04.09.2025

Branchen-News

Sanierung Staatstheater Wiesbaden

Das Staatstheater in Wiesbaden wird seit einiger Zeit saniert. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
Das Staatstheater in Wiesbaden wird seit einiger Zeit saniert. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY

Hinter den Kulissen des Wiesbadener Staatstheaters hat sich Entscheidendes getan: Nach einer umfassenden Sanierung ist das historische Haus nun mit modernster Brandschutztechnik ausgestattet – unsichtbar für das Publikum, aber lebenswichtig für den Theaterbetrieb. Zwischen denkmalgeschützter Bausubstanz und strengsten Sicherheitsauflagen entstand ein Meisterwerk der Ingenieurskunst, das die Bühne für die Zukunft sichert.

Das schmucke „Hessische Staatstheater Wiesbaden“ wurde von Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, in Auftrag gegeben und von den Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer im Neorenaissance-Stil zwischen 1892 und 1894 errichtet. Um den besonderen kaiserlichen Repräsentationsansprüchen zu genügen, hat man den zunächst Ende des 19. Jahrhunderts eröffneten Theatertempel 1902 um ein reich dekoriertes Foyer im Neorokoko-Stil erweitert. Das komplexe Gebäude liegt heute reizvoll zwischen Kurpark, Spielcasino, Kurhaus und der Wilhelmstraße mit ihren feinen Geschäften und verfügt über drei voneinander unabhängige Bühnen: das Große Haus mit 1.041 Plätzen, das Kleine Haus mit 328 Plätzen sowie das Studio mit 89 Plätzen.
Im Zweiten Weltkrieg war der Bau stark beschädigt und danach vereinfacht aufgebaut, seither immer wieder aufwendig saniert, teilweise nach historischem Vorbild rekonstruiert und repariert worden. Dazu kam 1978 ein großer Anbau für Proberäume, Werkstätten, Intendanz und Verwaltung an der Südostecke des Theaters – nicht historisierend, sondern im Kontrast zum Altbau als Beton-Flachdachbau mit viel Glas und einer Bleiverkleidung, ein Entwurf des Berliner Architekten Hardt-Waltherr Hämer.

Das Foyer des Staatstheater Wiesbaden ist ganz im Stil des Neorokoko gehalten. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
Das Foyer des Staatstheater Wiesbaden ist ganz im Stil des Neorokoko gehalten. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
Im Großen Haus schaffen neobarocke Architektur und moderne Technik ein beeindruckendes Raumerlebnis für über 1.000 Besucher. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
Im Großen Haus schaffen neobarocke Architektur und moderne Technik ein beeindruckendes Raumerlebnis für über 1 000 Besucher. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY

Verbesserungen im Brandschutz

Außerdem wird seit einigen Jahren kontinuierlich in den baulichen Brandschutz des Kulturdenkmals investiert. Die Brandabschnitte, die in den späten 1970er-Jahren gezogen wurden, hatten den Entwurf von Fellner & Helmer nachhaltig verändert. Jetzt sollte das Theaterhaus wieder aufgewertet werden – dies betrifft auch die Gestaltung der Brandschutztüren im Großen Haus. Während 1978 Brandschutztüren in Stahl mit Drahtglas eingebaut worden waren, hat man nun in Anlehnung an vorhandene historische Vorbilder neue Holztüren montiert. Sie mussten nicht nur funktional und sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand sein, sondern sich auch harmonisch in die Theaterumgänge mit ihrem reichen Zierrat sowie dem schönen Terrazzoboden einfügen.
Nach Denkmalschutzvorgaben wurden vertikale Griffstangen in Messingoptik wie bei den historischen Türen gesucht. Fündig wurden die Planenden bei Hewi und der Drückergriffgarnitur aus dem System 162. Für die neuen Brandschutztüren erwirkten die Baubeteiligten schlussendlich eine Zulassung im Einzelfall. Die Drückergriffgarnitur des Systems 162 mit einer Höhe von 450 Millimetern eignet sich besonders für schwere Türen, da sie den Kraftaufwand beim Öffnen spürbar reduziert und zudem die Anforderungen der DIN 18040 für barrierefreies Bauen erfüllt.
Die Sanierung und Modernisierung des Wiesbadener Staatstheaters umfasst nicht nur die Brandschutztechnik, sondern auch eine umfassende Instandhaltung der Bühnen- und Haustechnik. So wurden Lüftungs-, Heizungs- und Beleuchtungssysteme erneuert, um Energieeffizienz und Komfort für Schauspieler, Orchester und Publikum gleichermaßen zu gewährleisten. Dabei wurde großer Wert darauf gelegt, dass die historischen Raumproportionen und dekorativen Details wie Stuck, Malereien und Parkettböden erhalten bleiben.
Besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit zwischen Denkmalschutzbehörden, Architekten und Brandschutzexperten, die es ermöglicht hat, höchste Sicherheitsstandards zu implementieren, ohne den Charme und die Authentizität des Theaters zu beeinträchtigen. Auch die Akustik wurde geprüft und an moderne Aufführungsbedingungen angepasst, sodass die Qualität der musikalischen und darstellerischen Darbietungen auf hohem Niveau bleibt.
Das Projekt zeigt exemplarisch, wie historische Kulturstätten für die Zukunft gesichert werden können: Technik und Denkmalschutz gehen hier Hand in Hand, und das Wiesbadener Staatstheater bleibt ein kultureller Mittelpunkt der Stadt, der sowohl historisch beeindruckt als auch modernen Anforderungen gerecht wird.

 

Weiterlesen: Die Staatsoper „Unter den Linden“ in Berlin wird saniert. 

Goldene Wandornamente und messingfarbene Griffstangen ergeben ein stimmiges Gesamtbild – historischer Glanz trifft auf moderne Funktion. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
Goldene Wandornamente und messingfarbene Griffstangen ergeben ein stimmiges Gesamtbild – historischer Glanz trifft auf moderne Funktion. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
System 162 von HEWI – Die vertikale Griffstange ermöglicht im Notfall eine intuitive und selbsterklärende Bedienung. Durch ihre durchgängige Höhe leistet sie zudem einen wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY
System 162 von HEWI – Die vertikale Griffstange ermöglicht im Notfall eine intuitive und selbsterklärende Bedienung. Durch ihre durchgängige Höhe leistet sie zudem einen wichtigen Beitrag zur Barrierefreiheit. Foto: Hammerbacher PHOTOGRAPHY

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