Umbau des Münchner Hauptbahnhofs

 

Die aktuellen Pläne für die Umgestaltung des Münchner Hauptbahnhofs sind umstritten: Der Landesdenkmalrat und der bayerische Kultusminister Spaenle warnen vor denkmalpflegerischen Beeinträchtigungen.

Deutsche Bahn und Architekten arbeiten schon seit einigen Jahren an dem Projekt, den Münchner Hauptbahnhof neu zu gestalten. Die Pläne sehen unter anderem vor, aus dem künftigen Hauptbahnhof einen futuristisch wirkenden Bau mit Glasfassade werden zu lassen, dessen Zentrum eine lichtdurchflutete Empfangshalle bilden soll. Dabei ist geplant, das Gebäude des denkmalgeschützten Starnberger Flügelbahnhofs durch ein 75 Meter hohes Hochhaus zu ersetzen.

Thomas Goppel, Vorsitzender des Bayerischen Landesdenkmalrats, betont in einer Resolution die herausragende denkmalpflegerische Bedeutung der Stadtsilhouette von München. Weiter seien die Denkmäler in unmittelbarer Umgebung der Ostfassade des Münchner Hauptbahnhofs bedeutsame Zeugnisse der Münchner Stadtentwicklung. Mit der weiteren kleinteiligen Bebauung in deren Nachbarschaft stehen sie derzeit als Pendants der dreigeteilten Fassade des Hauptbahnhofs gegenüber und geben dem Bahnhofsplatz seinen Forumscharakter.

Bei Realisierung der Planungen für den Neubau des Hauptbahnhofs befürchtet der Landesdenkmalrat gravierende denkmalpflegerische Beeinträchtigungen dieser Denkmalwerte: Besonders kritisiert wird das geplante 75 Meter hohe Hochhaus an der Stelle des Starnberger Flügelbahnhofs, das die Altstadtsilhouette München und diverse Sichtachsen in der Münchner Innenstadt erheblich stören wird. Außerdem müsste 
für den Hochhausbau der denkmalgeschützte Starnberger Flügelbahnhof weichen. 
Die Größe und der gestalterische Kontrast des aktuellen Entwurfs wird die Denkmäler in der Umgebung des Bahnhofs in ihrer Aussage degradieren und den Forumscharakter vernichten.

In der Resolution heißt es weiter, der Landesdenkmalrat erkenne die Notwendigkeit der Neugestaltung, halte aber die geplante Ausweitung der Nutzung an dieser Stelle für nicht vertretbar. Die Mitglieder des Rats fordern eine Überarbeitung der Planungen in der Form, eine weiterhin vielgestaltige bauliche Entwicklung des Umfelds zu achten und die geschichtlich gewachsenen Stadtansichten nicht weiter zu beeinträchtigen.

Auch Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle schließt sich der Kritik des Landesdenkmalrats an und ist der Ansicht, dass das an der Stelle des Starnberger Flügelbahnhofs geplante Hochhaus die Altstadtsilhouette massiv stören wird. Auch er habe großes Verständnis für eine Neugestaltung dieses für ganz Bayern wichtigen Verkehrsknotenpunkts. Eine gelungene Neukonzeption könne die Landeshauptstadt bereichern. Er macht aber darauf aufmerksam, dass die Umsetzung der derzeitigen Planungen einen der bekanntesten Gebäudekomplexe der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus beseitigen würde.