Museum und Partizipation

Wie funktioniert Partizipation im Museum? Das Badische Landesmuseum in Karlsruhe hat die Nase ganz vorne, wenn es um digitale Neuerungen geht: Um nahe an der Bürgerschaft zu sein, wurde eigens ein Beirat gegründet

 Dr. Johannes Bernhardt ist Historiker. Er beschäftigte sich wissenschaftlich mit der Antike, zum Beispiel mit der „hasmonäischen Erhebung“ im Jahr 167 v. Chr. Dass er einmal ein Museum in die digitale Zukunft führen würde, hätte er sich vor gar nicht allzu langer Zeit vermutlich nicht träumen lassen. Doch genau das ist jetzt sein Job. Als „Digital Catalyst“ am Badischen Landesmuseum in Karlsruhe ist der promovierte Historiker zuständig für das Digitalmanagement und die Weiterentwicklung entsprechender Strategien. „Auf den ersten Blick ist das nicht die offensichtlichste Karrierelinie“, räumt Johannes Bernhardt ein. Jedoch habe ihn das Interesse für digitale Konzepte wie ein „Basso Continuo“ durch seine akademische Laufbahn begleitet. Als das Badische Landesmuseum 2017 für eine historische Sammlung mit einem altertumswissenschaftlichen Schwerpunkt einen Entwickler für das Digitalisierungskonzept suchte, war er der richtige Kandidat: „Das Projekt lag genau in der Schnittmenge meiner Expertisen“.

Partizipation: Wer ist im Museumsbeirat vertreten?

Damals wurden im Landesmuseum wichtige Weichen für die Digitalisierung gestellt. Bernhardt wurde der Leiter des Projektes „Creative Collections“, das das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen seines Programms „Digitale Wege ins Museum“ förderte. Bernhardts Ziel und das seiner Kollegin Christiane Lindner ist es seitdem, von Beginn an die Karlsruher Bürgerschaft in die Digitalkonzepte mit einzubeziehen. So entstand ein Beirat. „Wir wollen mit Euch neue Konzepte entwickeln“, lautete die Botschaft des Gründungsaufrufs, der eine überraschende starke Resonanz hervorrief. Nicht nur, was die Fülle an Bewerbungen betraf: „Es war auch interessant, dass sich für den Beirat Personen bewarben, deren Profil gar nicht unserem Stammpublikum entsprach.“ Menschen zwischen 20 und 40 Jahren sind besonders stark vertreten und damit im Schnitt deutlich jünger als das klassische Publikum des Landesmuseums. „Es war schön, dass ganz andere Leute zu Gehör kamen“, freut sich Bernhardt. Es habe sich eine bunte Mischung herausgebildet: Studierende, emeritierte Professor*innen, Leute aus dem IT-Bereich, aber auch Lehrer*innen, Unternehmer*innen sowie ein Polizist. In diversen Workshops diskutierte der fünfzigköpfige Beirat digitale Anwendungen im Museum, im Internet sowie digitale Citizien-Science-Projekte und entwickelte Prototypen.

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Sessions zur digitalen Zukunft des Museums

Gelungene Partizipation: Neben dem Bürgerrat bildete sich zudem ein interdisziplinärer Expertenbeirat. Auch hier war Diversität gefragt. „Wir wollten noch mehr Input in den Pool bekommen“, so Bernhardt. Neben den Expert*innen aus dem Museumsumfeld kamen Zukunftsforscher*innen, Journalist*innen, Medienleute und Start upUnternehmer*innen zu Wort. Schließlich organisierte Bernhardts Team ein zweitägiges Museumscamp im Schloss, zu dem es den Bürgerbeirat, den Expertenbeirat und weitere Interessierte einlud. Rund 100 Teilnehmer*innen berieten in diversen Sessions über die digitale Zukunft des Museums.

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Tipp: Jasper Visser ist Change Agent und Innovator, spezialisiert auf Audience Engagement. Seit über zehn Jahren arbeitet der Niederländer mit Kulturinstitutionen an Transformationsprozessen. Dr. Ute Strimmer sprach mit dem Berater über Zukunfts-Strategien. Lesen Sie hier mehr