08.01.2026

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Goldkabinett im Unteren Belvedere erstrahlt wieder

Ein Jahr lang wurde das Goldkabinett im Unteren Belvedere restauriert. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien
Ein Jahr lang wurde das Goldkabinett im Unteren Belvedere restauriert. Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Nach einem Jahr intensiver und sorgfältiger Arbeiten erstrahlt das Goldkabinett im Unteren Belvedere seit September letzten Jahres wieder in seiner ursprünglichen Pracht. Die umfassende Restaurierung des Goldkabinetts war ein außergewöhnliches Projekt, das über 6000 Arbeitsstunden in Anspruch nahm. 

Während der Restaurierung wurden nicht nur die aufwendig gestalteten Stuckdecken mit ihren feinen Vergoldungen liebevoll aufgearbeitet, sondern auch die vergoldeten Wandvertäfelungen sowie die kunstvollen Blumen- und Groteskenmalereien des Raumes fachmännisch restauriert. Für die erforderlichen Blattgoldergänzungen wurden insgesamt rund 10 500 Blatt Dukaten-Doppelgold verwendet, ein Material, das die barocke Opulenz des Goldkabinetts perfekt unterstreicht und den Besucher:innen heute wieder ein beeindruckendes Gesamterlebnis bietet. Die Restaurierung hat dabei sowohl den historischen Charakter des Raumes bewahrt als auch moderne konservatorische Standards erfüllt, sodass das Goldkabinett nun in neuem, aber originalgetreuem Glanz erstrahlt.

Nach der Restaurierung erstrahlt das Goldkabinett wieder. Foto: Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien
Nach der Restaurierung erstrahlt das Goldkabinett wieder. Foto: Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien

Historische Bedeutung des Goldkabinetts

Das Goldkabinett im Unteren Belvedere blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Ursprünglich diente der Raum als Schlafzimmer von Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736), eine Tatsache, die noch heute durch das kunstvolle Relief an der Decke, das die Mondgöttin Luna zeigt, sichtbar ist. Schon zu Lebzeiten des Prinzen wurde das Zimmer in ein Konversationszimmer umgewandelt, um gesellschaftliche Treffen und Gespräche in einem eleganten Rahmen zu ermöglichen.
Mit dem Übergang des Belvedere in den Besitz von Kaiserin Maria Theresia (1717–1780) erhielt der Raum eine besondere Bedeutung. Zahlreiche vergoldete Elemente und Groteskenmalereien von Jonas Drentwett (1656–1736) wurden aus dem Winterpalais des Prinzen in der Himmelpfortgasse hierher übertragen. Diese wurden geschickt ergänzt durch neu angefertigte Paneele mit Blumenmalereien von Johann Zogelmann (1720–1758). So entstand schließlich das heute weltbekannte Goldkabinett, ein Raum, der sowohl durch seine künstlerische Gestaltung als auch durch seine historische Funktion beeindruckt.
Bereits in den Renovierungen der Jahre 1957/58 mussten große Teile der Wandvertäfelungen rekonstruiert werden, da die Lagerungsschäden während des Zweiten Weltkriegs und ein Brand im Jahr 1950 erhebliche Spuren hinterlassen hatten. Die Restaurierung des Goldkabinetts konnte auf diesen Vorarbeiten aufbauen und den Raum in ein Zustand versetzen, der dem ursprünglichen barocken Glanz so nahe wie möglich kommt.


Museale Nutzung und heutige Bedeutung

Historisch gesehen wurde das Goldkabinett erstmals 1813 museal genutzt, um erlesenes Kunsthandwerk aus der kaiserlichen Ambraser Sammlung zu präsentieren. Später, ab der Eröffnung des Barockmuseums im Unteren Belvedere im Jahr 1923, diente der Raum bis 2007 erneut als Ausstellungsort. Heute ist das Goldkabinett ein integraler Bestandteil der historischen Prunkräume des Unteren Belvedere, die Besucher:innen im Rahmen eines Ausstellungsbesuchs besichtigen können.
Die nun durchgeführte Restaurierung des Goldkabinetts sichert nicht nur die kunsthistorische Substanz des Raumes für kommende Generationen, sondern ermöglicht es auch, die barocke Pracht hautnah zu erleben. Besucher:innen haben nun die Möglichkeit, die beeindruckende Kombination aus vergoldeten Stuckdecken, Wandvertäfelungen und fein ausgearbeiteten Malereien in ihrer ganzen Schönheit zu sehen – ein Erlebnis, das Geschichte und Kunst auf einzigartige Weise verbindet.
Generaldirektorin Stella Rollig betont: „Die historischen Räume des Belvedere sind weit mehr als architektonisches Erbe – sie sind lebendige Zeugnisse unserer kulturellen Identität. Ihr Erhalt ist nicht nur eine Verpflichtung gegenüber der Geschichte, sondern auch eine Investition in die Zukunft eines lebendigen Museums.“
Die Restaurierung des Goldkabinetts zeigt eindrucksvoll, wie sorgfältige Handwerkskunst und historische Forschung zusammenwirken können, um ein einmaliges Kulturerbe wieder erlebbar zu machen. Für Besucher:innen des Unteren Belvedere eröffnet sich damit die Möglichkeit, einen Raum zu betreten, der durch seine barocke Pracht, kunstvolle Details und historische Bedeutung fasziniert – und der nach der Restaurierung nun in neuem Glanz erstrahlt.

 

Weiterlesen: Wie die Restaurierungswissenschaften auf den Klimawandel reagieren.

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