20.08.2025

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Umdruck auf Holz

Ein Nähtisch (ca. 1822), der mit dem Umdruckverfahren gestaltet wurde und Anton Hiltl zugeschrieben wird Schloss Charlottenburg, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Foto: Schloss Charlottenhof, Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Im 18. Jahrhundert wurden neue Dekorationstechniken entwickelt, um so zeitaufwendige und teure Techniken zu imitieren. Ein solches Verfahren war der sogenannte Umdruck. Zunächst setzte man es für Porzellan ein, aber bald wurde der Umdruck auch für Holz angewendet. Irene Meneghetti untersuchte dieses Verfahren und schildert hier ihre Ergebnisse.


Beliebte Alternative

Die im 18. Jahrhundert entstandenen Dekorationstechniken wie Gips sollten zeitaufwendigere und teurere Techniken imitieren und dienten dazu, Möbel für eine neu entstandene wohlhabende Mittelschicht bezahlbarer und leichter zugänglich zu machen. In Europa tauchte der Umdruck als Dekorationsmethode für Keramik erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts auf, wobei der älteste bekannte Umdruck auf einer Teekanne aus der Doccia-Manufaktur in Italien aus dem Jahr 1742 stammt¹. Die Anwendung der Technik durch Doccia erfolgte knapp vor ihrem Erscheinen in England in den 1750er-Jahren, wo die Massenproduktion von Keramik- und Emaille-Objekten mit Umdruck begann². Der Umdruck entwickelte sich zu einer der wichtigsten Dekorationstechniken für Porzellan, da er viel schneller und präziser war als die Handmalerei, die er auf Keramik nach und nach ersetzte³. In ähnlicher Weise wurde der Umdruck auf Holz immer beliebter als Alternative zu den schwierigeren und zeitaufwendigeren Verfahren der Marketerie, Intarsie oder Malerei auf Holz. Daneben ist der Umdruck nicht die einzige Technik, mit der gedruckte Bilder auf Möbel oder Holzgegenstände aufgebracht werden; dieser Trend entwickelte sich auch in anderen Formen, z. B. der Decoupage. Allegorische Bilder, klassische Ornamente, Kopien französischer Marketerien⁴ und bekannter oder beliebter Bilder⁵ wurden zur häufigsten Art von Bildern verwendet wurden.


Vom Vater zum Sohn

Die Unterlagen über die Entwicklung der Technik sind spärlich, aber es scheint, dass das erste Beispiel für den Umdruck auf Holz eine Teedose war, die 1790 von Geoffrey Beard in England mit allegorischen Bildern verziert wurde⁶. Im Jahr 1804 perfektionierten zunächst Vater und Sohn Potter in Erfurt ihre Technik des Drucks auf alle Arten von harten Materialien, einschließlich Holz. Der Umdruck auf Möbeln wurde in Wien im Jahr 1810 von Michael Menner und Johann Härle durchgeführt⁷. Auch der Wiener Tischler Böhlmann⁸ wird als Anwender dieser Technik erwähnt, und ein Tisch aus dem Jahr 1823 ist bekannt⁹. In den Jahren 1818 und 1819 erlebte die Herstellung von Umdrucken auf Holz einen Aufschwung, als Johann Georg Hiltl in der Akademie der Künste Möbel mit Umdrucken ausstellte¹⁰. Dies markiert den Beginn der Produktion von Möbeln mit Umdruckdekor in größerem Maßstab¹¹. Johann Georg Hiltl lehrte die Technik seinen Sohn Anton Hiltl, der bis in die 1840-er-Jahre¹² in Berlin, als Hoftischler tätig war und Möbel mit Umdrucken herstellte. Auch der Berliner Kunsttischler Joseph Schneevogl fertigte seit mindestens 1828 Möbel mit Umdrucken an, dem Jahr, in dem er sein Meisterstück, einen mechanischen Sekretär, vorstellte, den König Friedrich Wilhelm III. zur Ausschmückung des Neuen Pavillons im Berliner Schloss Charlottenburg erwarb. Leider scheint der Umdruck auf Holzmöbeln um die Mitte des 19. Jahrhunderts ausgestorben zu sein, und es gibt wohl keine Beispiele mehr für Möbel oder Holzgegenstände dieser Art nach dem Schmetterlingsschrank von Anton Hiltl von 1840.

