Vom 19. bis 29. Juli 2026 tagt das UNESCO-Welterbekomitee in Busan, Südkorea. Auf seiner 48. Sitzung entscheidet das Gremium über die Aufnahme neuer Stätten in die Welterbeliste, befasst sich mit dem Erhaltungszustand bestehender Welterbestätten und berät über die künftige Ausrichtung des Programms. Die Deutsche UNESCO-Kommission begleitet die Tagung mit fortlaufender Berichterstattung, die gesamte Sitzung wird zudem online live übertragen.
Für die diesjährige Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees liegen dem Gremium etwa 30 Nominierungen für die Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt vor. Der Blick auf die vorgeschlagenen Stätten zeigt die geografische und thematische Bandbreite des Programms: Aus Brasilien wurden die Amazonas-Theater in Manaus und Belém eingereicht, die an den Kautschuk-Boom im ausgehenden 19. Jahrhundert erinnern. Frankreich hat auf Antrag die alliierten Landungsstrände der Normandie von 1944 zur Diskussion gestellt. Polen wiederum bewirbt sich mit dem modernistischen Stadtzentrum von Gdynia, einem Ensemble aus den 1920er- und 1930er-Jahren, das als herausragendes Beispiel des Funktionalismus im Städtebau gilt. Auch weitere archäologische und kulturhistorische Ensembles wie die Festung Alamut im Iran, die Medinas der historischen Sultanate der Komoren, die antiken Hauptstädte Asuka und Fujiwara in Japan oder die Porzellan-Manufakturstätten von Jingdezhen in China stehen auf der Liste der zu prüfenden Nominierungen. Unter den Naturerbestätten finden sich unter anderem das Meeresschutzgebiet von Akaba in Jordanien, die Korallenriffe im Golf von Akaba in Saudi-Arabien und die Boma-Badingilo-Wanderungslandschaft im Südsudan, deren Nominierung im beschleunigten Verfahren behandelt wird.
Aus deutscher Sicht ist besonders die Waldsiedlung Zehlendorf im Südwesten Berlins von Interesse. Deutschland hat sie als bedeutendes Beispiel des Neuen Bauens zur Erweiterung der bereits seit 2008 eingeschriebenen Siedlungen der Berliner Moderne vorgeschlagen. Über diese Erweiterung entscheidet das UNESCO-Welterbekomitee im Rahmen der Beratungen zu Grenzänderungen bestehender Welterbestätten.
Gefährdete Stätten im Fokus
Neben den Neuaufnahmen prüft das UNESCO-Welterbekomitee auch den Erhaltungszustand von rund 150 bereits eingeschriebenen Welterbestätten, darunter die derzeit 53 Stätten auf der Liste des gefährdeten Welterbes. Zu den Gefährdungsursachen zählen bewaffnete Konflikte, der Klimawandel, Naturkatastrophen sowie Baumaßnahmen. Über einzelne Schutzmaßnahmen hinaus berät das Komitee über internationale Förderprogramme, mit denen Staaten beim Erhalt ihrer Welterbestätten unterstützt werden.
Aktuell umfasst die Welterbeliste 1.248 Kultur- und Naturstätten in 170 Ländern, 53 davon gelten als gefährdet. Deutschland ist mit derzeit 55 Welterbestätten vertreten. Das UNESCO-Welterbekomitee entscheidet in der Regel einmal jährlich über neue Einschreibungen und ist damit das zentrale Gremium zur Umsetzung der Welterbekonvention von 1972.
Was ist die UNESCO?
Die UNESCO, ausgeschrieben United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization, ist die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur mit Sitz in Paris. Sie wurde 1945 gegründet und verfolgt das Ziel, durch internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation zu Frieden und Sicherheit in der Welt beizutragen. Der Gedanke dahinter: Da Kriege im Denken der Menschen entstehen, muss auch die Verteidigung des Friedens im Denken der Menschen verankert werden.
Zu den zentralen Aufgabenfeldern der UNESCO zählen die Förderung von Bildungsqualität und lebenslangem Lernen, die internationale wissenschaftliche Kooperation, der Schutz kultureller Vielfalt sowie der Einsatz für Presse- und Meinungsfreiheit. Ein besonders sichtbarer Teil der Arbeit der UNESCO ist der Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit im Rahmen der Welterbekonvention. Mit der Welterbeliste würdigt die Organisation Stätten von außergewöhnlichem universellem Wert und unterstützt die Vertragsstaaten dabei, dieses Erbe für kommende Generationen zu bewahren. Über die Aufnahme neuer Stätten sowie über Erhalt und Schutz bereits eingeschriebener Orte entscheidet das UNESCO-Welterbekomitee, das sich aus Vertreterinnen und Vertretern von 21 gewählten Vertragsstaaten zusammensetzt und einmal jährlich zu einer Sitzung zusammenkommt – in diesem Jahr eben in Busan.
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