12.05.2017

Branchen-News

Weiterer Restaurierungsbedarf an der Grabeskirche

von Alexandra Nyseth

 

Nun ist die Ädikula über dem Grab Christi in Jerusalem restauriert, jedoch ist der Untergrund noch ein Risiko und Beweise, ob Jesus tatsächlich dort begraben wurde, wird es wohl nie geben. Die Restaurierung kostete knapp 3,5 Millionen Euro und hat zehn Monate in Anspruch genommen: Sogar die Stahlkonstruktion, die ein Zusammenstürzen verhinderte, ist verschwunden. Das griechische Restaurierungsteam tauschte außerdem einen Teil einer Wand aus, spritzte Risse im Fels mit speziellem Mörtel aus, fixierte die äußeren Platten mit Metallstiften und reinigte sie Stein für Stein. Der schwarze Ruß der Kerzen ist weg, Fresken und Inschriften sind wieder zu erkennen. Die Restaurierung der Ädikula war pünktlich zu Ostern abgeschlossen.

 

Viele Touristen besuchen die Grabeskirche jährlich. Hier ein Einblick vor der Restaurierung. Foto: Berthold Werner/public domain
Eine Grafik von etwa 1900 zeigt die Ädikula in der der Grabeskirche ohne stützende Stahlträger, wie sie heute nach der Restaurierung zu sehen ist. Foto: public domain

Risiko Untergrund

 

Allerdings sind die Arbeiten in der Grabeskirche nach Meinung der Forscher noch nicht abgeschlossen: Unterhalb der Kirche gefährden Geröll, Hohlräume, ein verzweigtes Tunnel- und Kanalsystem, Korrosion und eindringendes Wasser die Stabilität der Grabkapelle. Eine Folgestudie der griechischen Forscher empfiehlt, den gesamten Bereich der Rotunde im Untergrund trockenzulegen und zu stabilisieren. Einigen sich die Kirchen, könnte nach dem Willen der Forscher eine zweite zehnmonatige Bauphase mit Kosten von etwa sechs Millionen Euro folgen. Bleibt auf eine zeitnahe Einigung zu hoffen.

 

Fragen bleiben offen

Im Oktober letzten Jahres öffneten die Wissenschaftler das Grab. Nach dem Entfernen der Platten legten die Forscher eine weitere Marmorplatte aus der Kreuzfahrerzeit und einen Kalkstein frei. Der Überlieferung nach soll Jesus nach seinem Tod auf einen solchen Stein gelegt worden sein. Ob es sich tatsächlich um das von Christus handelt, können Archäologen nicht beantworten. Besuchern ist es möglich, sich den Felsen durch ein Fenster anschauen. Ähnliches gilt auch für den bis in 1,70 Meter Höhe reichenden Felsens, der während der laufenden Arbeiten auf der Südseite entdeckt wurde. Auch von ihm wurde ausgegangen, es könnte sich um die tatsächlichen Relikte des Grabes handeln. Hierzu heißt es aus Jerusalem: „Der Forschungsbericht ist noch nicht veröffentlicht und die Untersuchungen gehen fort. Was man wohl derzeit sagen kann, ist, dass der Mörtel zwischen den Platten, die Fugen, aus konstantinischer Zeit stammen. Ob das Grab das von Jesus ist, wird man wissenschaftlich wohl nie beweisen können.“

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