Geballtes Fachwissen

Das neu gegründete Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde gestern, am 04.12.2017 feierlich eröffnet. Es vereint drei Arbeitsbereiche – Denkmalpflege, Bauforschung und Restaurierungswissenschaften.

IMG_3036
Ein Weißlichtstreifenscanner nimmt detailliert einen Schädel aus der Jungfernhöhle bei Tiefenellern in Oberfranken auf, der auf einen Drehteller platziert ist. Foto: Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT)

 

Ob ein Tempel in Sri Lanka mit 3D-Verfahren dokumentiert oder das Berliner Schloss rekonstruiert wird – das neue Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) in Bamberg ist in der Lage durch die Bündelung von Wissenschaft und Technik Denkmäler und Kunstwerke in der ganzen Welt zu untersuchen. Rainer Drewello, Sprecher des Kompetenzzentrums, bezeichnet die fächerübergreifende Institution als „neuronales Netzwerk, denn auch Neuronen wirken alleine nicht.“ Es sei die Verbindung verschiedener Fächer wie Denkmalpflege, Bauforschung und Baugeschichte, Restaurierungswissenschaften und Digitale Denkmaltechnologien, also von Geistes-, Ingenieur- und Materialwissenschaft, die die Einrichtung zu einer einzigartigen Institution macht. Dazu kommt noch das Zusammenspiel von Theorie und Praxis.

Kompetenz ausbauen und das Lehrangebot internationalisieren

Das Zentrum an sich besteht schon seit Januar 2016. Nun wurden auch die Räumlichkeiten mit zusätzlichen rund 800 Quadratmeter fertig gestellt: ein ehemaliges Fabrikgebäude, das für etwa 1,8 Mio. Euro umgebaut wurde. Fünf Jahre Förderung sind genehmigt, bis 2020. Insgesamt investiert die Staatsregierung dafür eine Summe von 5 Millionen Euro. So konnte auch eine technische Ausrüstung für höchste Ansprüche angeschafft werden.
Die technische Kompetenz auszubauen und das Lehrangebot weiter zu internationalisieren, ist ein Ziel des neuen Zentrums. Drei Arbeitsbereiche stehen im Fokus: Ein Schwerpunkt der Denkmalpflege liegt auf internationalem Kulturgüterschutz und lokalen Erinnerungskulturen und -techniken. Die Bauforschung und -geschichte konzentriert sich ingenieurwissenschaftlich auf die Prozesse und Techniken historischer Bauwerke. Hier wird zum Beispiel mit Hilfe von einem 3D-Scanner mit Laser Bausubstanz untersucht und kann so archiviert werden. Das Institut dokumentierte damit bereits im Auftrag des Auswärtigen Amts den Zahntempel in Kandy auf Sri Lanka. Kleinere Objekte wie ein Schädel aus der Jungfernhöhle bei Tiefenellern in Oberfranken werden anhand eines 3D-Weißlichtstreifenscanners, der mit einer Kamera mit zwei Linsen versehen ist, gescannt. Das Objekt befindet sich dabei auf einem Drehteller.
Die Restaurierungswissenschaften schließen neben der historischen Werkstoffwissenschaft auch die technikwissenschaftlich ausgerichteten Angewandten Konservierungswissenschaften mit ein. Im Dendro-Labor kann das Alter von Bauhölzern bestimmt werden, so sind Gemälde oder Skulpturen genau zu datieren. Aber auch andere Materialien, wie mittelalterliche Kaisergewänder, kommen hier unter die Lupe.