Neues Verfahren gegen Papierzerfall

Mag. dr. hab. Patricia Engel ist wissenschaftliche Leiterin des European Research Centre für Book and Paper Conservation-Restoration an der Donau-Universität Krems. In einem interdisziplinären Forschungsprojekt entwickelten sie und ihr Team gemeinsam mit der Universität Graz eine Methode, um säurebedingten Papierzerfall zu stoppen. Ein Kommentar

Bildschirmfoto 2018-07-05 um 14.12.47
Patricia Engel, wissenschaftliche Leiterin des European Research Centre for Book and Paper Conservation-Restoration. Foto: Donau-Universität Krems

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts produzierte man Papier aus zerfaserten Holzstücken, um es der breiten Masse preisgünstig zur Verfügung zu stellen. Bis zum Beginn der Herstellung von hochwertigerem Papier nach 1945 druckte und schrieb man nahezu alles auf Holzschliffpapier: Bücher, Zeitungen und Briefe. Ein niedriger pH-Wert des Holzschliffpapiers führt bei längerer Lagerung zu einer Zerstörung der Celluloseketten. Außerdem wurde Alaun als Hilfsstoff der Papierproduktion eingesetzt, das führt zur Säurebildung, die den Papierzerfall weiter fördert. Das Papier wird brüchig. Eine unaufhaltsame Alterungsspirale entsteht, die durch schlechte Lagerung, Wärme, Licht und Luftfeuchtigkeit noch weiter beschleunigt wird. Aktuell ist der Bestand vieler Bibliotheken und Archive in unterschiedlich dramatischem Maß von säurebedingtem Papierzerfall betroffen.
Um den Erhalt dieser Dokumente zu sichern, haben wir in einem interdisziplinären Team aus Restauratoren und Chemikern der Donau-Universität Krems und der Universität Graz ein neues Verfahren entwickelt. Auf Basis von bisherigen Massenentsäuerungsverfahren, und unter Zuhilfenahme innovativer chemischer und nanotechnologischer Methoden, entsäuert es das Papier, hinterlässt eine alkalische Reserve und macht das Papier wiederverwendbar. Und falls gewünscht, kann man damit gleichzeitig Mikroorganismen desinfizieren – oder modular damit auch nur Mikroorganismen bekämpfen. Das Patent ist angemeldet. Wenn es sich durchsetzt, wird eine Forschungslücke in der österreichischen Papierrestaurierung geschlossen.