Jubiläum: 50 Jahre Berufsverbände SKR und VNPS

 

Zur gemeinsamen Jubiläumstagung von Restauratoren und Präparatoren der Schweiz

Vor 50 Jahren wurde der Schweizerische Berufsverband von Restauratoren und Präparatoren (SPR) gegründet, bereits 11 Jahre später erfolgte die Aufteilung in zwei eigenständige Fachverbände, dem Schweizerischen Verband für Konservierung und Restaurierung (SKR) sowie dem Verband Naturwissenschaftlicher Präparatorinnen und Präparatoren der Schweiz (VNPS). Am Rande der Jubiläumstagung am 16. und 17. September 2016 in Horgen bei Zürich berichteten Sabrina Beutler, Präsidentin des VNPS, und Andreas Franz, Präsident des SKR, von dem Verbindenden beider Professionen und warum es Zeit für eine gemeinsame Tagung war.

 

RESTAURO: Frau Beutler, Herr Franz – zwei intensive Tage liegen hinter Ihnen. Wie zufrieden sind Sie mit der gemeinsamen Jubiläumstagung? Wie war die Resonanz?

Sabrina Beutler: Die Tagung verlief reibungslos, die Leute sind glücklich. Wir sind sehr zufrieden, auch wenn wir uns etwas mehr Teilnehmer gewünscht hätten.

Andreas Franz: Wir haben etwa 140 Teilnehmer, etwa zwei Drittel Restauratoren und ein Drittel Präparatoren. Das Feedback ist sehr positiv, die Teilnehmer sind positiv überrascht von dem, was sie von der jeweils anderen Seite hören. Diese erfrischende Zusammenkunft von zwei unterschiedlichen Berufsgattungen wird auch für die Zukunft gewünscht. Denn normalerweise schmoren wir Restauratoren ja eher im eigenen Saft. Die Arbeit der Restauratoren und Präparatoren ist nicht direkt vergleichbar, aber der Austausch bietet anregende Denkanstöße, unsere eigene Arbeit zu reflektieren.

 

Welche beruflichen Überschneidungen sehen Sie?

Franz: Einerseits haben wir alle einen hohen Anspruch an technische Präzision, andererseits arbeiten wir wissenschaftlich, das heißt, wir erforschen und dokumentieren die Dinge, bevor wir zu Werke gehen.

Beutler: Auch die Einmaligkeit unserer Objekte verbindet uns. Das gilt für ein Tier, welches ich für einen Auftraggeber präpariere, genauso, wie für ein Objekt, das der Restaurator behandelt – man darf es nicht beschädigen. Das setzt einen stark unter Druck: Man hat diese eine Chance, es ist wie eine Operation am schlagenden Herzen. Deswegen müssen wir vorher planen und forschen.

 

Was können die Mitglieder beider Professionen voneinander lernen?

Beutler: Die Sensibilisierung dafür, wo Kulturgut anfängt und welche moralisch-ethische Verpflichtung man einem Kulturgut gegenüber hat, ist uns gemein. Zwar ist nicht jedes Tierpräparat gleich ein Kulturgut, aber es gibt deutliche Parallelen.

Franz: Unser Aspekt der Langzeiterhaltung von Objekten bringt eine andere Sichtweise auf die Materialien mit sich als bei einem Präparat, das leicht und dynamisch bewegt sein muss. Hier werden vergängliche Materialien als Füllstoffe benötigt, auch wirtschaftliche Aspekte sind zu berücksichtigen. Unsere konservatorischen Überlegungen können aber eine Anregung sein, perspektivisch einmal gemeinsam geeignete Materialien zu entwickeln und andere, von Restauratoren als problematisch einzustufende Stoffe auszutauschen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der gegenseitige Austausch sehr befruchtend sein kann.

Planen Sie weitere Kooperationen oder gemeinsame Fortbildungsseminare?

Beutler: Konkrete Planungen gibt es noch nicht. Einzelne Mitglieder eines Verbands besuchen schon jetzt Fortbildungsveranstaltungen des jeweils anderen Verbands. Ich könnte mir vorstellen, dass man das in der Zukunft vertieft.

Franz: Die intensive Zusammenarbeit in Vorbereitung auf die Jubiläumstagung und für das ConservationAngelsEvent hat uns einander sehr nahe gebracht. Wir konnten die Begeisterung für den eigenen Beruf beim anderen spüren und den Respekt vor der Arbeit des anderen. Das Projekt „Conservations Angels“ wollen wir weiter verfolgen. In Abhängigkeit von den Objekten können dabei auch andere Berufsgruppen einbezogen werden. Man könnte zum Beispiel mit Tischlern zusammenarbeiten und hier eine Sensibilisierung für das Kulturgut schaffen, die vielleicht so noch nicht vorhanden ist.

 

Vor 50 Jahren haben Präparatoren und Restauratoren einen gemeinsamen Verein gegründet, doch schon nach elf Jahren haben Ihre Amtsvorgänger die Trennung vollzogen. Wieso war jetzt eine gemeinsame Tagung so wichtig?

Beutler: Der Auslöser war das Jubiläum des gemeinsamen Urverbands. Man kann heute sehr gut nachvollziehen, warum der Verband gemeinsam gegründet wurde. Die fachlichen Übereinstimmungen sind nicht von der Hand zu weisen, genauso wenig wie die Differenzen. Aber wir erleben die Unterschiede als Ergänzung, von der alle profitieren.

