Wahrzeichen Kölns, Touristenmagnet und UNESCO-Welterbe: der Kölner Dom. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0, via: Wikimedia Commons
Wahrzeichen Kölns, Touristenmagnet und UNESCO-Welterbe: der Kölner Dom. Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0, via: Wikimedia Commons

Wer auf Köln zufährt, der sieht ihn tatsächlich schon von Weitem: den Kölner Dom, dieses unverwechselbare steinerne Wahrzeichen der Stadt, das mit seinen filigranen, beinahe schwerelos wirkenden Türmen und seiner imposanten, beinahe einschüchternden Fassade die gesamte Silhouette Kölns nachhaltig prägt – und das weit, weit mehr ist als lediglich ein touristisches Fotomotiv.

Das monumentale Gotteshaus gilt einerseits als architektonisches Weltwunder von nahezu unvorstellbarem Rang und ist andererseits seit Jahrhunderten zugleich eines der religiösen Zentren Europas. Seit dem Jahr 1996 darf es sich zudem mit der hoch angesehenen Auszeichnung der UNESCO als Weltkulturerbe schmücken. Die Vereinten Nationen würdigten den Kölner Dom in besonders feierlichen Worten als „einzigartiges Zeugnis menschlicher Schöpferkraft und künstlerischer Raffinesse“. Der Aufnahme in die erlesene Liste des Welterbes gingen sorgfältig geprüfte Kriterien voraus, nämlich (i) – das unvergleichliche Meisterwerk, (ii) – der bedeutende Ideenaustausch im gotischen Sakralbau sowie (iv) – das herausragende Denkmal einer ganzen Epoche. Zwischen den Jahren 2004 und 2006 galt dieses Bauwerk allerdings zwischenzeitlich als in seiner Unversehrtheit tatsächlich bedroht und wurde infolgedessen auf die bekannte „Rote Liste“ der gefährdeten Welterbestätten gesetzt. Doch dank umfangreicher städtebaulicher Nachbesserungen, die schließlich in aller Konsequenz umgesetzt wurden, erfolgte am Ende die erlösende Wiederaustragung.


Von der kleine spätantiken Kirche zum nationalen Symbol

Bereits während in der Spätantike wurde der Ort am Domhügel von der noch kleinen christlichen Gemeinde Köln genutzt, in archäologischen Grabungen wurden östlich des Domchors Überreste eines Baptisteriums gefunden. Maternus gilt als erster Bischof Kölns, der um 313 an diesem Ort gewirkt haben soll. Nachdem die römische Herrschaft am Rhein zusammengebrochen war, übernahmen die Dynastie der Merowinger die Macht und sie ließen am Domhügel eine Kirche errichten, wie Grabungsfunde zeigen. In der Karolingerzeit fanden wieder Baumaßnahme an der Stelle statt, 870 wurde der sogenannte Hildebold-Dom geweiht.
Am 15. August 1248 begann mit der feierlichen Grundsteinlegung, motiviert durch die kurz zuvor erfolgte Überführung der Reliquien der Heiligen Drei Könige nach Köln der Bau des gotischen Doms Der Raub der Gebeine kann als ein Ereignis von beinahe weltgeschichtlicher Bedeutung bezeichnet werden, das den Dom sehr schnell zu einer europaweit verehrten Pilgerstätte erhob. Die Bauarbeiten zogen sich, wie es bei solchen monumentalen Projekten nicht selten geschieht, über viele Jahrhunderte hin – ab 1560 ruhte der Dombau sogar mehr als 280 Jahre lang nahezu vollständig. Erst das nationale Erwachen des 19. Jahrhunderts verlieh dem Werk neue Bedeutung. Unter preußischer Regie und mit tatkräftiger Unterstützung der engagierten Bürgerschaft entstand schließlich die monumentale Doppelturmfassade. Im Jahr 1880 feierte Köln die feierliche Vollendung enthusiastisch: Der Dom war nun, mit stolzen 157,38 Metern, für eine kurze, aber ruhmreiche Zeitspanne tatsächlich das höchste Gebäude der Welt.

Schon früh wurde die Stelle an der heute der Doms steht von frühen Christen genutzt. Das Baptisterium zeugt davon. Foto: © Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, via: Wikimedia Commons

Gotische Ingenieurskunst: Fassaden, Türme und himmelstürmende Pfeiler

Im Kölner Dom begegnet uns die französische Hochgotik in einer faszinierenden Verschmelzung mit typisch deutschem Perfektionismus. Die Baumeister orientieren sich zwar zunächst an den berühmten Kathedralen von Amiens und Beauvais, doch sie etablieren darüber hinaus ein eigenständiges System mit einzigartigen siebenzackigen Kranzkapellen, die im regelmäßigen 12-Eck angeordnet sind. Das mächtige Strebewerk stabilisiert die außerordentlich hohen Mauern und schafft gleichzeitig Raum für den größten mittelalterlichen Kirchenfensterzyklus in ganz Europa. Die prachtvolle Fassade glitzert im Wechselspiel von kunstvollem Maßwerk und reichhaltigen Figurenprogrammen, während im Inneren beeindruckende Kunstwerke wie der weltberühmte Dreikönigenschrein und das moderne Richter-Fenster die Besucher:innen gleichermaßen in ihren Bann ziehen.


Von Pilgerziel zu Touristenmagnet: Dom heute

Mit rund sechs Millionen Besucher:innen pro Jahr ist der Kölner Dom heutzutage unbestritten eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten ganz Deutschlands. Für die Kölner:innen ist der Dom aus der Stadt längst nicht mehr wegzudenken – wie es in einer Zeile des bekannten Karnevalslieds „Mer losse d’r Dom in Kölle“ heißt: „Mer losse d’r Dom en Kölle, denn do jehööt hä hin.“ („Wir lassen den Dom in Köln, denn dort gehört er hin.“) Diese Linie bringt es schließlich auf den Punkt: „Wat sull dä dann woanders, dat hät doch keine Senn.“ („Was soll er denn woanders, das hat doch keinen Sinn.“).
Der Dom fungiert nicht nur als sakrales Zentrum der Stadt, sondern ist auch Sitz des Erzbischofs und Mittelpunkt feierlicher, oftmals festlich inszenierter Gottesdienste. Unterschiedliche Angebote wie informative Führungen, eindrucksvolle Orgelkonzerte, der beschwerliche, aber lohnende Aufstieg auf den Südturm mit immerhin 533 Stufen oder auch die Domschatzkammer mit ihren mittelalterlichen Goldarbeiten machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis – sowohl für gläubige Menschen als auch für kulturbegeisterte Reisende aus aller Welt.

Tipp für Entdecker:
Wer den wirklich unvergleichlichen Blick genießen möchte, der sollte am besten bei besonders klarem Wetter den Aufstieg auf den Südturm wagen – denn oben, in luftiger Höhe, wartet ein wahrhaft einmaliges Panorama über Köln und weit hinaus bis ins malerische Bergische Land.

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