22.08.2025

Branchen-News

Schwarzbuch der Denkmalpflege: Zerstört. Vergessen. Dokumentiert.

Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das "Schwarzbuch der Denkmalpflege". Vorgestellt wurde es in Berlin. Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das "Schwarzbuch der Denkmalpflege". Vorgestellt wurde es in Berlin. Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Mit dem neuen Schwarzbuch der Denkmalpflege legt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz eine schonungslose Bilanz über den Umgang mit unserem Kulturerbe vor. Das erschreckende Ergebnis: Immer mehr Denkmäler verschwinden und mit ihnen auch unsere Geschichte. Was bisher jahrzehntelang still verschwand, wird nun sichtbar gemacht – und soll nun endlich die notwendige Debatte anstoßen.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) hat mit dem „Schwarzbuch der Denkmalpflege – ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/2024“ erstmals eine bundesweite Dokumentation von Denkmalverlusten und akuten Bedrohungen veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie sind beunruhigend. Fast täglich fallen historische Gebäude Abrissbaggern, Investoreninteressen oder schwächelnden Denkmalschutzgesetzen zum Opfer. Noch erschreckende ist jedoch: Vieles geht nahezu unbemerkt verloren, weil eine zentrale Erfassung von Denkmalverlusten in Deutschland bislang fehlt.


Ein Verzeichnis verlorener Geschichte

Das „Schwarzbuch der Denkmalpflege – ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/2024“ dokumentiert nun ausführlich rund 40 Fälle aus ganz Deutschland – von der Schiller-Oper in Hamburg über die Radrennbahn Reichelsdorfer Keller in Nürnberg bis hin zur historischen Sternbrücke in Hamburg. Die Beispiele zeigen typische „Verlustmuster“ und machen deutlich, wie strukturelle Schwächen im Denkmalschutz das kulturelle Erbe gefährden. Doch die Publikation bleibt nicht bei der Kritik stehen: Sie liefert auch Lösungsansätze, stellt Best-Practice-Beispiele vor und formuliert konkrete Forderungen an die Politik. Bereits zur Bundestagswahl hatte die DSD konkrete Forderungen an die Politik gerichtet, um auf die kritische Lage des Denkmalschutzes in Deutschland hinzuweisen.

Rund 40 Beispiele von bedrohten und verlorenen Denkmälern nennt die DSD in ihre Publikation. Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Rund 40 Beispiele von bedrohten und verlorenen Denkmälern nennt die DSD in ihre Publikation. Foto: © Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Eine Bilanz zum 40. Jubiläum der Stiftung

Bereits seit 40 Jahren engagiert sich die DSD für Denkmäler und ihren Schutz. Die DSD ist die größte private Initiative für den Denkmalschutz. Anlässlich ihres 40-jährigen Bestehens veröffentlicht die DSD das „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ nicht nur als Bestandsaufnahme, sondern auch als Mahnung. Ziel ist es, die Öffentlichkeit für den Wert historischer Bauwerke zu sensibilisieren und die Diskussion, um wirksamere Schutzgesetze neu zu entfachen. Begleitet wurde die Vorstellung mit einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor – ein symbolischer Ort, der selbst Teil der deutschen Denkmallandschaft ist.


Verlorene und bedrohte Denkmale in Deutschland

Das „Schwarzbuch der Denkmalpflege“ listet zahlreiche Beispiele aus allen Bundesländern auf. Hier ein Auszug:
Baden-Württemberg
•Uehlin-Häuser, Schopfheim
•Gasthaus Kreuz, Wehr-Brennet
•Klösterle, Lauchheim-Röttingen
•Rathaus, Lörrach
Bayern
•Heil- und Pflegeanstalt, Erlangen
•Radrennbahn Reichelsdorfer Keller, Nürnberg
•Fachwerkhaus, Bayreuth
Berlin
•Berliner Mauer
Brandenburg
•Gutspark Brusendorf, Mittenwalde
•Bogensee-Areal, Wandlitz
•Generalshotel, Schönefeld
•Tagebaubagger „Blaues Wunder“, Hörlitz
Hamburg
•Schiller-Oper
•Sternbrücke
Hessen
•Ehem. Brückenmühle, Hadamar
•Stadthalle, Hattersheim
Mecklenburg-Vorpommern
•Wohnhaus, Bützow
Niedersachsen
•Zechenhaus Georgschacht („Kohlenkirche“), Stadthagen
•Schwarzer Bär, Göttingen
Nordrhein-Westfalen
•Haus Hansen, Düsseldorf
•Fruhtrunk-Audimax, Düsseldorf
•Theodor-Heuss-Brücke, Düsseldorf
•Villa Buth, Jülich
•Vogelsberg-Haus, Balve
Rheinland-Pfalz
•Haus Walterscheid, Sinzig
•Rathaus, Offenbach an der Queich
Saarland
•Ehem. Finanzamt, Saarbrücken
•Hangar, Heusweiler-Eiweiler
•Mensa der Universität, Saarbrücken
Sachsen
•Minol-Tankstelle, Zwickau
•Erbgericht, Rechenberg
Sachsen-Anhalt
•Ehem. Gasthaus „Prinz von Anhalt“, Radegast
•Siedlung Möhrenstieg, Quedlinburg
•Denkmalstreichungen in Osterwieck
•Fachwerkhäuser, Stolberg
Schleswig-Holstein
•Reichstypenspeicher, Mölln
•Friedrich-Junge-Schule, Kiel
Thüringen
•Perthes-Haus, Friedrichroda

Verborgene Verluste sichtbar machen

Ob historische Rathäuser, Fachwerkhäuser, Brücken oder Industriedenkmale – das „Schwarzbuch der Denkmalpflege – ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/2024“ verdeutlicht, dass nicht nur repräsentative Gebäude, sondern auch Alltagsarchitektur schutzbedürftig ist. Viele dieser Bauwerke prägen Stadtbilder und regionale Identitäten – ihr Verlust schwächt das kulturelle Gedächtnis Deutschlands.
Das Schwarzbuch der Denkmalpflege – ein Verzeichnis verlorener Geschichte 2023/2024 umfasst 288 Seiten im DIN-A5-Format und ist kostenlos als Download oder gedruckte Broschüre erhältlich. Interessierte können es direkt unter hier herunterladen.

 

 

 

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Scroll to Top