Umgedruckter Kupferstich auf Holz, während des Abziehens des Papiers. Foto: Irene Meneghetti
Fertig umgedruckter Kupferstich auf der Ahornholz-Platte, nach der Schellackpolitur. Foto: Irene Meneghetti

Historische Methoden für den Umdruck auf Holz

Bei der Untersuchung der verschiedenen Methoden des Umdruckens auf Holz wird deutlich, dass es einen großen Unterschied gibt, nämlich die Frage, ob der Druck spiegelverkehrt oder in der gleichen Richtung wie das Originalbild übertragen wird. Ersteres ist die einfachere Methode, die nur einen Schritt erfordert, während Letztere komplexer ist und einen Zwischenschritt erfordert, der es beispielsweise ermöglicht, Text oder Landkarten als echtes und lesbares Bild zu übertragen. Das älteste historische Verfahren für den Umdruck auf Holz ist höchstwahrscheinlich das von Siddons, der 1820 seinen ersten „Cabinet Maker’s Guide“ veröffentlichte¹³. Die meisten historischen Methoden zur Übertragung von Drucken auf Holz sind sehr ähnlich und unterscheiden sich nur in kleinen Details. Das Holz für den Umdruck muss eine feine Maserung und helle Farbe haben sowie hart sein. Die feine Maserung und die Härte bieten eine feste, aber auch gleichmäßige und geschlossene Oberfläche ohne Rillen und Vertiefungen, auf die der Druck gleichmäßig übertragen werden kann. Rosskastanien-, Linden-, Ahorn-, Weißbuche-¹⁴, Kirsch-, Birnen- und Nussbaumholz wurden alle verwendet¹⁵, obwohl Ahornholz das Holz der Wahl für Umdrucke war – wegen seiner feinen Maserung und sehr hellen Farbe, die während der süddeutschen Biedermeierzeit beliebt war.
Die für den Umdruck verwendete Druckart war hauptsächlich der Kupferstich, obwohl auch Lithografien übertragen werden können.


Genaue Vorgaben

Das Papier ist möglicherweise der wichtigste Faktor des gesamten Umdruckverfahrens; es muss so dick sein, dass es viel Wasser aufnehmen kann, denn erst durch das Wasser, mit dem das Papier durchtränkt ist, kann es von der Druckfarbe getrennt werden und anschließend das Bild übertragen werden. Die Druckfarbe muss lipophil und hydrophob bleiben und mit dem Lack verbunden sein, und das Papier muss hydrophil und wasserlöslich bleiben. Wenn das Papier zu viel Lack aufnimmt, lässt sich das Papier nicht mehr mit Wasser von der Druckfarbe trennen, und die Übertragung ist nicht erfolgreich.
Der verwendete Lack ist fast immer ein klarer Lack auf Naturharzbasis, Sandarak wurde am häufigsten verwendet¹⁶. Der Lack sollte eine klebende Komponente haben, die dazu dient, die Tinte auf dem Holz zu befestigen, er sollte transparent und möglichst farblos sein und muss wasserfest sein¹⁷.


Reproduktion historischer Verfahren

Das bisher nie in zeitgenössischen Quellen dokumentierte Verfahren für den Umdruck in der richtigen Richtung wurde in 2020 reproduziert anhand verschiedener historischer Techniken. Ich stelle hier die getestete Methode vor.
Der für die Tests gewählte Lack ist auf Baumharzbasis hergestellt, dessen Rezept in der 1846 erschienenen Zeitschrift der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin gefunden wurde¹⁸. Die Mengen wurden adaptiert, um die Haftfähigkeit und Verarbeitung zu verbessern.

