Wie man in Japan heute Papier restauriert

Eine Welt ohne Papier ist – trotz zunehmender Digitalisierung – nicht vorstellbar. Ein Großteil des Kulturschatzes der Menschheit wäre ohne Papier nicht überliefert. Daher kommt der Restaurierung des fragilen organischen Materials eine große Bedeutung zu. In unserer März-Ausgabe (RESTAURO 2/2019) widmen wir uns diesem wichtigen Thema – und stellen eine neue Restaurierungsmethode aus Japan vor. Denn dort greift man nicht mehr auf modernes Füllpapier zurück, sondern analysiert das Originalpapier und stellt es auf Basis der Ergebnisse in Handarbeit her. Masaki Utsunomiya, Ph.D., von der Universität in Nara forschte in seiner Dissertation in Theorie und Praxis über diese Technik: Sie wird Sukibame genannt und hat sich seit 1998 kontinuierlich weiterentwickelt

Die Anfaserung ist ein mechanischer Prozess, der die Restaurierung größerer Papiermengen in kurzer Zeit erlaubt. Diese Technik wurde in Europa entwickelt, wo Papier traditionell aus feinfaseriger Baumwolle oder kurzfaserigem Holzzellstoff hergestellt wird. Bei der Papierrestaurierung werden dabei Fehlstellen mit einer Faserstoffsuspension aufgefüllt. Zur Anwendung kommt diese Methode in Europa seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts. Auch in Japan kam diese Technik für viele Bücher zum Einsatz, wobei neben dem Ersatz fehlender Papierstücke nach der Restaurierung meist auch ein Trägerpapier auf der Rückseite angebracht wurde. Anders als in Europa wurde früher für die Papierherstellung in Japan größenteils Maulbeerbast verwendet, dessen Fasern lang und dick sind. Die wissenschaftliche Untersuchung alter Papierdokumente zeigt etwa seit dem Jahr 2000 eine rasche Entwicklung. Gleichzeitig setzte sich die Ansicht durch, dass es ein Ziel der Papierrestaurierung sein müsse, neben der Ausbesserung von Fehlstellen auch die für japanische Papiere typische Textur zu erhalten. Verwendet man aber ein Trägerpapier, verändert dies die gesamte Textur des Dokuments, da sich so zum Beispiel die Härte ändert.

Die europäische Methode, bei der Fehlstellen durch neue Maulbeerfasern ersetzt werden würden, zeigt hier keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Um eine Texturegalität zwischen altem und neuem Material zu erreichen, ist eine Technik notwendig, bei der ein möglichst großer Teil der Fasern ohne Trägerpapier auskommt und neues Material ausschließlich zum Auffüllen von Fehlstellen eingesetzt wird. Gemeinsam mit Akinori Ogawa (Kochi Prefectural Paper Factory, vormals Kochi Prefectural Industrial Paper Technique Center) entwickelte Tokuichi Taguro (Shubi Co., Ltd.) eine neue Form der Sukibame- Technik. Ihre Aufmerksamkeit galt einer japanischen Papierherstellungstechnik namens Nagashizuki, bei der die Fasern während des Waschens gelöst werden. Mit dieser Technik ist es möglich, Restaurierungspapier aus langen Fasern wie denen des Maulbeerbaumes herzustellen und gleichzeitig überschüssige Fasern von allen unbeschädigten Bereichen fortzuspülen. Diese Methode, die eigenständig in Japan entwickelt wurde, wird als Nagashi suki sukibame bezeichnet. Heute wird der Großteil von historischen Papierdokumenten mittels Nagashi suki sukibame restauriert, hier verkürzt als Sukibame bezeichnet. Die Sukibame-Technik wird hauptsächlich bei großen Mengen von Maulbeerpapier angewandt, wobei ihr größer Vorteil der geringe Zeitaufwand ist. 

Lesen Sie in der aktuellen RESTAURO 2/2019, wie Sukibame für die Restaurierung von Papierdokumenten des Ii-Klans aus Hikone angewandt wurde; diese gelten als Highlights der Sammlung von Schloss Hikone (Japan). Den vollständigen Artikel aus der aktuellen RESTAURO 2/2019 können Sie jetzt auch digital als ePaper lesen.