19.05.2026

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Restaurierung eines Renaissance-Meisterwerks

„Die Anbetung im Walde" (1459) von Filippo Lippi, Tempera auf Holz, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Das für die Kapelle des Palazzo Medici in Florenz geschaffene Altarbild wird derzeit einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Katrin Hammer, 2026
„Die Anbetung im Walde" (1459) von Filippo Lippi, Tempera auf Holz, Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin. Das für die Kapelle des Palazzo Medici in Florenz geschaffene Altarbild wird derzeit einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Katrin Hammer, 2026

Filippo Lippis Altarbild „Die Anbetung im Walde“ von 1459 in den Staatlichen Museen zu Berlin wird einer umfassenden Restaurierung unterzogen. Das zweijährige Projekt wird von der Ernst von Siemens Kunststiftung sowie der Schoof’schen Stiftung gefördert. Am Ende sollen die gewonnenen Erkenntnisse in einer eigens konzipierten Sonderausstellung der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Beim Aufziehen eines neuen Rahmens im Jahr 2023 stellten Restauratorinnen der Gemäldegalerie fest, dass zahlreiche winzige Fehlstellen in den Farbschichten und im darüberliegenden Schutzüberzug vorhanden sind. Ursache ist ein Firnis, der bereits im 19. Jahrhundert aufgetragen wurde und dessen Alterungsprozesse nun zunehmend problematisch werden. Der ehemals transparente Überzug hat sich im Laufe der Jahrzehnte gelblich verfärbt, ist von mikroskopisch kleinen Rissen durchzogen und löst sich stellenweise vom Malgrund ab. In einigen Bereichen bricht er in kleinen Partikeln heraus und beschädigt dabei Teile der originalen Malschicht, die ebenfalls herausbrechen. Da die Schäden irreversibel sind, ist eine Restaurierung dringend notwendig, um den Prozess aufzuhalten.

Eine Detailaufnahme zeigt die Schädigung des Inkarnats. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Sandra Stelzig, 2023
Eine Detailaufnahme zeigt die Schädigung des Inkarnats. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Sandra Stelzig, 2023

Aufwendige Untersuchungsmethoden im Einsatz

Bevor die eigentliche Restaurierung beginnen kann, stehen umfangreiche Voruntersuchungen auf dem Programm. Die Restauratorinnen müssen zunächst die genauen Schadensmechanismen verstehen, um geeignete Verfahren für die Firnisabnahme zu entwickeln. Dafür werden verschiedene bildgebende Verfahren genutzt: es kommen sowohl Röntgen- als auch UV-Fluoreszenzaufnahmen sowie Infrarotreflektografie zum Einsatz, um die Oberfläche genau zu untersuchen. Ergänzt werden diese Methoden durch eine Untersuchung mit einem leistungsstarken Stereomikroskop, das besonders feine Details in hoher Vergrößerung sichtbar macht. Materialwissenschaftliche Analysen werden unter anderem im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin durchgeführt. Neben dem konservatorischen Gewinn verspricht die Restaurierung auch einen ästhetischen Zugewinn: Das Entfernen des gegilbten Überzugs wird die ursprüngliche Leuchtkraft der Farben wieder zurückbringen. Zudem erhoffen sich die Beteiligten neue Erkenntnisse über Lippis Arbeitstechnik, die den Forschungsstand zu diesem Gemälde erweitern werden.

Unter dem Mikroskop werden die Schäden im Inkarnat deutlich sichtbar. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Sandra Stelzig
Unter dem Mikroskop werden die Schäden im Inkarnat deutlich sichtbar. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Sandra Stelzig
Unter dem Mikroskop werden die Schäden im Firnis deutlich sichtbar. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Anja Wolf, 2026
Unter dem Mikroskop werden die Schäden im Firnis deutlich sichtbar. Foto: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Anja Wolf, 2026

Filippo Lippi: Schlüsselfigur der Florentiner Frührenaissance

Filippo Lippi, geboren um 1406 und gestorben 1469, zählt zu den prägenden Gestalten der italienischen Frührenaissance. Als Schüler von Masaccio, einem der Begründer der neuzeitlichen Malerei, eignete er sich früh ein tiefes Verständnis für Raumdarstellung und naturalistische Figurengestaltung an. Lippi arbeitete vor allem in Florenz und war eng mit dem Mäzenatentum der Medici verbunden, die ihn zu einem ihrer bevorzugten Hofkünstler machten. Sein Werk steht an der Schnittstelle zwischen der spätgotischen Tradition und dem neuen humanistischen Menschenbild der Renaissance: Religiöse Inhalte werden bei ihm mit einem sensiblen Blick für Körperlichkeit und emotionale Tiefe verbunden. Zu seinen bekannten Werken zählen die Freskenzyklen im Dom von Prato und in Spoleto. Lippis Biografie war auch von persönlichen Skandalen geprägt: Als Karmelitermönch verließ er seinen Orden, um die Nonne Lucrezia Buti zu heiraten. Ihr gemeinsamer Sohn Filippino Lippi wurde ebenfalls ein angesehener Maler in Florenz. Lippis berühmtester Schüler war Sandro Botticelli, der die stilistischen Impulse seines Lehrers in einige der bekanntesten Gemälde der Kunstgeschichte überführte. Möglicherweise war Botticelli sogar an der Entstehung der „Anbetung im Walde“ beteiligt.
Das 1459 entstandene Altarbild wurde ursprünglich für die Kapelle des Palazzo Medici in Florenz gemalt, wo es als inhaltlicher Zielpunkt des Freskenzyklus von Benozzo Gozzoli fungierte. Die Darstellung der Jungfrau Maria mit dem neugeborenen Christuskind in einem Waldambiente verleiht der Szene einen ungewöhnlich meditativen, fast mystischen Charakter. Die Blumenornamentik im Vordergrund nimmt thematische und formale Motive vorweg, die später in Botticellis Werken zentral werden sollten. Seit 1821 befindet sich das Gemälde in Berlin, wo es durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im Zuge des Ankaufs der Sammlung des Kunsthändlers Edward Solly erworben wurde. Seit der Eröffnung des Königlichen Museums 1830 gehört es zum festen Bestand der Gemäldegalerie. Im Zweiten Weltkrieg konnte das Werk gerettet werden, der damalige Rahmen aus dem 19. Jahrhundert ging jedoch verloren. Erst 2023 erhielt das Gemälde durch den Kaiser-Friedrich-Museumsverein einen neuen Rahmen, der sich stilistisch an der ursprünglichen Präsentation als Renaissancealtarbild orientiert.

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