Die endgültige Rezeptur des Lacks lautet wie folgt:
3 Teile Mastix
2 Teile Sandarak
1 3⁄4 Teile venezianisches Terpentin
8 Teile Terpentinöl

Ein Ahornbrett wurde für die Aufnahme des übertragenen Drucks vorbereitet. Danach wurde das für die Übertragung des Drucks verwendete Papier („Umdruckpapier“), ein dünner Karton, zunächst mit Wasser getränkt und nach dem Trocknen auf ein Holzbrett gespannt. Dann wurden drei Schichten Leimlösche auf das Umdruckpapier aufgetragen. Der zu übertragende Druck wurde beschnitten und dreißig Minuten lang in lauwarmem Wasser eingeweicht. Die Oberfläche des Umdruckpapiers wurde dann mit einer dünnen Schicht Lack bestrichen und der Druck mit der Vorderseite nach unten auf das Umdruckpapier gelegt. Dann wurde es mit dickem Zeichenpapier und einer beheizten Holzzulage abgedeckt, eingespannt und über Nacht getrocknet.
Nach der Trocknung wurde der Druck nun mit der Vorderseite nach unten mittels des Lacks auf die lackierte Oberfläche
des Umdruckpapiers geklebt. Das Papier des Drucks wurde entfernt, indem es mit Wasser angefeuchtet und vorsichtig in kleinen Rollen mit den Fingern abgerieben wurde, bis nur noch eine sehr dünne Papierschicht übrig war, um die Tinte des Drucks nicht zu beschädigen. Sobald der übertragene Druck trocken war, wurde das Umdruckpapier von hinten angefeuchtet und die überschüssige Feuchtigkeit kurz mit Löschpapier aufgesaugt. Anschließend wurde die Oberfläche des Ahornbretts mit einer Lackschicht versehen und der Druck mit der Vorderseite nach unten auf das Holz gelegt und wie zuvor auf das Holz gezwungen. Der Druck wurde über Nacht getrocknet. Der Vorgang des Entfernens des Umdruckpapiers vom Druck wurde, wie zuvor beschrieben, wiederholt, wobei darauf geachtet wurde, nicht zu stark zu reiben und den Druck nicht zu beschädigen. Schließlich wurde der Druck mit Lack überzogen und nach dem Trocknen poliert.


Alterung

Die auf Objekten mit Umdrucken sichtbare Alterung ist hauptsächlich auf den Lack zurückzuführen, der auf die Oberfläche des Drucks aufgetragen wird und, wie bereits erläutert, traditionell auf Naturharzen basierte. Leider war es bisher nicht möglich, Proben von bedruckten Objekten zu analysieren, um festzustellen, ob noch eine dünne Papierschicht unter dem Druck verbleibt, wie in der historischen Literatur beschrieben, und ob diese zur Dicke der Schichten und zur Alterung beitragen könnte. Oberflächenbeschichtungen, wie z. B. Naturharze oder Öle, die im Umdruckverfahren verwendet werden, bestehen in erster Linie aus organischen Stoffen, die aufgrund der chemischen und physikalischen Wechselwirkung von Licht und Sauerstoff dazu neigen, sich mit der Zeit zu zersetzen¹⁹. Naturharze sind besonders lichtempfindlich, und die Folgen der Lichtabsorption können sich in der Vergilbung von Oberflächenbeschichtungen und dem Verlust der Transparenz zeigen²⁰. Während des Alterungsprozesses bewirkt auch Sauerstoff eine chemische Veränderung der Molekularstruktur von Lacken, die zu einer Verringerung des Molekulargewichts und der durchschnittlichen Länge der Polymerketten führen kann, wodurch der optische Effekt von Krakelee entsteht²¹. Sauerstoff äußert sich auch in der Nachdunkelung von Oberflächen, die häufig bei Naturharzen oder Ölen in den Oberflächenschichten auftritt²². Die Vergilbung durch Oxidation, ein üblicher Alterungsprozess bei Naturharzen, ist auch typisch für Öle, die in fast allen historischen Methoden zur Vorbereitung der Holzoberfläche vor dem Auftragen des Lacks und dem anschließenden Druck empfohlen wurden.

Ein Joseph Schneevogl zugeschriebener Beistelltisch (Detail) nach der Restaurierung. Schloss Charlottenburg, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Foto: Irene Meneghetti

Fazit

Die Methode des Umdruckes, die auf einer Vielzahl von Objekten angewandt wurde, gehört heute nicht mehr zum Repertoire der modernen Möbelherstellung, trotz seiner Beliebtheit in den 1820er-Jahre. Obwohl sie in der einfacheren Form der Übertragung eines Drucks als Spiegelbild mehrfach nachgebildet wurde, ist sie nicht Thema einer größeren Veröffentlichung, und die Besonderheiten bleiben weitgehend unbeachtet. Dieser Artikel berichtet über die wichtige, aber bisher undokumentierte Technik des Umdrucks in der richtigen Richtung, der es ermöglicht, z. B. Karten und Text lesbar umzudrucken.

