08.09.2025

Kunststück

Göttin und Begleiterin des Teufels: Die Katze in der Kunst

In Ägypten verehrte man die Göttin Bastet, die in Gestalt einer Katze dargestellt wurde. Foto: KS_aus_F (Katharina Surhoff) - Eigenes Werk, GFDL, via: Wikimedia Commons
In Ägypten verehrte man die Göttin Bastet, die in Gestalt einer Katze dargestellt wurde. Foto: KS_aus_F (Katharina Surhoff) - Eigenes Werk, GFDL, via: Wikimedia Commons

Seit Jahrtausenden übt die Katze auf den Menschen eine besondere Faszination aus. Sie gilt als geheimnisvoll, unabhängig und zugleich vertraut. Diese ambivalente Haltung spiegelt sich auch in der Kunstgeschichte wider.

Von den heiligen Katzenfiguren im Alten Ägypten über Darstellungen in mittelalterlichen Handschriften und Renaissance-Malereien bis hin zu moderner Street Art und digitaler Popkultur bleibt die Katze ein zentrales Tiermotiv. Ihre Symbolik reicht von Verehrung und Schutz über Skepsis und Leidenschaft bis hin zu Unabhängigkeit und Individualität. Die Katze lässt sich sowohl in Profan- als auch Sakralikonografie finden. Wichtig war in dem Zusammenhang auch die Fellfarbe der Katze: Hellfarbige Katzen wurden als Hinweis auf Jesus und als Seelenträgerin gewertet. Sie konnten zudem auf Freiheit und Freiheitsliebe verweisen, sodass sie auch als Attribut der Personifikation der „libertas“ (Freiheit) auftraten. Katzen konnten aber, auch auf Streit und Feindschaft anspielen. Sie galt bisweilen auch als das Sinnbild der Sünde und wurde mit „luxuria“ (Wolllust) gleichgesetzt. Insbesondere schwarze Katzen hatten einen schlechten Ruf: Sie standen im Verdacht mit dunklen Mächten verbündet zu sein. Diese Ambivalenz zwischen Verehrung und Verdächtigung prägte das Bild der Katze über Jahrhunderte hinweg.


Die Katze in der Antike: Göttin und Gefährtin

Die Katze nahm in der Antike eine herausragende Stellung ein, insbesondere im Alten Ägypten. Dort wurde sie zur Verkörperung der Göttin Bastet, die für Fruchtbarkeit, Schutz und Weiblichkeit stand. Katzenfiguren aus Bronze, Holz und Stein, vielfach mit kunstvollen Gravuren versehen, wurden in Tempeln und Gräbern aufgestellt. Sie sollten Glück und göttlichen Beistand bringen. Archäologische Funde belegen, dass Katzen sogar mumifiziert wurden, um als Begleiter ins Jenseits zu wirken.
In der griechisch-römischen Welt hatten Katzen eine weniger religiöse Bedeutung. Sie wurde vor allem für ihre praktischen Fähigkeiten geschätzt: als Mäuse- und Vogeljägerin im Haushalt. Auf römischen Mosaiken und Fresken erscheinen Katzen in Jagdszenen oder im häuslichen Alltag. Schon hier deutet sich die enge Verbindung zwischen Katze und Mensch an, die bis heute Bestand hat. Vereinzelt lässt sich die Katze aber auch in der Mythologie nachweisen – sie tritt dann als Begleittier der Göttinnen Artemis bzw. Diana auf.


Mittelalter: Zwischen Häuslichkeit und Misstrauen

Im europäischen Mittelalter war das Bild der Katze ambivalent. Einerseits war sie ein nützliches Haustier in Klöstern, Höfen und Städten, wo sie Getreidespeicher vor Mäusen schützte. Andererseits wurde sie zunehmend mit negativen Vorstellungen verbunden. Schwarze Katzen galten als dämonisch und wurden in Legenden zu Begleiterinnen von Hexen. In der Kunst des Mittelalters tauchten Katzen in illuminieren Handschriften, Buchmalereien und Skulpturen auf. Sie symbolisierten jedoch auch häufig List, Unberechenbarkeit oder gar das Böse. Dennoch existierten auch positive Darstellungen: In häuslichen Szenen erscheint die Katze als Teil der familiären Lebenswelt, manchmal zu Füßen von Frauen, wo sie für Geborgenheit oder Fruchtbarkeit stand.


Renaissance: Anmut und Leidenschaft

In der Renaissance wandelte sich die Symbolik der Katze erneut. Künstler wie Leonardo da Vinci fertigten anatomische Studien von Katzen an, fasziniert von ihrer Beweglichkeit und Eleganz und soll sogar gesagt haben „selbst die kleinste Katze ist ein Meisterwerk der Natur“. Die Katze galt als Sinnbild für Grazie und Unabhängigkeit, Eigenschaften, die mit den Idealen der Renaissance übereinstimmten. Auf Gemälden erscheint die Katze häufig in häuslichen Szenen, wo sie Häuslichkeit und Nähe repräsentiert. Gleichzeitig konnte sie aber auch für Leidenschaft oder ungezähmte Natur stehen. In Darstellungen der Venus oder anderer weiblicher Figuren symbolisierte die Katze bisweilen erotische Energie. Aber auch in Mariendarstellungen, insbesondere in solche, die sie mit dem Christusknaben zeigen, lässt sie sich finden. Damit wurde sie zu einem vielschichtigen Symbol, das zwischen Intimität, Freiheit und Sinnlichkeit oszillierte.

