Sensationeller Fund in Russland

 

Die Victoria von Calvatone war eine Attraktion auf der Berliner Museumsinsel. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt die berühmte Skulptur als verschollen. Jetzt ist sie in Russland wiederentdeckt worden.

Die seit Kriegsende verloren geglaubte Skulptur Victoria von Calvatone aus der Berliner Antikensammlung ist in Russland wieder aufgetaucht. Sie wurde in einem Sonderdepot der Staatlichen Eremitage in St. Petersburg entdeckt. Bei der 1,70 vergoldeten Bronzestatue handelt es sich um ein Meisterwerk der römischen Kaiserzeit, das Komposition und Motive älterer Werke aufnimmt und miteinander verbindet. Der Körper erinnert an eine tanzende Mänade hellenistischer Zeit, der Kopf orientiert sich stärker an klassischen Formen des 5. Jahrhunderts vor Christus.

Advertorial Artikel

Parallax Article

1_161228_victoria_01_historisch
Verschollen und wieder aufgetaucht: Die Victoria von Calvatone. Nike auf Globus schwebend, Inschrift: VICTORIAE. AVG / ANTONINI. ET. VERI / M. SATRIVS. MAIOR. Bronze vergoldet, Höhe 170 cm. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung, Fotoarchiv

 

Aufgrund ihrer Inschrift am Globus (CIL V 4089: VICTORIAE AUG / ANTONINI ET VERI / MARCUS SATRIUS MAIOR) lässt sich die Figur ziemlich genau auf 161 bis 169 nach Christus datieren. Damals herrschten in Rom Marc Aurel und Lucius Verus gemeinsam. Die Siegesgöttin auf dem Himmelsglobus symbolisierte wohl die außenpolitischen Erfolge der römischen Kaiser nach dem Partherkrieg. 1836 wurde die Figur der Nähe von Calvatone bei Cremona gefunden und ein Jahr später erstmals publiziert.

Abtransport durch russische Brigaden

Im Dezember später kaufte Gustav Friedrich Waagen, Direktor der Gemäldegalerie von 1830 bis 1864, für die Skulpturensammlung des Königlichen Museums zu Berlin, wo sie im Frühjahr 1842 ankam. 1939 wurde sie – wie zahlreiche weitere Objekte der Museen – zu ihrem Schutz in die Neue Reichsmünze am Molkenmarkt gebracht. Seit Kriegsende galt sie als verschollen und war so auch im Verlustkatalog der Antikensammlung – Staatliche Museen zu Berlin (2005) veröffentlicht. Dokumentiert wurde nur der Abtransport durch russische Trophäenbrigaden.

Erst vor kurzem konnte die Victoria identifiziert werden. Im Rahmen von museumsgeschichtlichen Forschungen und konservatorischen Analysen gelang es, russischen Experten das Objekt wieder richtig zuzuordnen und als kriegsbedingt verlagertes Kulturgut aus den Berliner Museen zu veröffentlichen. Denn seit der Ankunft in der Eremitage 1946 war die Skulptur in der Abteilung für französische Plastik des XVII. Jahrhunderts eingeordnet.

2_161228_victoria_02_za_1-1-3-2874
Das Foto zeigt den Brückenübergang vom Alten Museum ins Neue Museum im Jahr 1934, mittig die Victoria von Calvatone in einem Saal des Alten Museums. Foto: © Staatliche Museen zu Berlin, Zentralarchiv, SMB-ZA, V/Fotosammlung 1.1.3.2874

Die Victoria von Calvatone soll in deutsch-russischer Zusammenarbeit restauriert werden

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, und der Generaldirektor der Eremitage, Michail Piotrowskij, vereinbarten, die Skulptur gemeinsam wissenschaftlich zu bearbeiten und zu restaurieren. Hermann Parzinger dankte den russischen Kollegen für ihre transparente Forschung: „Die Eremitage und die Staatlichen Museen zu Berlin stehen seit Jahren in gutem fachlichen Kontakt und haben zahlreiche gemeinsame Ausstellungsprojekte auch mit Bezug zu kriegsbedingt verlagerten Kulturgütern erfolgreich realisiert wie zuletzt die Ausstellung ‚Bronzezeit – Europa ohne Grenzen‘. Jetzt wird diese wissenschaftliche Kooperation zu der Skulptur der Victoria von Calvatone einen weiteren Meilenstein für die hervorragende und vertrauensvolle Zusammenarbeit setzen.“