04.09.2025

Kunststück Museum

Kriegsverlust kehrt zurück

Nach 80 Jahren zurück im Berliner Kupferstichkabinett: Wilhelm Buschs „Die drei Räuber“ aus: „Die kühne Müllerstochter“. © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Antje Penz
Nach 80 Jahren zurück im Berliner Kupferstichkabinett: Wilhelm Buschs „Die drei Räuber“ aus: „Die kühne Müllerstochter“. © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Antje Penz

Nach rund 80 Jahren ist eine verschollene Wilhelm Busch Zeichnung zurück im Berliner Kupferstichkabinett. Das Werk „Die drei Räuber“ illustriert das Gedicht „Die kühne Müllerstochter“ und galt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Jetzt wurde die Zeichnung von der früheren Besitzerin dem Museum geschenkt und ergänzt wieder die historische Sammlung.

Die Wilhelm Busch Zeichnung tauchte erstmals wieder im Frühjahr 2025 im Schweizer Kunsthandel auf. Ein Privatverkauf aus Winterthur wurde beim Zürcher Auktionshaus Koller zur Versteigerung eingeliefert. Im Rahmen der Nachforschungen stellte Franz-Carl Diegelmann, Leiter der Abteilung Alte Grafik/Zeichnungen beim Auktionshaus, fest, dass es sich bei dem Werk um einen früheren Besitz des Berliner Kupferstichkabinetts handelte, der während des Krieges abhandengekommen war. „Ich freue mich sehr, dass die Karikatur von Wilhelm Busch nun genau achtzig Jahre nach Kriegsende ihren Platz zurück in das Kupferstichkabinett Berlin gefunden hat“, erklärte Diegelmann. „Durch mein Kunstgeschichtsstudium in Berlin fühle ich mich dem Haus und seiner großartigen Sammlung schon seit vielen Jahren in ganz besonderer Weise verbunden und war sehr gerne bei der Rückgewinnung der Zeichnung behilflich.“ Nach der Bestätigung des Kriegsverlustes durch das Museum nahmen die Verantwortlichen des Auktionshauses Kontakt mit der damaligen Besitzerin auf. Diese erklärte sich bereit, die Wilhelm Busch Zeichnung dem Kupferstichkabinett zu schenken.


Historischer Hintergrund der Wilhelm Busch Zeichnung

Die Zeichnung „Die drei Räuber“ illustriert das Gedicht „Die kühne Müllerstochter“, das erstmals 1868 in Band 20 der Zeitschrift „Über Land und Meer“ veröffentlicht wurde. Das Werk gehört zu einer elfteiligen Folge, die eine schauerliche, aber zugleich humorvolle Begebenheit schildert.

Im Gedicht heißt es:
„Da schleichen drei Räuber wild und stumm / – Husch, husch! pist, pist! – ums Haus herum.“ 

Die Müllerstochter bemerkt die nächtlichen Einbrecher und weiß sich zu wehren. Auf dem letzten Bild wird im Text ein Resümee gezogen:
„So starben die drei ganz unverhofft. / O, Jüngling! da schau her!!! / So bringt ein einzig Mädchen oft / Drei Männer in‘s Malheur!!!!“ Die Wilhelm Busch Zeichnung gehört damit zu einem bedeutenden Zyklus, der durch seinen bildhaften Humor und die erzählerische Kraft des Dichters bis heute überzeugt.


Von Berlin nach Zürich und zurück

Bereits im Jahr 1909 hatte das Kupferstichkabinett die Zeichnung zusammen mit weiteren Arbeiten direkt bei den Erben Wilhelm Buschs für eine geplante Ausstellung des Vereins der Berliner Künstler erworben. 1945 wurde das Werk zusammen mit anderen Beständen im Reichsbanktiefkeller ausgelagert. Seitdem galt es als verschollen – bis nun die Wiederentdeckung im Schweizer Kunsthandel gelang. Dagmar Korbacher, Direktorin des Kupferstichkabinetts, äußerte sich zur Rückkehr der Zeichnung: „Die Rückkehr dieses Werks in das Kupferstichkabinett erfüllt uns mit besonderer Freude. Das Blatt mit dem lautmalerischen Reim und den auffällig unauffällig ums Haus schleichenden Räubern bringt uns bis heute in bester Wilhelm Busch-Manier zum Schmunzeln und Nachdenken. Unser Dank gilt der großzügigen zwischenzeitlichen Besitzerin sowie den aufmerksamen Expertinnen und Experten des Auktionshauses, deren sorgfältige Arbeit und Verantwortungsbewusstsein diese Rückführung erst möglich gemacht haben.“


