner Museumslandschaft
Die Wiedereröffnung der Villa Stuck ist mehr als die Rückkehr eines traditionsreichen Hauses. Sie steht für den gelungenen Brückenschlag zwischen historischer Architektur, moderner Museumstechnik und einem Programm, das Kunst in all ihren Facetten erfahrbar macht. Mit der Kombination aus restaurierten historischen Räumen, internationalen Ausstellungen und einem inklusiven Vermittlungsprogramm positioniert sich die Villa Stuck neu in der Kulturlandschaft Münchens. Besucherinnen und Besucher können sich auf ein vielfältiges Angebot freuen, das von frühkindlicher Kunstvermittlung bis zu interdisziplinären Konzerten reicht. Damit setzt die Wiedereröffnung der Villa Stuck ein starkes Zeichen: Kunstgeschichte und Gegenwartskunst gehen hier Hand in Hand, und das Haus bleibt ein Ort lebendiger kultureller Begegnung.
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