16.04.2019

Branchen-News

Kritik

von Martin Miersch
Präsident des Verbands der Restauratoren (VDR) Foto: privat
Präsident des Verbands der Restauratoren (VDR) Foto: privat

Der Verband der Restauratoren spricht sich gegen ein Verwirrspiel mit Hochschultiteln für Gesellen und Meister aus. Präsident Professor Jan Raue plädiert dafür, an der Stärkung der spezifischen Ausbildungsinhalte, -bedingungen und Kompetenzen sowohl der handwerklichen, wie der akademischen Akteure zu arbeiten

 

Sowohl auf Zustimmung als auch auf vehemente Ablehnung stoßen die Vorschläge, die Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) jüngst im Deutschlandfunk äußerte. Das erklärte Ziel des Bundesbildungsministeriums ist es, die Gleichwertigkeit von Studium und Berufsausbildung zu verdeutlichen und mehr Schulabgänger für eine Ausbildung zu begeistern. Daher schlug die Ministerin vor, angelehnt an die Uni-Abschlüsse einen sogenannten „Berufs-Bachelor“ und „Berufs-Master“ zu schaffen.

Der Verband der Restauratoren kritisierte diesen Vorschlag und sprach sich „gegen ein Verwirrspiel mit Hochschultiteln für Gesellen und Meister“ aus: „Statt die ‚Gleichwertigkeit’ von handwerklichen und akademischen Abschlüssen zu unterstreichen, wird mit den fast identischen Berufsbezeichnungen eine ‚Gleichartigkeit’ von fachlich vollkommen unterschiedlichen Kompetenzen suggeriert“, kritisiert VDR-Präsident Prof. Dr. Jan Raue die Pläne der Bundesbildungsministerin. Er plädiert dafür, nicht an neu erfundenen Berufsbezeichnungen, sondern an der Stärkung der spezifischen Ausbildungsinhalte, -bedingungen und Kompetenzen sowohl der handwerklichen, wie der akademischen Akteure zu arbeiten. „Die Forderung, dass die Begriffe ‚Master’ und ‚Bachelor’ den Hochschulen vorbehalten sein sollten, können wir nur unterstützen. Auf das Feld der Konservierung und Restaurierung unseres kulturellen Erbes übertragen, würde die neue Regelung bedeuten, dass es in Zukunft für die Verbraucher noch schwieriger wird, echte Qualifikationen zu erkennen und sich nicht von einer Vielzahl ähnlich klingender Titel verwirren zu lassen.“

Kunstliebhaber und Institutionen, die ihre Schätze in die Hände von Restauratoren legen möchten, hätten durch den mangelnden Schutz für die Berufsbezeichnung Restaurator in Deutschland schon heute unnötige Schwierigkeiten, qualifizierte Fachleute zu erkennen – die neue Regelung würde das bestehende Problem zusätzlich weiter verschärfen. Den Fortbestand des traditionellen Handwerks auch in Deutschland zu sichern, ist ein Anliegen, das auch der Verband der Restauratoren unterstützt. Mit den neuen Bezeichnungen erreiche man aber eher das Gegenteil, so Raue. Etablierte Bezeichnungen wie ‚Meister’ würden entwertet und die Qualität der handwerklichen Fortbildungsabschlüsse würde sich zunehmend über eine angestrebte Nähe zu den akademischen Traditionen definieren. „Das ist hochgradig kontraproduktiv für alle Seiten“, so Präsident Raue.

„Besser wäre es, wenn beide Berufsfelder ihre Profile selbstbewusst nebeneinander präsentierten. Nachwuchs gewinnt man durch Klarheit und Offenheit, nicht durch Jonglieren mit Titeln. Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), sieht das ähnlich:  „Wir halten diesen Vorschlag für verfehlt. Ich habe die Ministerin bereits dringend gebeten, von einer entsprechenden Novellierung Abstand zu nehmen.“

Abschlussbezeichnungen müssten „transparent und eindeutig“ sein und dürften nicht zu Verwechslungen führen. So müsse etwa bei der Berufsorientierung, der Formulierung von Stellenausschreibungen oder bei der Personalsuche von Unternehmen klar sein, was gemeint sei. „Die vorgeschlagenen Bezeichnungen „Berufsbachelor“ und „Berufsmaster“ erreichen das Gegenteil: völlig unterschiedliche Kompetenzen werden mit fast identischen Bezeichnungen belegt.“ Es sei ein Kurzschluss zu glauben, dass man mit ähnlichen Bezeichnungen die Gleichwertigkeit von beruflicher und Hochschulbildung deutlich machen könne, sagte Alt. „Wenn man diese Gleichwertigkeit ernst nimmt – und das tue ich – sollten beide Bereiche selbstbewusst ihre unterschiedlichen Profile präsentieren und sie sollten auch in den Bezeichnungen ihren Ausdruck finden.“

Auf die Frage nach der Kritik der Berufsverbände, bekannte Begriffe wie „Fachwirt“ oder „Meister“ würden verschwinden, sagte Karliczek, beide Bezeichnungen würde bestehen bleiben. Man schaffe lediglich eine zusätzliche Bezeichnung. Über den Vorschlag zur Reformierung von Fortbildungsabschlüssen berät derzeit das Kabinett des Bundestags. Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek will akademische Grade wie ‚Bachelor’ und ‚Master’ in leicht modifizierter Form künftig auch an Handwerksberufe verleihen. Drei neue Bezeichnungen solle es geben: Gesellen, wie Bäcker und Friseure, dürften sich demnach ‚Berufsspezialisten’ nennen, Meister ‚Berufsbachelor’ und darüber hinaus Qualifizierte ‚Berufsmaster’. Die Ministerin will nach eigenem Bekunden damit „die Sichtbarkeit der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung auf internationaler Ebene“ herausstellen. Doch was vorgeblich für mehr Transparenz sorgen soll, führt zu beträchtlichen und völlig überflüssigen Verwirrungen und löst daher massiven Widerstand aus.

So warnt der Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe (BFB), Wolfgang Ewert, vor der neuen Regelung: „Gerade durch die Begriffe ‚Berufsbachelor’ und ‚Berufsmaster’ droht eine große Verwechselungsgefahr mit den Studienabschlüssen des Bachelor-Master-Systems. Das irritiert besonders junge Menschen bei der Berufsorientierung und Arbeitgeber“. Auch die Hochschulen lehnen die Einführung der drei Fortbildungsstufen und die damit einhergehenden zwingenden neuen Berufsbezeichnungen ab – gerade wegen der großen Verwechslungsgefahr.

 

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