Dieser Artikel basiert auf einem Forschungsprojekt, das im Rahmen einer Bachelorarbeit im Jahr 2021 an der Fachhochschule Potsdam durchgeführt wurde und sich mit zwei mit Umdrucken verzierten Tischen aus der Sammlung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg befasste, die Joseph Schneevogl um die Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschrieben werden.

Weiterlesen: Am Rande der fränkischen Kleinstadt Arnstein stießen Archäologen 2018 auf ein Gräberfeld aus dem Frühmittelalter – ein Fund, der tiefere Einblicke in die Epoche verspricht.


Fußnotenverzeichnis

¹Victoria and Albert Museum, London, C. 407-1938. https://collections.vam. ac.uk/item/O71450/teapot-doccia-porcelain-factory. Zugriff am 20.03.2022.
²John Sadler, Töpfer und Manager der Battersea-Emaille-Fabrik, wurde zum ersten Mal 1756 erwähnt, als er behauptete, in Liverpool „über 1200 Steingutfliesen mit verschiedenen Mustern“ gedruckt zu haben. Sadler dekorierte auch Wedgwood-Keramik. John Fleming und Hugh Honour, The Penguin Dictionary of Decorative Arts (London: Viking, 1989), S. 713.
³Emil Heuser, Porzellan von Strassburg und Frankenthal im achtzehnten Jahrhundert (Neustadt an der Haarst, Pfälzische Verlagsanstalt Carl Liesen- berg, 1922), S. 142.
⁴Louis Edgar Andès, Decoriren von Holzarbeiten mittels Abziehbildern, in: Die Technischen Vollendungs-Arbeiten der Holz-Industrie. Das Schleifen, Beizen, Polieren, Lackieren, Anstreichen und Vergolden des Holzes. Nebst der Darstellung der hierzu verwendbaren Materialien in ihren Hauptgrund- zügen (Leipzig, A. Hartleben’s Verlag, 1895), S. 117.
⁵Christian Moll, Zwischen Handwerk Und Unternehmertum – Das Leben des Johann Georg Hiltl (1771–1845), in: Biedermeiers Glück und Ende: Die gestörte Idylle, 1815–1848, S. 57–76 (München, Hugendubel, 1987), S. 73.
⁶Moll, 1987, S. 73.
⁷Moll, 1987, S. 73.
⁸Jörn Bahns, Biedermeier – Möbel. Entstehung, Zentren, Typen (München, Keysersche Verlagsbuchhandlung, 1979), S. 32.
⁹Marie von Korff, Johann Georg Hiltls (1771–1845) Möbel mit umgedruckter Grafik – Ein besonderes Phänomen im Münchner Biedermeier (München, Ludwig-Maximilians-Universität, 2008), S. 19
¹⁰Georg Himmelheber, Der Kunst des Deutschen Möbels: Klassizismus, Historismus, Jugendstil. Vol. 3. (München, C. H. Beck, 1993), S. 170
¹¹Moll, 1987, S. 71
¹²Schmetterlingsschrank von Anton Hiltl aus den Jahren 1840–1850 in der Sammlung des Victoria and Albert Museum, London http://collections.vam. ac.uk/item/O297683/butterfly-cabinet-hiltl-anton/. Zugriff am 12.12.2020
¹³Moll, 1987, S. 73
¹⁴Andès, 1895, S. 117
¹⁵Moll, 1987, S. 71, Fußnote 2.
¹⁶Moll, 1987, S. 74
¹⁷Korff, 2008, S. 27
¹⁸Bericht über die Verhältnisse und die Wirksamkeit der Polytechnischen Gesellschaft zu Berlin. Zweites Heft. (Berlin, Moesner und Kühn, 1846), S. 90.
¹⁹Shayne Rivers und Nick Umney, Conservation of Furniture (Oxford: Butter- worth-Heinemann, 2003), S. 331
²⁰Ebenda, S. 331
²¹Ebenda, S. 337
²²Ebenda, S. 331

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