Horizon 2020: eine Chance für mehr Beschäftigung?

 

Es ist geschafft! Horizon 2020, das im Dezember 2013 beschlossene Forschungsförderprogramm der EU für Wachstum und mehr Beschäftigung, berücksichtigt auch die Kulturerbeforschung.

Was vor dem Hintergrund des Lissabon-Vertrages wie eine Selbstverständlichkeit erscheinen mag, war keineswegs ein Automatismus, sondern ist ein Ergebnis langwieriger politischer Verhandlungen. Denn im ersten Entwurf blieb dieser für Europa so wichtige Forschungsbereich außen vor und wurde erst nach zahlreichen Aufrufen nationaler und europäischer Verbände und Interessensvertretungen als Forschungsfeld aufgenommen.

Nun wird auch der Kulturerbeforschung eine wichtige Rolle bei der Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätzen zuerkannt und ist damit zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, der Wahrung wissenschaftlicher Exzellenz oder der Entwicklung von Industrie- und Schlüsseltechnologien förderfähig. Doch was heißt das für die Zukunftsaussichten und Jobchancen in der Denkmalpflege und Restaurierung? Welche Möglichkeiten eröffnet Horizon 2020, nachhaltige Arbeitsplätze in diesem Bereich zu schaffen?

Klar ist, dass insgesamt 77 Mrd. Euro für sieben Jahre bereit stehen, um innovative Vorhaben zu realisieren und an denen auch die Kulturerbeforschung partizipieren kann. Dies ist zweifelsohne eine willkommene Erleichterung in diesem chronisch unterfinanzierten Sektor.

Bei aller Euphorie über diese Möglichkeiten bleibt aber festzuhalten, dass die tatsächlich für die Kulturerbeforschung relevanten Mittel überschaubar sind. So stehen für den Förderbereich „Reflektierende Gesellschaften“ nur 1,3 Mrd. Euro bereit, von denen lediglich ein geringer Teil für Kulturerbeinstitutionen abrufbar ist. Auch wenn die ersten Ausschreibungen erst angelaufen sind, zeichnet sich jetzt schon eine hohe Anzahl von Anträgen ab. Es handelt sich bei Horizon 2020 also keineswegs um eine groß angelegte „Jobmaschine“ im nachhaltigen Sinne, sondern um Starthilfe für innovative Ansätze, die wiederum Beschäftigungsperspektiven eröffnen können.

Deshalb sollte die erkämpfte Verankerung der Kulturerberforschung in Horizon 2020 nicht nur als Recht auf (zeitlich begrenzte) Förderung verstanden werden, sondern auch als Verpflichtung, hier innovative Ansätze, Methoden und Dienste zu entwickeln, aus welchen zukunftsfähige Modelle der Aufbereitung, Nutzung und Zugänglichmachung von Kulturerbe hervorgehen. Mit dem Start der neuen Kommission unter Präsident Juncker gilt es daher, die Kulturerbeforschung für Europa weiterhin einzufordern.