Franz: Der Trennung gingen nicht nur fachliche Differenzen voraus, sondern man hatte sich wohl auch – keiner von uns war dabei – schlichtweg über gewisse Inhalte miteinander zerstritten. In den ersten Jahren nach der Trennung wären gemeinsame Aktionen oder Tagungen sicher undenkbar gewesen. Aber wir sehen heute nicht nur die fachlich nachvollziehbaren Differenzen, sondern auch die Parallelen zwischen unseren Berufen und wir finden, dass die kollegiale Nähe zueinander notwendig und wertvoll ist.

 

Restauratoren sind heute üblicherweise akademisch ausgebildet, Präparatoren sind nach wie vor stolze Handwerker. Sie selbst, Frau Beutler, bezeichnen ihren Beruf als „nicht akademisiert, aber akademoid“. Streben Sie für Ihre Profession eine akademische Ausbildung an?

Beutler: Nein, ich teile in diesem Punkt die Meinung des Berufsverbands, dass eine Akademisierung der Ausbildung für uns keinen Mehrwert hätte. Im Gegenteil: Wir sind gern und mit Überzeugung Handwerker und bedienen ein breitgefächertes Tätigkeitsfeld. Wir fürchten vielmehr, dass wir durch eine Akademisierung der Ausbildung gute Handwerker verlieren würden. Akademoid sage ich deshalb, weil wir tatsächlich viel wissenschaftlicher unterwegs sind als ein Durchschnittshandwerker. Die Grenzbereiche zu den Naturwissenschaften und anderen wissenschaftlichen Bereichen sind größer als das normalerweise in einem Handwerksberuf der Fall ist. Das macht den Reiz unseres Berufs aus: Wir sind geistig wie auch handwerklich gefordert.

 

Die Gegenfrage an den akademisch ausgebildeten Restaurator: Wäre es für Ihren Beruf nicht sinnvoll, etwas von der Akademisierung wegzukommen und die praktisch-handwerklichen Fähigkeiten zu fördern?

Franz: Das ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Die Akademisierung war und ist einerseits sehr sinnvoll. Andererseits sind wir auch Handwerker in einem gewissen Bereich, nämlich wenn wir Maßnahmen am Objekt vornehmen müssen. Wenn wir unseren Beruf da nicht richtig beherrschen, richten wir mehr Schaden als Gutes an. Insofern wünsche ich mir durchaus mehr Praxisbezug und manchmal auch etwas weniger Akademisierung in der Ausbildung. Ich selbst arbeite in der freien Wirtschaft und betreue auch Praktikanten. Hier stelle ich oft fest, dass es an praktischem Know-How mangelt. Auch habe ich manchmal das Gefühl, dass gewisse Techniken, die früher gang und gäbe waren, heute nicht mehr angewendet, ja fast verpönt werden. Sie werden schlecht geredet, nicht weil sie schlecht wären, sondern weil man sie nicht mehr beherrscht. Hierüber sollte es eine kritische, faktenbezogene Auseinandersetzung geben. Ich persönlich halte auch ein mindestens einjähriges Vorpraktikum für essenziell, da dadurch das im Studium vermittelte Wissen eine bessere Verknüpfung zu den praktischen Fertigkeiten erlangt.

 

Hat der SKR eine Möglichkeit auf die Hochschulausbildung einzuwirken, zum Beispiel über den SWISS Conservation Restoration Campus (SWISS CRC), dem alle Schweizer akademisch ausbildenden Institutionen angeschlossen sind?

Franz: Der Verband und die Schweizer Hochschulen haben eine gutes Einvernehmen und beraten sich gegenseitig. In Bezug auf die Ausbildungsinhalte wünsche ich mir, man würde noch mehr zusammen sitzen. Denn wir „da draußen“ sehen bei Bewerbern ab und an, dass es eine gewisse Kluft gibt zwischen dem hochspezialisierten Wissen und dem praktischen Können, das in der Realität abgefragt wird und beherrscht werden sollte. Da wünsche ich mir einen engeren Dialog und mehr Austausch zwischen dem Verband und den Hochschulen.

 

Welches Fazit ziehen Sie aus der gemeinsamen Tagung?

Franz: Die fruchtbare Zusammenarbeit mit den Präparatoren schätze ich sehr. Ich hoffe, dass die von den Präparatoren beherrschte Handwerkskunst auch für uns Restauratoren ein Ansporn ist, nicht nur alles perfekt zu dokumentieren, sondern sich selbst auch in den vielen notwendigen Techniken zu üben, um unseren Job gut machen zu können. Und umgekehrt, wenn wir mit unseren Kenntnissen zur Materialalterung auch unseren Kollegen etwas vermitteln können, dann haben wir ein sehr hohes Ziel erreicht.

Beutler: Die Tagung hat uns für Aspekte der Materialalterung noch mehr sensibilisiert. Diesbezüglich haben wir mit den Restauratoren eine große Schnittmenge. Der Präparator ist aber weniger ein Konservator als vielmehr ein Ästhet. Die rein optische Präsenz der Präparate ist in den meisten Fällen auch in Ordnung, denn nicht alle Präparate sind Kulturgüter und müssen für die Ewigkeit halten.