Ludwig van Beethoven zum 250. Geburtstag

Ludwig van Beethoven (1770–1827) gilt als einer der berühmtesten und einflussreichsten Komponisten weltweit. Anlässlich seines 250. Geburtstags in diesem Jahr wird er in seiner Geburtsstadt Bonn mit zwei Ausstellungen geehrt. Daniela Groth hat die beiden Schauen mit Fokus auf die Museumsausstattung besucht

In der Bundeskunsthalle Bonn wird viel Wert auf die Inklusion Gehörloser gelegt: Die Musikstücke sind in Gebärdensprache auf Monitoren erklärt. Beethoven selbst hatte zu seinen Lebzeiten nichts dergleichen zur Verfügung: ab 1800 hatte er mit den Anfängen seiner Taubheit zu kämpfen. Foto: Screenshot Bundeskunsthalle Bonn
In der Bundeskunsthalle Bonn wird viel Wert auf die Inklusion Gehörloser gelegt: Die Musikstücke sind in Gebärdensprache auf Monitoren erklärt. Beethoven selbst hatte zu seinen Lebzeiten nichts dergleichen zur Verfügung: ab 1800 hatte er mit den Anfängen seiner Taubheit zu kämpfen. Foto: Screenshot Bundeskunsthalle Bonn

„Wann wird auch der Zeitpunkt kommen, wo es nur Menschen geben wird? Das werden wir nicht sehen, da werden wohl noch Jahrhunderte vorübergehen“, schreibt Beethoven 1795 an Heinrich von Struve. Wäre Beethoven selbst zu seinem 250. Geburtstag in der Ausstellung „Beethoven – Welt.Bürger.Musik“ der Bundeskunsthalle zu Bonn, würde er dort viele Menschen sehen: Besucher aus aller Welt und Kuratoren, die als Menschen allen Menschen Beethoven näherbringen. Egal, ob Sie als Kind, Erwachsener, Gehörloser oder Blinder, Deutscher oder Angehöriger einer anderen Nation die Ausstellung besuchen – die Schau berücksichtigt alle Menschen dieser Erde.

Für Kinder gibt es bei vielen Ausstellungsstücken ein Informationsschild in Form eines Hamsters, der Fragen stellt oder die Gelegenheit gibt, Objekte zu ertasten wie etwa die digitalisierte Nachbildung in 3D von Beethovens Lebendmaske. Nicht weit davon entfernt hören wir den 4. Satz aus der 5. Symphonie durch Knopfdruck auf dem „Emoti – Chair“, einem Stuhl, der es Gehörlosen ermöglicht, Musik zu erleben, indem das Klangspektrum durch Vibration auf den Körper übertragen wird. Überhaupt wird viel Wert auf die Inklusion Gehörloser gelegt, denn Musikstücke werden in Gebärdensprache auf Monitoren erklärt. Beethoven selbst hatte zu seinen Lebzeiten leider nichts dergleichen zur Verfügung: ab 1800 hatte er mit den Anfängen seiner Taubheit zu kämpfen. Die Mittel, mit denen er versuchte, sie zu heilen, sind in der Ausstellung zu sehen: Flacons mit verschiedenen Essenzen, ein Apparat zur Magnetfeldtherapie und seine Hörrohre: sowohl eine Replik als auch das Original. Eine riesige Leinwand listet seine Krankheiten auf, dazwischen Zitate von ihm, wie sehr er darunter litt. Diese Art der Aufbereitung macht betroffen und fasziniert zugleich: wie konnte dieser Mensch der Ironie des Schicksals, ausgerechnet als Komponist sein Gehör zu verlieren, trotzen? Gleich gegenüber das sogenannte Heiligenstädter Testament, ein Brief, in dem Beethoven die Qualen der fortschreitenden Taubheit und der damit einhergehenden sozialen Isolation beschreibt, die er nicht wollte, aber in die er gedrängt wurde. Beethoven kämpfte, er komponierte unaufhaltsam: Einzelne große Werke sind in kunstvoller großer Schrift an die Ausstellungswände gemalt, man sieht das Werk förmlich vor sich. So haben wir neben all dem Leid ständig auch seine Werke im Blick. Trotz der Fülle ist alles gut strukturiert: die Räume sind zeitlich gegliedert in die Bonner und die Wiener Zeit, durch übersichtliche Zeittafeln schön an die Wände gemalt und erklärt in 3 Sprachen: in einer einfachen, für jeden verständlich, in gehobener deutscher Sprache sowie auf Englisch. Briefe, Gemälde, Notenautographe und Skulpturen wechseln einander ab, so dass es für den Geist abwechslungsreich bleibt und die Aufnahmefähigkeit gewährleistet ist. Und diese braucht man, denn es gibt viel zu sehen, zu hören, zu fühlen und zu verarbeiten. In dieser strukturierten Vielfalt sind immer wieder „Kopfhörer-Inseln“ positioniert, die zum Hinsetzen und Anhören verschiedener Werke einladen und dadurch einen Ruhepol bilden, der einen in Beethovens Musik eintauchen lässt. Von hier aus hat man eine gute Sicht auf entsprechend gehängte Bilder wie die Bleistiftzeichnung von August von Kloeber, die Beethoven sehr realistisch darstellt und die Beethoven selbst als sehr lebensnah empfunden hat. Diese Information bekommt man übrigens über den Audioguide, den es gratis zur Eintrittskarte gibt. Gegen Ende der Ausstellung finden wir interessante Dokumentationen über die Praxis: Wie funktioniert eine Klaviertaste, wie wurden früher Noten gestochen oder wie wird die Brotsuppe, das Lieblingsgericht Beethovens, zubereitet? Das Rezept kann man sich abreißen und mitnehmen!

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 2/2020, die Mitte Februar erscheint. Ein Special zum Thema „Museumsausstattung“ finden Sie in der Ausgabe 1/2020, www.restauro.de/shop