Bedeutung für das Kupferstichkabinett

Die Rückführung der Wilhelm Busch Zeichnung ist nicht nur ein Erfolg in der Provenienzforschung, sondern auch ein Gewinn für den öffentlichen Zugang zu historischen Kunstwerken. Durch die Schenkung kann das Kupferstichkabinett eine Lücke im Bestand schließen, die durch die Kriegswirren entstanden war. Marion Ackermann, Präsidentin der Staatlichen Museen zu Berlin, hob hervor, dass die sorgfältige Provenienzprüfung des Schweizer Auktionshauses Koller und der Kontakt zur früheren Besitzerin entscheidend dafür waren, dass das Werk als Schenkung zurückkehren konnte und die Lücke im Museumsbestand wieder geschlossen werden konnte.


Kunsthistorische Einordnung

Anna Pfäfflin, Kuratorin für die Kunst des 19. Jahrhunderts am Kupferstichkabinett, betonte den erzählerischen Wert der Wilhelm Busch Zeichnung:
„In seiner Moritat schildert Wilhelm Busch eine überraschende Wendung. Denn manchmal kommen die Dinge ganz anders als erwartet. – Nicht die überfallene Müllerstochter ist das Opfer, sondern am Ende sind die Räuber tot. Und was als Kriegsverlust galt, findet durch glückliche Umstände und private Großzügigkeit seinen Weg zurück ins Museum und damit wieder in öffentlichen Besitz.“
Die Zeichnung gehört zu einem Zyklus, der Wilhelms Buschs Talent für humorvolle Gesellschaftskritik und narrative Kunst besonders deutlich macht. Die präzise Ausführung der Linien, die detailreiche Darstellung und die Kombination von Bild und Text sind charakteristisch für Buschs Werk und machen die Wilhelm Busch Zeichnung zu einem wichtigen Bestandteil der Sammlung.


Provenienzforschung als Schlüssel

Die Rückführung der Wilhelm Busch Zeichnung verdeutlicht die Bedeutung sorgfältiger Provenienzforschung. Nur durch die akribische Arbeit der Fachleute am Auktionshaus Koller konnte die Verbindung zum Berliner Kupferstichkabinett hergestellt und eine rechtmäßige Rückgabe ermöglicht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Museum, Auktionshaus und früherer Besitzerin zeigt, wie wertvoll und notwendig ein transparentes Vorgehen bei historischen Kunstwerken ist.

 


Wiederentdeckung nach 80 Jahren

Nach rund acht Jahrzehnten kehrt die Wilhelm Busch Zeichnung damit wieder in den öffentlichen Bestand zurück und kann nun wieder im Museum besichtigt werden. Die Rückgabe gilt als bedeutender Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes und unterstreicht die Rolle von Museen als Bewahrer historischer Kunstwerke. Franz-Carl Diegelmann fasste die Rückgabe zusammen:
„Ich freue mich sehr, dass die Karikatur von Wilhelm Busch nun genau achtzig Jahre nach Kriegsende ihren Platz zurück in das Kupferstichkabinett Berlin gefunden hat.“ Dagmar Korbacher ergänzte: „Das Blatt bringt uns bis heute in bester Wilhelm Busch-Manier zum Schmunzeln und Nachdenken.“
Die Rückkehr der Wilhelm Busch Zeichnung „Die drei Räuber“ ist ein Beispiel für die erfolgreiche Wiederherstellung verlorener Kulturgüter und zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit zwischen Museen, Fachleuten und privaten Sammlern ist. Das Werk ergänzt die Sammlung des Kupferstichkabinetts und bietet der Öffentlichkeit erneut die Möglichkeit, ein bedeutendes Werk Wilhelms Buschs zu erleben. Die Wilhelm Busch Zeichnung bleibt ein Zeugnis der künstlerischen Erzählkunst des 19. Jahrhunderts und ein Symbol für die gelungene Rückführung verschollener Kulturgüter in die Museen.

 

Weiterlesen: Nach 90 Jahren konnte eine Bildtafel von Lucas Cranach d. Ä. wiedervereint werden.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Scroll to Top