Restauriert: „Ort der Vollkommenheit“

 

Das Modell des Salomonischen Tempels im Hamburg Museum ist eines der größten noch existierenden Architekturmodelle der Barockzeit. Eine Sonderausstellung präsentiert das Modell nach einer Restaurierung noch bis zum 10. Januar in der Hansestadt.

Modell des Salomonischen Tempels im Hamburg Museum
Modell des Salomonischen Tempels im Hamburg Museum. Foto: SHMH Hamburg Museum, Ulrike Pfeiffer

 

Das etwa 3,50 mal 3,50 Meter große Holzmodell des Salomonischen Tempels im Hamburg Museum stellt das einzige Exemplar von Modellen dieses Bauwerks dar, das noch erhalten ist. Auftraggeber für das Tempelmodell war der Jurist und Ratsherr Gerhard Schott (1641–1702). Zwischen 1680 und 1690 ließ er das Modell als Anschauungsstück für die Hamburger Gänsemarktoper anfertigen. Der Grund, ein solch aufwändiges Stück herstellen zu lassen, liegt wahrscheinlich in dem seinerzeit enormen Interesse, diesen Ort der Vollkommenheit zu erfassen. Nach dem Tod Schotts gelangte der Tempel zunächst nach London, von dort nach Dresden in den Besitz August des Starken und nach weiteren Stationen 1910 wieder nach Hamburg. Während dieser Zeit wurde es mindestens zwölf Mal auf- und wieder abgebaut und etwa sechs Mal repariert und restauriert.

Restaurierung

Beim mehrmaligen Auf- und Abbau des Modells gingen Teile des Inventars verloren. Insgesamt sind heute circa 400 Bauteile mit hölzernen Steckverbindungen ineinander gefügt, Dekorationselemente sind aufgeleimt bzw. mit Stiften befestigt. Eine Bestandsaufnahme 2012 ergab, dass das Modell mit Rissen, Wölbungen, Brüchen und Verschmutzungen übersät war. Das Konservierungs-/Restaurierungskonzept von 2015 sah eine Reinigung sowie eine Befestigung abgelöster Elemente vor.

Ende der 1980er Jahre wurde der Tempel mit verschiedenen Holzschutzmitteln, unter anderem mit Xylamon, behandelt. Dieses Mittel hat das Holz nachhaltig kontaminiert, sodass die Restauratoren meist nur mit Schutzkleidung arbeiten konnten. Ergänzend zu Schadstoffmessungen wurde mit Hilfe der Röntgenfluoreszenzmethode ermittelt, wie stark und womit genau der Tempel kontaminiert ist. Die Restauratoren nahmen eine passive Dekontamination vor, da es sich um eine Ausgasung der Schadstoffe handelt, die tief im Holz sitzen. So wurden zum Beispiel die Lagerkisten mit Aktivkohlematten ausgelegt, welche die Ausdünstungen aufnehmen, sodass sich der Schadstoffgehalt langsam reduziert.

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Modell des Salomonischen Tempels im Hamburg Museum. Foto: SHMH Hamburg Museum, Roos Aldershoff

 

Die Reinigung des Modells erfolgte mit verschiedenen Werkzeugen: Um große Aufwirbelungen von kontaminierten Staub zu vermeiden, wurden hauptsächlich Feuchtreinigungsmethoden angewandt: das Vakuumwaschverfahren für große glatte Flächen; kleine Flächen und Kanten wurden von Hand mit feuchten Mikroporenschwämmen und besonders verwinkelte Ecken mit einem angefeuchteten Wattestäbchen gereinigt. Alte Leimreste flexibilisierten die Restauratoren mit Tylose, um sie dann mit Werkzeugen zu entfernen. Zum Befestigen gelöster Holzteile nutzten sie Glutenleim, beim Verleimen der Birkenrinde Metylcellulosegel und Metallapplikationen wurden mit in Aceton gelösten Paraloid B72 gefestigt. Abschließend erfolgte eine Trockenreinigung des Tempels, um Schmutz- und Reinigungsreste zu entfernen.

Ergänzungen wurden während der Restaurierungsarbeiten bewusst nicht durchgeführt, die Restauratoren konzentrierten sich auf die Sicherung des originalen Bestands.

Neuentdeckung

Im Depot entdeckten die Museumsmitarbeiter in einer Kiste die äußere Umfassungsmauer des Tempels. Es sind so viele Teile vorhanden, dass die Mauer in etwa einer Länge von zehn Metern rekonstruiert werden könnte. Sie muss noch viel länger gewesen sein, denn das ursprüngliche Modell des Salomonischen Tempels war sechs mal sechs Meter groß. Diese Teile sind, ebenso wie die Teile der Säulenarchitektur, verloren.


Bis zum 10. Januar 2016 können sich Interessierte das beeindruckende Modell des Salomonischen Tempels anschauen. Danach wird das Objekt eingelagert, bevor es seinen endgültigen Platz in der neugestalteten Dauerausstellung bekommt.