Spürhundearbeit im Integrated Pest Management

Hunde können nicht nur zum Aufspüren von Drogen oder Sprengstoffen, sondern von Schadinsekten eingesetzt werden: Eine trainierte Hundenase entdeckt neben den Larven und Käfern auch leere Fraßgänge, Austrittslöcher und Eiablagen. In der Steiermark wurde ein zweijähriger Beagle sechs Monate lang ausgebildet, um lebende Brotkäfer und Larven zu riechen und zu lokalisieren

Spürhundearbeit im Integrated Pest Management: In der Steiermark wurde ein zweijähriger Beagle sechs Monate lang ausgebildet, um lebende Brotkäfer und Larven zu riechen und zu lokalisieren. Foto: privat
Spürhundearbeit im Integrated Pest Management: In der Steiermark wurde ein zweijähriger Beagle sechs Monate lang ausgebildet, um lebende Brotkäfer und Larven zu riechen und zu lokalisieren. Foto: privat

Der Brotkäfer (Stegobium paniceum) ist ein verbreiteter Lebensmittel- und Materialschädling mit kosmopolitischer Verbreitung; er kann in Museen, historischen Bibliotheken, der Lebensmittelindustrie und in Privathäusern gefunden werden. Die Larven des Brotkäfers ernähren sich haupt- sächlich von pfanzlichem Material wie Müsli, Pasta, Reis, Keksen oder Brot. In Museen befallen sie getrocknete Pflanzen (Herbarien), historische Bücher, verschiedene Gegenstände mit Stärkekleister, aber auch Textilien, Mumien, Tierpräparate und Insektensammlungen (siehe Schädlingsdatenblatt auf www.museumpests.net der Integrated Pest Management Working Group). Sie können sich auch von Keratin-basierten Materialien ernähren, in den meisten Fällen bevorzugen sie jedoch Pflanzenmaterial und insbesondere Stärkekleister.

Monitoring von Brotkäfern

Einfache Klebefallen auf Fensterbänken, am Boden und UV-Lichtfallen wirken gut, um die adulten Käfer zu fangen. Seit der Isolierung des Pheromons und der im Handel erhältlichen Pheromonfallen ist der Nachweis eines Befalls sogar noch einfacher geworden. Es werden dabei aber nie die Larven gefunden, denn sie befinden sich immer im Substrat selbst. Die Lokalisierung der befallenen Objekte kann für große Depots oder in historischen Bibliotheken zeitaufwendig und schwierig sein.

Spürhunde für die Insektensuche

Neben der weithin bekannten Verwendung von Hunden zum Nachweis von Menschen, Kada- vern, Trüffeln, Drogen oder Sprengstoffen wur- den Hunde auch zum Erkennen verschiedener Insekten ausgebildet. Z. B. der immer wieder aus China eingeschleppte Quarantäneschädling, der Asiatische Laubholzkäfer (Anoplophora glabripennis) wird mit unbehandeltem oder unzureichend behandeltem Holzverpackungsmaterial (Paletten) aus Asien eingeschleppt. Die Nase eines trainierten Hundes kann selbst kleinste Spuren des Zielgeruchs erkennen und neben den Larven und Käfern auch leere Fraßgänge, Aus- trittslöcher und Eiablagen entdecken. Auch für die Bettwanzensuche werden Spürhunde in Wohnungen und Hotels eingesetzt.

Training des Hundes „Funny“ für den Einsatz im Museum

Ein zweijähriger Beagle wurde für sechs Monate trainiert, um lebende Brotkäfer und Larven zu rie- chen und zu lokalisieren. Wir verwendeten den Duft von Brotkäfer-Bohrmehl, lebende Larven und Käfer. Die Trainingsmethode nutzt das Prinzip der positiven Verstärkung – der Hund wird unmittelbar nach einer korrekten Anzeige vom Hundeführer belohnt, um das positive Gefühl der Belohnung mit dem Zielgeruch zu kombinieren. Nach dem sechsmonatigen Training waren wir zuversichtlich genug, die Suchkapazität des Hundes an realistischen Standorten in Österreich mit aktivem Brotkäferbefall zu testen.

In einem Wiener Kutschenmuseum befindet sich auf dem Dachboden eine große Sammlung von Pferdegeschirren. In diesem Raum gibt es seit vielen Jahren Brotkäfer. Einzelne Geschirre sind auch befallen. Am 25. September 2018 suchte der Hund 1,5 Stunden und fand sechs Stellen mit einem Duft nach lebenden Brotkäfern oder Larven. Es handelte sich um Spalten im Boden und befallene Objekte.

Für den zweiten Versuch besuchte der Hund am 27. November 2018 die historische Bibliothek im Wiener Kapuzinerkloster. Seit einigen Jahren ist ein geringer, aber aktiver Befall von Brotkäfern bekannt. In der Vergangenheit wurden einige Bücher mit Anoxie behandelt, der Befall wurde jedoch nicht vollständig beseitigt. Der Hund durchsuchte die Bibliothek 17 Minuten lang und lokalisierte mehrere befallene Bereiche und Bücher. Nach einer Pause für den Hund wurden 13 Bücher auf Decken auf den Boden gelegt, und der Hund suchte erneut Buch für Buch, um den Befall genauer zu lokalisieren. Bei Erfolg wurde der Hund mit Hundekuchen belohnt.

Lesen Sie weiter in unserem Schwerpunkthema Integrated Pest Management: Ausgabe 2/2019, www.restauro.de/shop

Zu den Autoren:

Dr. Pascal Querner, Universität für Angewandte Kunst, Institut für Restaurierung Expositur Salzgries, A-1010 Wien, Kontakt: Pascal.querner@boku.ac.at

Mag. Dr. Gabriele Sauseng, Ecodogs Austria, Sonnenweg 1, A-8403 Lebring, Kontakt: gabriele.sauseng@gmail.com