11.03.2022

Museum

Wer war Amedée de Caranza?

von Martin Miersch
Keramiker und Fayence-Spezialist richtete sein Augenmerk vor allem auf chemisch-technische Versuche. Fünf um 1905 gefertigte
Staatliche Museen zu Berlin/Michael Mohr

Den französischen  Jugendstil-Glaskünstler Amedée de Caranza entdeckt derzeit Scheublein Art & Auktionen (München) wieder. Der 1843 geborene Keramiker und Fayence-Spezialist richtete sein Augenmerk vor allem auf chemisch-technische Versuche und meldete im Laufe seines Lebens diverse Patente dazu an

Keramiker und Fayence-Spezialist richtete sein Augenmerk vor allem auf chemisch-technische Versuche. Fünf um 1905 gefertigte
Der französische Jugendstil-Glaskünstler, Keramiker und Fayence-Spezialist richtete sein Augenmerk vor allem auf chemisch-technische Versuche. Fünf um 1905 gefertigte, metallisch irisierende Likörbecher von seiner Hand versteigert das Auktionshaus Scheublein Art & Auktionen am 25. März 2022. Foto: Scheublein Art & Auktionen, München

Experimente mit pulverisierten Metallen

Das Verfahren, auf Glasflächen metallisch schimmernde Dekore und Glasuren aufzuschmelzen, hatte sich der in Konstantinopel geborene, heute fast vergessene Franzose Amedée de Caranza (1843–1914) bereits im Jahr 1883 patentieren lassen. Vorangegangen war eine Tätigkeit als Keramiker und Fayence-Spezialist, bei der der Künstler sein Augenmerk vor allem auf orientalische Dekortechniken richtete, aber auch auf chemisch-technische Versuche.

Ohne Unterlass experimentierte Amedée de Caranza mit pulverisierten Metallen, auch wenn die Beschaffung der dafür nötigen Rohstoffe Unsummen verschlang und die meisten seiner geschäftlichen Partnerschaften deshalb rasch in die Brüche gingen. Ab 1896 hatte er aber sein Verfahren so weit verfeinert, dass die damit gestalteten Glaskreationen von sich Reden machten. So schwärmte die Vicomtesse de Réville, Herausgeberin der eleganten, ab 1901 erscheinenden Zeitschrift „Le Mode et le Bijou“: „Es gibt einige Caranzas mit ihren übers Glas gelaufenen, metallisch schimmernden Glasuren, die uns von jenen pompeijanischen Vasen träumen lassen, wie wir sie so sehr im Museum von Neapel bewundern.“ Einen Höhepunkt erreichte die Beachtung von de Caranzas Schaffen 1903 mit der Ausstellung „Cristaux métallisés“ (metallisiertes Kristallglas). Obwohl nur wenige Zentimeter hoch, lässt sich an den Glas-Kreationen die verblüffende, changierende Wirkung dieser einzigartigen Dekortechnik eindrücklich beobachten.

Über Caranzas Biografie ist nur wenig bekannt: Er ist italienischer Herkunft und wurde in Istanbul geboren. 1867 arbeitete er in Paris mit Léon Parvillée zusammen, der sich auf Keramik im islamischen Stil spezialisiert hatte, sowie mit Théodore Deck und Eugène Collinot, die beide Keramik mit Relief-Emaillierung herstellten. Danach war Amédée de Caranza Chefgestalter in der Manufaktur von Viellard & Cie. Nach einem Streit mit den Brüdern Vieillard verließ er allerdings die Manufaktur und widmete allein der Glasherstellung.

Amedée de Caranza war ein Künstler mit Forscherdrang

Denn Amédée de Caranza war nicht nur ein Keramiker und Glaskünstler, sondern ein wissenschaftlicher Forscher, der immer wieder neue Formeln entwickelte. Sein erstes Patent meldete er bereits mit 25 Jahren an, und zwar ein „Verfahren zur Dekoration von Terrakotta im Allgemeinen durch die Anwendung von opaken Glasuren“.  Auch gemeinsam mit seiner Frau meldete er Patente an, so zum Beispiel für „die Dekoration von elektrischen Lampen und, allgemeiner, von allen Teilen aus Glas, Kristall und anderen transparenten Materialien“ an, mit dem ein metallischer Glanz erzielt werden konnte. Ein Patent für das gleiche Verfahren wurde den beiden 1904 in Deutschland erteilt.

Objekte von Amédée de Caranza finden sich in folgenden Museen:

Weiterführende Literatur:

Fünf um 1905 gefertigte, metallisch irisierende Likörbecher von Amédée de Caranza versteigert das Auktionshaus Scheublein Art & Auktionen am 25. März 2022 zusammen mit einer 30 Objekte umfassenden, privaten Glas-Sammlung des Jugendstil und des frühen Art Déco.

Tipp: Im Vorfeld einer Ausstellung bei Scheublein Art & Auktionen (2018)  über die Gebrüder August und Franz Seidel, Malerkollegen von Carl Spitzweg und Eduard Schleich, wurden kunsttechnologische Untersuchungen an den Werken angestellt. Lesen Sie mehr hier.

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