01.12.2016

Projekte

IMAI – inter media art institute

 

Renate Buschmann und ihr Team überführen zurzeit 1.500 Werke des imai Bestands von Künstlervideos in die Langzeitarchivierung. Mit RESTAURO sprach die Direktorin der Stiftung inter media art institute über Details des Projekts. Über die wichtigsten Arbeiten, die Qualifikation der Mitarbeiter und ob Restaurierungen der Bänder nötig sind.

 

Wie muss man sich die Projektarbeit vorstellen?

Zurzeit geht es hauptsächlich um die Erschließung der Werke. Das heißt, es werden Metadaten erzeugt: Wie lang ist ein Band, wie ist es aufgebaut. Auch inhaltliche Metadaten wie Künstlername, Jahr, korrekter Titel werden aufgenommen. Gibt es möglicherweise verschiedene Versionen? Gleichzeitig werden Systematiken erstellt, um alle Dateiformate wiederfinden und zuordnen zu können. Außerdem achten wir jetzt sehr darauf, die beste Qualität eines Werks zum Digitalisieren bereitzustellen.

Warum?

Bei der nächsten Migration in zehn bis 20 Jahren will man ja nur noch das vorhandene Digitalisat in das nächste Format überführen. Dann muss der Prozess, dass man zehn Bänder derselben Arbeit schaut, abgeschlossen sein. Wir bereiten also alles für den externen Dienstleister, der alles digitalisiert, vor.

Das hört sich sehr aufwendig an. Wie viele Personen arbeiten daran?

Für das zweijährige Projekt habe ich eine Stelle finanziert bekommen, die ich auf zwei Halbtagsstellen aufgeteilt habe.

Das heißt, zwei Halbtagskräfte erschließen 1.500 Werke in zwei Jahren.

Nicht ganz, denn wir haben schon einige vorbereitende Arbeiten im Vorprojekt 2015 erledigen können. Zusätzlich haben wir noch Hilfskräfte, die einmal in der Woche kommen, um zuzuarbeiten, wie zum Beispiel Daten eingeben oder Digitalisate nach Erhalt kontrollieren. Ich selbst bin in die Konzeption des Ganzen und in die Darstellung nach außen eingebunden.

Aus welchen Bereichen kommen Ihre Mitarbeiter?

Ich habe das Glück, schon seit dem Vorprojekt einen Mitarbeiter zu haben, der Medienkünstler ist, aber zuvor eine Ausbildung als Informatiker absolviert hat. Für uns eine hervorragende Kombination. Er kann die technischen Dinge sehr gut einschätzen und dann auch bewerten, ob sie für den Kunstbereich geeignet sind. Genauso meine andere Mitarbeiterin: Sie ist auch Künstlerin und gleichzeitig Cutterin. Sie kann unglaublich gut schauen und vergleichen. Sie sieht, wo ein Schnitt ist und welche Dropouts vorhanden sind. Da ich von Haus aus Kunsthistorikerin bin, bin ich auf die Unterstützung meiner spezialisierten Kollegen angewiesen. Meine Mitarbeiter sind deshalb ein Glücksgriff.

Was machen Sie mit Bändern, die restaurierungsbedürftig sind?

Restaurierung ist im Budget dieses Projekts nicht vorgesehen – es geht um Konservierung. Wir haben tatsächlich nur sehr wenige Bänder, die nicht mehr abspielbar sind. Sind diese Bänder die einzigen, die wir von einem Werk haben, stelle ich sie zurzeit zur Seite und werde mich beraten lassen, ob sie überhaupt wieder hergestellt werden können. Die meisten Bänder sind abspielbar und Dropouts halten sich in Grenzen. Es ist auch zu klären, ob die Dropouts manchmal nicht schon während der Produktion entstanden sind. In einigen Fällen könnte man über eine Reinigung nachdenken. Wir sind davon ausgegangen, dass wir keine direkten Restaurierungen benötigen, weil die meisten Werke Anfang der 2000er-Jahre bereits zur Konservierung auf Digibetacam-Bänder überspielt wurden und bei uns gut gelagert wurden.

Sie arbeiten mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) zusammen.

Ja, wir haben zwar Fachleute aus der Kunstgeschichte und arbeiten auch viel mit Restauratoren zusammen. Was uns aber fehlt, ist das Know How von Archivaren und von jenen, die Langzeitarchivierung für NRW planen. Das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum hat uns sehr bei den Fragen geholfen: In welche Dateiformate digitalisieren wir eigentlich? Mit dem LVR treffen wir uns alle drei Monate bzw. dann, wenn es notwendig ist, um uns über gewisse Vorgehensweisen auszutauschen. Zum Beispiel darüber, wo die Daten eingelagert werden.

Wohin wird denn digitalisiert?

Jedes digitalisierte Werk wird in drei unterschiedliche Dateiformate an unterschiedlichen Orten abgespeichert. Sichtungs- und Mezzaninformate werden auf Festplatten an die Stiftung imai zurückgeschickt und auf Servern und Festplatten in der Stiftung imai verwahrt. Das Langzeitarchivierungsformat wird auf LTO-Bändern gespeichert und soll im geplanten Digitalen Archiv Nordrhein-Westfahlen verwahrt werden.

Ein großer Berg Arbeit. Sie klingen trotzdem optimistisch und zufrieden.

(lacht) Ja, das bin ich auch. Vor allem aber bin ich sehr dankbar, dass der LVR uns das Projekt ermöglicht hat. Denn nur mit den Kräften der Stiftung imai hätten wir das nicht geschafft. Wir müssen sehen, wo wir am Ende stehen. Bisher sieht es gut aus. Momentan liegen wir im Zeitplan.

Das Interview führte Alexandra Nyseth.

Auch in der RESTAURO 8/2016 (ab 9. Dezember 2016) finden Sie einen Themenkomplex zum Erhalt von Medienkunst. Lesen Sie einen exklusiven Bericht über die Stiftung imai in Form einer Zwischenbilanz.

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