24.02.2026

Porträts

Otto Vermehren – Restaurator und Künstler

Otto Vermehren betätigte sich sowohl als Künstler als auch als Restaurator und leitete schließlich die Restaurierungswerkstatt der Uffizien. Foto: Stadtmuseum Güstrow, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons
Otto Vermehren betätigte sich sowohl als Künstler als auch als Restaurator und leitete schließlich die Restaurierungswerkstatt der Uffizien. Foto: Stadtmuseum Güstrow, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons

Vermehren wuchs in einem bildungsbürgerlichen Elternhaus auf. Sein Vater August Vermehren war Gymnasial-Oberlehrer, sein Großvater Hermann Vermehren Superintendent in Güstrow. Schon früh zeigte sich Ottos künstlerische Neigung: 1869 begann er seine Gymnasialzeit in Güstrow, ab 1879 besuchte er als Hospitant die renommierte Kunstschule in Weimar, an der er später regulärer Schüler wurde. Am 21. Oktober 1880 immatrikulierte er sich an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste in München – damals eine der führenden Kunsthochschulen im deutschsprachigen Raum. Während seiner Studienzeit reiste er erstmals nach Italien, einem Land, das sein Leben fortan prägen sollte.


Zwischen München, Basel und Florenz

1887 heiratete Vermehren die Florentinerin Margherita Papini, ein Jahr später wurde ihr gemeinsamer Sohn Augusto in Florenz geboren. Die Verbindung nach Italien war damit nicht nur künstlerischer, sondern auch persönlicher Natur. 1890 trat Vermehren in eine Restauratorenschule ein, die der Königlich-Bayerischen Zentralgemälde-Galerie – also der Alten Pinakothek in München – angeschlossen und von Alois Hauser geleitet wurde. Dort erwarb er jenes handwerkliche und wissenschaftliche Rüstzeug, das ihn zur Restaurierung von Gemälden Alter Meister befähigte. Nach Abschluss dieser Ausbildung zog er 1891 nach Basel, wo er als Gemälderestaurator tätig war. 1893 folgte die gesamte Familie nach. Der Aufenthalt in der Schweiz war eine produktive Phase, in der Vermehren seinen Ruf als gewissenhafter Fachmann festigte. Im Jahr 1900 schließlich wagte er den nächsten großen Schritt: Die Familie übersiedelte nach Florenz.


Direktor der Restaurierungswerkstätten der Uffizien

In Florenz fand Vermehren seine eigentliche Berufung. Er übernahm die Leitung der Restaurierungswerkstätten der Galleria degli Uffizi – und wurde damit der erste Deutsche, dem diese Ehre zuteilwurde. Die Uffizien sind eines der ältesten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt, beherbergen sie doch eine der wichtigsten Sammlungen der Renaissance-Malerei überhaupt. In dieser Funktion war Vermehren für die Konservierung und Restaurierung von Meisterwerken verantwortlich, die zu den kostbarsten Zeugnissen europäischer Kunstgeschichte zählen. Als Vorbilder und Vorlagen dienten ihm die alten Meister des 16. und 17. Jahrhunderts. Während Vermehren als Zeichner, Maler und Kopist mehr aus eigenem Antrieb und im eigenen Auftrag handelte, bestand sein Broterwerb in der Restauratorentätigkeit.  Diese Trennung zwischen dem selbstbestimmten künstlerischen Schaffen und der professionellen Restaurierungsarbeit ist charakteristisch für sein Leben: Er war kein Künstler, der von Auftragswerken lebte, sondern ein Handwerker der Kunst mit höchstem Anspruch – und zugleich ein leidenschaftlicher Maler und Zeichner, der die Alten Meister studierte und interpretierte. Sein Leben lang blieb er den Werken Alter Meister verbunden, ohne dass zeitgenössische Neuerungen wesentlichen Einfluss auf ihn hatten.  In einer Zeit, in der Impressionismus, Jugendstil und bald auch Expressionismus die Kunstwelt aufwühlten, blieb Vermehren einem klassischen, handwerklich fundierten Kunstverständnis treu.


Rückkehr und Tod

1916, im zweiten Jahr des Ersten Weltkriegs, kehrte Vermehren in seine mecklenburgische Heimat zurück. Er ließ sich in Gehlsdorf bei Rostock nieder, wo er am 25. Oktober 1917 starb – nur wenige Jahrzehnte nachdem er in einer kleinen norddeutschen Gymnasiastenstadt aufgewachsen war, die er einst verlassen hatte, um in den Ateliers und Restaurierungswerkstätten Europas sein Können zu entfalten. Sein Sohn Augusto trat in seine Fußstapfen und wurde ebenfalls Gemälderestaurator an den Florentiner Museen – ein Zeugnis dafür, wie tief die Kunst in dieser Familie verwurzelt war. Ein großer Teil des künstlerischen Nachlasses Otto Vermehrens befindet sich heute im Stadtmuseum Güstrow, wo er seit 1980 aufbewahrt wird.  Dort erinnert seine Sammlung an einen außergewöhnlichen Mann: einen Güstrower, der in Florenz Geschichte schrieb.

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