Neue Experten braucht das (Museums-)Land

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CONSTANZE FUHRMANN, FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR GRAPHISCHE DATENVERARBEITUNG IGD

Weltweit verzeichnen Museen einen Boom. So sollen beispielsweise die zum US-amerikanischen Museumsbund AAM gehörenden Einrichtungen mit 850 Mio. jährlichen Besuchern fast doppelt so viele Menschen anziehen wie die großen Sportligen und Freizeitparks des Landes zusammen. Nur in Deutschland nicht. Die durchschnittliche Besucherzahl je Museum liegt hier bei 48 pro Tag. Traurig, verglichen mit rund 150 Besuchern pro Tag und Museum in England.

Der Trend zeigt eine beunruhigende Entwicklung: Während internationale Museen in der Lage sind, den Erlebnishunger der Besucher zu stillen und sich zu Eventdestinationen zu entwickeln, scheinen sie hierzulande kaum Anziehungskraft auf Menschen jenseits der üblichen „Kulturinteressierten“ auszuüben.

Diese Misere hat zahlreiche Gründe. Neben der mangelnden Verankerung in der breiten Gesellschaft ist es vor allem auch fehlende Vermarktungskompetenz. Schon lange ist nicht nur eine fachliche Aufarbeitung und Betreuung von Sammlungen gefragt. Museen benötigen zunehmend auch die Fähigkeit, diese immer wieder in Form packender Erlebnisse zu vermarkten und durch relevante Zusatzangebote anzureichern.

Diese Anforderung muss sich endlich in der Bandbreite der in Museen arbeitenden Experten wiederspiegeln. Es gibt Bedarf an Mitarbeitern, die vermarktungsorientiert denken und keine Scheu vor einer stärkeren Einbindung von Sponsoren haben. Neben den klassischen Berufsbildern sollten daher vermehrt Fundraiser, Event- oder Kommunikationsprofis sowie Kulturvermittler in Museen zu finden sein, um eine stärkere gesellschaftliche Einbindung zu erreichen.

Manche Puristen mögen diese Entwicklung beklagen und als „Ausverkauf“ klassischer Museumskultur verteufeln. Die Fakten bleiben. Gerade für junge Menschen, die planen, eine Karriere in dem Bereich zu verfolgen, heißt es schon heute, sich auf diese neue Museumswelt einzustellen und die richtigen Qualifikationen aufzubauen.