Zeppelintribüne: Restaurieren für die Erinnerung

 

Die bröckelnde Zeppelintribüne und das dazu gehörende Zeppelinfeld in Nürnberg werden mit voraussichtlich 73 Millionen Euro restauriert. Die Stadt will aber nicht nur in den Erhalt des Bauwerks investieren, sondern auch in die Vermittlung der NS-Geschichte.

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Vorbild für die Zeppelinhaupttribüne mit einer Länge von 360 und einer Höhe von 20 Metern War der antike Pergamonaltar. Foto: Peter von Bechen /www.pixelio.de

 

Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sind Bestandteile des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes und gehören zu den größten Überbleibseln der NS-Zeit in Nürnberg. Erbaut wurde die Tribüne in den Jahren 1935 bis 1937. Nach über siebzig Jahren ihrer Fertigstellung weisen beide Komponenten bauliche Mängel auf. Die Stadt Nürnberg gab kürzlich bekannt, dass das bröckelnde Areal mit circa 73 Millionen Euro restauriert werden soll, verteilt auf zwölf Jahre Bauzeit. Davon entfallen rund 60 Prozent auf die Zeppelintribüne und etwa 40 Prozent auf das Zeppelinfeld. Ziel ist es, möglichst viel von der Original-Substanz der Bauten zu erhalten.

Geplante Maßnahmen für die Zeppelintribüne 

Der größte Teil der Gesamtkosten entfällt auf die Steinmetzarbeiten: An der Fassade und an den Stufen sind zahlreiche Kalksteinplatten defekt, von denen jedoch nur etwa 25 Prozent ausgetauscht werden müssen, der größte Teil der Originalplatten kann erhalten bleiben. Hier empfehlen die Fachleute, sehr stark geschädigte Elemente durch Betonwerkstein zu ersetzen und den Rest mit Mörtel auszubessern, der auch die Mauerfugen wieder schließt, damit keine weitere Feuchtigkeit in das Gebäude eindringen kann. Auch die Stufen der Zeppelintribüne können bleiben, jedoch müssen auch hier die Fugen abgedichtet werden. Im Inneren der Tribüne und der Türme werden nur notwendige statische Sicherungen durchgeführt. Eine kontrollierte Be- und Entlüftung soll die durchfeuchtete Konstruktion wieder abtrocknen. Wichtig ist die Abdichtung gegen eindringendes Regenwasser von oben: Das Dach der Tribüne bekommt eine Schutzschicht gegen Nässe und Regen.

Im Goldenen Saal wird an den Mosaikdecken nichts verändert, auch das Hakenkreuz an der Decke bleibt erhalten. Allerdings soll hier ein Netz die Besucher vor herabfallenden Teilen schützen. Der Goldene Saal wird für Besucher dauerhaft geöffnet sein und an das Dokuzentrum museal angeschlossen. Außerdem ist für den Saal erstmals eine ganzjährige Temperierung vorgesehen, damit die Räume auch in den Wintermonaten begehbar sind.

In den Bereichen ohne Publikumsverkehr sind nur die nötigsten statischen Maßnahmen geplant.

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Die Zeppelinhaupttribüne war die dominierende Kulisse eines von Albert Speer entworfenen Aufmarschgeländes mit Tribünenanlagen. Die gesamte Anlage hatte die Ausmaße von 362 mal 378 Metern. Foto: norito/www.pixelio.de

 

Gegen das Vergessen

Etwa 200.000 Menschen besichtigen jährlich die Bauten aus der NS-Zeit. Die Stadt Nürnberg will die Zeppelintribüne als Lernort der Geschichte erhalten und in ein Nutzungskonzept einbinden. Dazu Kulturreferentin Julia Lehner: „Der Erhalt der Bauwerke im heutigen Zustand ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine zukunftsgerichtete Erinnerungsarbeit. Das Vermittlungskonzept des Kulturreferats setzt auf Information, aktuelle Vermittlungsformen und größtmögliche Zugänglichkeit.“ Ziel ist es, eine Mystifizierung der Bauten am Zeppelinfeld zu vermeiden und für die Öffentlichkeit heute gesperrte Teile des Areals, wie zum Beispiel das Zeppelinfeld, begehbar zu machen.

Am Sonntag, 16. Oktober 2016, können sich Interessierte bei kostenlosen Rundgängen zwischen 10 und 16 Uhr über den aktuellen Zustand von Zeppelintribüne und Zeppelinfeld sowie über den Stand der Diskussion informieren.