Interview mit der Clima Designerin Melanie Bauernfeind

RESTAURO sprach mit der Clima Designerin Melanie Bauernfeind vom Münchner Doerner Institut über Energiesparen in Museen

RESTAURO: Sie sind Restauratorin und Clima Designerin. Was raten Sie Museen, die Energie sparen wollen?

Dr. Melanie Bauernfeind: Zunächst ist eine klare Zielformulierung wichtig, da im Museumsbetrieb verschiedene Formen von Energie verbraucht werden. Geht es ausschließlich um die Einsparung von Heizenergie und/oder die Senkung des Stromverbrauches oder soll die Einsparung von Energie weitere Faktoren – meist unter dem Schlagwort CO2-Fußabdruck zusammengefaßt – berücksichtigen? Ausgangspunkt ist immer die grundlegende Erfassung des Status quo: also wofür wird wieviel Energie in welcher Form verbraucht. Hieraus ergeben sich die möglichen Einsparpotentiale, die dann hinsichtlich ihrer Kosten-Nutzen-Effizienz zu bewerten sind. Letztlich steht hinter allen Überlegungen folgender Abwägungsprozess: Dank eines stetig wachsenden Bewußtseins um ökologische Zusammenhänge ist Energieeinsparung zum wichtigen Baustein einer nachhaltigen Erhaltungsstrategie geworden, doch dürfen die Maßnahmen die Erhaltung des Kunst- und Kulturgutes nicht gefährden.

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RESTAURO: Sind Klimaanlagen nicht die beste Versicherung, dass es den Kunstwerken in Museen dauerhaft gut geht?

Dr. Melanie Bauernfeind: Sie stellen eine plakative Frage, die ich ebenso plakativ beantworten möchte: nein! Die beste Versicherung ist eine museumgerechte Architektur, welche den Anforderungen der Kunstwerke sowie denen der Besucher Rechnung trägt. Museumgerechte Architektur leistet im Übrigen weitaus mehr als „nur“ stabile Innenraumklimabedingungen, sie berücksichtigt gleichermaßen Faktoren wie Beleuchtung, Schadstoffe, Sicherheit, Brandschutz – um nur einige Aspekte beispielhaft zu nennen.

RESTAURO: Auf welche Forschungsergebnisse können Sie sich stützen?

Melanie Bauernfeind: Durch die intensive Auseinandersetzung mit 190 Jahren Baugeschichte der Alten Pinakothek in München im Rahmen meiner Dissertation (Melanie Bauernfeind: Die Alte Pinakothek. Ein Museumsbau im Wandel der Zeit, erschienen 2017 im Böhlau-Verlag) habe ich entscheidende Erkenntnisse aus den konkreten Ergebnissen von umfassenden hygrothermischen Simulationen und Lichtsimulationen gewonnen. Gleichzeitig förderten Quellenstudien bislang unbekannte Schriftstücke zu Tage, die von einem enormen Wissen vergangener Generationen zeugen. Und letztlich stütze ich mich auf die vielfältigen Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Praxis, auf die ich durch meine langjährige Tätigkeit am Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zurückgreifen kann.

Das Interview führte Uta Baier.

Lesetipp zum Thema Nachhaltigkeit: Die RESTAURO-Ausgabe 6/2022 (Erscheinungstermin September 2022) setzt sich mit dem Thema „Gebautes Erbe und Nachhaltigkeit“ auseinander.