Vom einstigen Glanz einer verlassenen Stadt

Restauratoren der TH Köln untersuchen gemeinsam mit Naturwissenschaftlern der Technischen Universität Berlin und Archäologen der Humboldt-Universität zu Berlin antike Wandmalereien in der jordanischen Felsenstadt Petra – heutiges UNESCO-Weltkulturerbe. Da ihre Erhaltung durch Witterungseinflüsse gefährdet ist, sollen jetzt Konservierungskonzepte entwickelt und erprobt werden.

Versteckt und gut geschützt zwischen schroffen Felswänden, liegt die Ruinenstadt Petra in einem Talkessel des Berglandes um Edom in Jordanien. Vor rund 2.300 Jahren schlugen Beduinen monumentale Tempel, Grabmäler und Paläste aus den Felsen, bauten Höhlenwohnungen und legten komplexe Wasserversorgungssysteme an. Aus der einstigen, von Halbnomaden bewohnten Zeltstadt wurde die befestigte Wüstenstadt Petra – Hauptstadt des untergegangenen Reiches der Nabatäer. Berühmt sind Petras Bauwerke auch für ihre detailreichen, farbenfrohen und teils vergoldeten Wandmalereien. Allerdings ist ihre Erhaltung mittlerweile von Wind, Regen, starken Temperaturschwankungen und hoher Luftfeuchtigkeit bedroht.

Das Projekt leistet Pionierarbeit

„Da die Nabatäer kaum Schrifterzeugnisse hinterlassen haben, sind ihre Wandmalereien von ungemeiner historischer Bedeutung zum Verständnis dieser Kultur. Nur wenige ihrer Malereien sind bislang erfasst und konserviert worden. In vielen Fällen leistet unser Projekt daher Pionierarbeit“, erläutert Prof. Adrian Heritage vom Cologne Institute of Conservation Sciences (CICS) der TH Köln. Gemeinsam mit Naturwissenschaftlern der Technischen Universität Berlin und Archäologen der Humboldt-Universität zu Berlin untersuchen Kölner Restauratoren nun die antiken Hinterlassenschaften. In einem ersten Schritt lernten die Forscher die Gegebenheiten und Ansprechpartner vor Ort kennen und erfassten mögliche Konservierungsobjekte in ausgewählten Höhlen.

Mittels Klimamonitoring zur richtigen Konservierungsmethode

Um die Verwitterungs- und Veränderungsprozesse besser zu verstehen, denen die Malereien ausgesetzt sind, hat Sarah Hutt, Diplom-Restauratorin am CICS, an drei Objekten Messgeräte installiert, die den Salzgehalt und Feuchtigkeit in der Luft dokumentieren. „Durch das Klimamonitoring erhalten wir Anhaltspunkte, welche Konservierungsmethoden für die verschiedenen Malereien angemessen sind“, sagt die Expertin. Bei kommenden Reisen werden zudem mit zerstörungsfreien Methoden die Malschichten, Bindemittel, Farbpigmente sowie Maltechniken analysiert, was weitere Hinweise zur Bearbeitung liefern soll.

Daraufhin werden Restaurierungs- und Konservierungsmethoden ausgewählt, die an drei Objekten beispielhaft angewendet werden sollen. „Es gibt mehrere tausend Höhlen in Petra, viele davon unerschlossen. Daher kann unser Projekt nur ein erster Schritt sein, der von lokalen Fachkräften weitergeführt wird“, berichtet Adrian Heritage. Ziel ist es daher, einheimische Restauratoren in enger Zusammenarbeit mit den Behörden zu schulen.

Ein großangelegtes Forschungsvorhaben

Das Forschungsprojekt wird über drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Neben Prof. Heritage vom CICS der TH Köln sind Prof. Dr. Birgit Kanngießer vom Institut für Optik und Atomare Physik der Technischen Universität Berlin und Professor Dr. Stephan G. Schmid vom Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt. In Jordanien arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem Department of Antiquities of Jordan, dem Petra Archaeological Park (PAP) und der University Hashemite zusammen.

Mehr Informationen zur Felsenstadt Petra gibt es in einem Video der UNESCO unter: http://whc.unesco.org/en/list/326/video