Häufig ist die Katze auch in Mariendarstellungen zu finden. Foto: gallerix.ru, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons
Häufig ist die Katze auch in Mariendarstellungen zu finden. Foto: gallerix.ru, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons

Barock und Rokoko: Die Katze als Teil des Alltags

Im Barock und Rokoko war die Katze zunehmend ein Bestandteil bürgerlicher und aristokratischer Lebenswelten. Auf Gemälden, die das häusliche Umfeld zeigen, liegt sie auf Sesseln, Sofas oder Teppichen und wird als dekoratives, aber zugleich lebendiges Detail eingesetzt. Die Symbolik blieb dennoch zwiespältig: Einerseits stand die Katze für das heimische, private Leben, andererseits für Eigenwilligkeit und Unberechenbarkeit. Vor allem in Stillleben wurde sie häufig dargestellt, etwa als neugieriges Tier, das sich über Fische oder Geflügel hermacht. Diese Szenen verweisen auf den spielerischen, aber auch unkontrollierbaren Charakter der Katze.

Auf Stillleben sind Katzen häufig vertreten. Foto: Pinakotheken, CC BY-SA 4.0
Auf Stillleben sind Katzen häufig vertreten. Foto: Pinakotheken, CC BY-SA 4.0
Eine humorvolle Darstellung stammte von David Teniers d. J. Foto: Pinakotheken, CC BY-SA 4.0
Eine humorvolle Darstellung stammte von David Teniers d. J. Sie zeigt ein Katzenkonzert begleitet werden die Katzen von Affen und einer Eule. Foto: Pinakotheken, CC BY-SA 4.0

19. Jahrhundert: Bürgerliche Intimität

Im 19. Jahrhundert rückte die Katze endgültig in die häusliche Sphäre. Mit dem Aufstieg des Bürgertums und der Veränderung von Wohnkultur wurde sie zu einem Symbol für Intimität, Geborgenheit und den privaten Raum. Künstler wie Édouard Manet oder Pierre-Auguste Renoir integrierten Katzen in ihre Porträtszenen. Hier verkörperten sie Nähe, Sanftheit und die wachsende emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier. Auch in der Literatur und Illustration gewann die Katze an Popularität. In Kinderbüchern und Karikaturen wurde sie als verspieltes und zugleich eigensinniges Wesen dargestellt. Damit verfestigte sich das Bild der Katze als Familienmitglied, das einerseits Nähe schenkt, andererseits seine Unabhängigkeit bewahrt.

Auf dem Portait der Madame Manet stellt Edouard Manet seine Frau gemeinsam mit einer Katze da. Foto: http://www.tate.org.uk, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons
Auf dem Portait der Madame Manet stellt Edouard Manet seine Frau gemeinsam mit einer Katze da. Foto: http://www.tate.org.uk, Gemeinfrei, via: Wikimedia Commons

Moderne: Zwischen Symbol und Popkultur

Im 20. Jahrhundert entfaltete sich die künstlerische Vielfalt der Katze in einem neuen Maßstab. Der Maler Balthus nutzte die Katze, um geheimnisvolle und sinnliche Stimmungen zu erzeugen. Pablo Picasso fertigte zahlreiche Skizzen von Katzen an, in denen er ihre geschmeidigen Bewegungen in abstrahierter Form festhielt.
Auch in der Fotografie erhielt die Katze einen festen Platz. Künstler wie Brassaï oder Cartier-Bresson hielten Katzen im urbanen Umfeld fest – als stille Beobachterinnen des menschlichen Lebens. Sie stand nun für Unabhängigkeit, für Freiheit und für eine subtile Form von Individualität.

August Macke stellte eine Katze im Gemälde "Der Geist im Hausgestühl: Stillleben mit Katze" dar. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe Stiftung Familie Kames
August Macke stellte eine Katze im Gemälde "Der Geist im Hausgestühl: Stillleben mit Katze" dar. Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe Stiftung Familie Kames

Gegenwart: Digitale Ikone und Kunstobjekt

Heute ist die Katze aus der Kunst ebenso wenig wegzudenken wie aus der digitalen Kultur. In der Gegenwartskunst wird sie in Installationen, Videokunst und Malerei aufgegriffen. Street-Art-Künstler:innen nutzen die Katze als Symbol für Freiheit und Widerständigkeit, während zeitgenössische Maler:innen ihre Präsenz im Alltag reflektieren. Parallel dazu hat sie im digitalen Raum eine beispiellose Karriere gemacht. Internet-Memes wie „Grumpy Cat“ oder animierte Katzenvideos haben sie zu globalen Ikonen gemacht. Auch wenn diese Darstellungen humoristisch wirken, greifen sie unbewusst auf eine jahrtausendealte Symbolik zurück: die Katze als Spiegel menschlicher Sehnsüchte, Ängste und Eigenheiten.

Katzen sind in der Kunst ein facettenreiches Motiv, das sich über Jahrtausende hinweg gewandelt hat. Von der heiligen Begleiterin im Alten Ägypten über die zwiespältige Figur des Mittelalters und die elegante Muse der Renaissance bis hin zur digitalen Pop-Ikone der Gegenwart – sie bleibt ein Tier voller Symbolkraft.
Sie steht für Unabhängigkeit, Intimität, Weiblichkeit und Geheimnis, aber auch für Skepsis und Eigenwilligkeit. Ihre Präsenz in der Kunst zeigt, wie stark Tiere als Projektionsflächen menschlicher Vorstellungen dienen. Die Katze in der Kunst ist damit nicht nur ein Bildmotiv, sondern auch ein Spiegel unserer Kulturgeschichte – und ihre Bedeutung entwickelt sich bis heute weiter.

 

Weiterlesen: Auch der Hund wird in der Kunst häufig dargestellt. 

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Scroll to Top