Die Stadt Pulheim richtet das renommierte Kunstprojekt in der Synagoge Stommeln neu aus und schafft damit die Grundlage für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung eines der bedeutendsten Kunstorte der Region. Der Ortsteil Stommeln liegt unweit der Köln und ist damit auch überregional gut erreichbar. Der Stadtrat hat Anfang Februar einstimmig beschlossen, das Leuchtturmprojekt fortzuführen und organisatorisch auf eine breitere Basis zu stellen.
Die Synagoge, die bereits seit den frühen 1990er-Jahren als außergewöhnlicher Ausstellungs- und Erinnerungsort für zeitgenössische Kunst genutzt wird, soll künftig stärker geöffnet und inhaltlich erweitert werden. Ziel ist es, neben der künstlerischen Exzellenz auch neue Zielgruppen anzusprechen – insbesondere jüngere Menschen, die die Shoah und den Holocaust nur noch aus medialen Darstellungen kennen.
Drei Säulen für die Zukunft des Projekts
Das neue Konzept ruht auf drei Säulen:
Ein jährliches künstlerisches Projekt in der Synagoge, ein begleitendes Diskurs- und Vortragsprogramm sowie Performances und künstlerische Interventionen im Jahresverlauf. Damit soll die Synagoge noch stärker als „Denkraum auf Zeit“ etabliert werden. Bereits in der Vergangenheit haben international renommierte Künstlerinnen und Künstler wie Sol LeWitt, Lawrence Weiner, Daniel Buren, Maurizio Cattelan, Rosemarie Trockel und Gregor Schneider den Ort mit ortsspezifischen Arbeiten geprägt und international sichtbar gemacht.
Breite Unterstützung durch Beirat und Initiative
Zukünftig wird das Projekt durch die „Initiative für zeitgenössische Kunst und Musik in Pulheim“ (IZKUMP) sowie einen neu eingerichteten Kunstbeirat unterstützt. Dieser setzt sich aus Expertinnen und Experten der Kunst- und Kulturszene zusammen, darunter der Konzeptkünstler und Professor Mischa Kuball, die Kunsthistorikerin Ursula Frohne, Christina Wimmer (Stiftung „Der bewohnte Garten“), Karin Lingl (Stiftung Kunstfonds) sowie Luzia Kilias (IZKUMP). Der Beirat soll insbesondere durch seine internationalen Netzwerke dazu beitragen, das Profil der Synagoge weiter zu schärfen und zusätzliche Fördermöglichkeiten zu erschließen. Die künstlerische Leitung bleibt weiterhin in Verantwortung der Stadtverwaltung.
Stimmen aus Politik und Kunst
Bürgermeister Frank Keppeler betont die strategische Bedeutung der Neuausrichtung: Das Programm solle nicht nur qualitativ gesichert, sondern gezielt erweitert werden. Die Kombination aus Ausstellung, Diskurs und Intervention ermögliche eine nachhaltige Verankerung des Projekts in der Öffentlichkeit.
Auch Mischa Kuball, der den Beirat als Vorsitzender und Sprecher leitet, sieht in der Weiterentwicklung einen wichtigen Schritt: Die Synagoge solle weiterhin international bedeutenden Künstlerinnen und Künstlern als temporärer Denk- und Erfahrungsraum dienen, zugleich aber stärker in die Stadtgesellschaft Pulheims eingebunden werden.
Ein Ort zwischen Geschichte und Gegenwart
Die Bedeutung des Ortes reicht weit über seine architektonische Gestalt hinaus. Die Synagoge im Ortsteil Stommeln ist eine der wenigen in Deutschland, die die Novemberpogrome von 1938 überstanden hat und nicht zerstört wurde. Nach einer wechselvollen Geschichte – von der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde über Verfolgung, Verlust und Verdrängung bis hin zur Wiederentdeckung in den 1970er-Jahren – wurde das Gebäude 1983 nach Restaurierung wiedereröffnet. Seit 1991 wird es jährlich für künstlerische Projekte genutzt, die den Dialog zwischen Geschichte, Erinnerung und Gegenwart suchen. Mit der nun beschlossenen Neuausrichtung setzt die Stadt Pulheim diesen Prozess konsequent fort – und stärkt die Synagoge Stommeln als einzigartigen Ort zwischen Erinnerungskultur und zeitgenössischer Kunst.
Informationen
Adresse
Hauptstraße 85 a
50259 Pulheim-Stommeln
Besichtigungen:
Außerhalb der Ausstellungen nur nach Anmeldung
unter 02238 808 188, oder -189 oder -194
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