Nassholzkonservierung

 

Im Mai 2016 fand in Kloster Bad Schussenried in Oberschwaben eine Tagung zum Thema Nassholzkonservierung statt. Diplomrestauratorin Nicole Ebinger-Rist, die die Leitung Restaurierung Archäologie im Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart inne hat, war für uns vor Ort und berichtet. 

„Wenn die große Landesausstellung ‚4.000 Jahre Pfahlbauten‘ kommt, machen wir eine gemeinsame Tagung zur Nassfundkonservierung!“, waren sich das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg (LAD) und Professor Gerhard Eggert vom Studiengang Objektrestaurierung der Kunstakademie Stuttgart einig. Schließlich wird dort noch bis zum 9. Oktober 2016 von den ersten hölzernen Wagenrädern aus dem Olzreuterried in Oberschwaben bis zum Skelett eines Hundewelpen eine große Zahl spektakulärer organischer Feuchtfunde erstmals ausgestellt.

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Skelett eines Hundewelpen. Das jungtier lag im vollständigen Skelettverband in der Mudde und dürfte im Flachwasser angespült oder verendet sein. Foto: © Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

 

Mitte Mai 2016 fand dann das „Wet Wood Conservation Colloquium“ im Kloster Bad Schussenried statt. Das internationale Vortragsprogramm reichte von den immer neuen Konservierungsproblemen des 1629 vor Westaustralien gesunkenen Ostindienseglers „Batavia“ über revolutionäre Ideen zu neuen Festigungsmitteln bis zur Sicherung eines mit Öl à la Rathgen altkonservierten neolithischen Seilgeflechts.

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Die Tagung zur Nassholzkonservierung fand Mitte Mai 2016 statt. Foto: Nicole Ebinger-Rist

 

Nach einer Einführung in die Landesarchäologie und speziell der Feuchtbodenarchäologie erläuterten der Dendrochronologe Sebastian Million und Restaurator Jörg Stelzner das Potential der Computertomographie in der Dendrochronologie. Dies wurde im Rahmen des DFG-Lauchheimprojekts des LAD untersucht. Festigungsmittel im Nassholz lassen bisher die Jahrringe im CT verschwimmen. Die bessere Auflösung neuer Geräte und die Entwicklung der Software lassen aber für die Zukunft hoffen.

Diese Arbeit illustriert auch die mittlerweile langjährige Kooperation zwischen dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Studiengang im Bereich Lehre und Forschung in der archäologischen Restaurierung: Gerade wurde die Arbeit Stelzners zum CT-Einsatz als Dissertation von der Staatlichen Akademie angenommen. In Person vereinigt diese Kooperation auch die Tagungsorganisatorin Ingrid Stelzner, die als Nassfundrestauratorin am Landesamt für Denkmalpflege viele der ausgestellten Funde restauriert hat, gleichzeitig aber auch im Rahmen eines DFG-Projekts des Studiengangs im Gefriertrocknungsmikroskop Festigungsmittel untersucht hat.

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Die Räder aus dem Olzreuter Ried bei Bad Schussenried in der großen Landesausstellung, Foto: © Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

 

Neben der großen Landesausstellung selbst und dem barocken Kloster mit Bibliothek und Chorgestühl konnte als Highlight im Begleitprogramm auch eine aktuelle Grabung mit reichlich Nassholz im Grabungsschnitt besichtigt werden.

Erfolgreiches Netzwerken der 70 Teilnehmer aus Nah und Fern ermöglichte auch ein immaterielles deutsches Kulturgut, nämlich die Kunst des Bierbrauens, das auf dem Festabend im Schussenrieder Bierkeller gewürdigt werden konnte.

Die erweiterten Kurzfassungen aller Beiträge können hier frei heruntergeladen werden.

Nicole Ebinger-Rist, Leitung Restaurierung Archäologie, Esslingen

Das Thema Maritimes Kulturerbe behandeln wir ausführlich in der RESTAURO 4/2016, die Anfang Juni 2016 hier erscheint.