Die Staatliche Graphische Sammlung München präsentiert ab dem 3. Juli 2025 eine außergewöhnliche Ausstellung über Naturbilder in der Kunst – von Ukiyo-e bis zur zeitgenössischen Installation.
Mit der Ausstellungseröffnung am 2. Juli 2025 um 19 Uhr lädt die Staatliche Graphische Sammlung München zu einem besonderen Dialog zwischen Ost und West ein: Die Schau „Yoshihiro Suda – Garten Eden“ verbindet japanische Holzschnitte aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit zeitgenössischer japanischer Skulptur und einer Auswahl westlicher Kunst der Klassischen Moderne. Der renommierte Bildhauer Yoshihiro Suda (*1969) hat dafür eigens neue Arbeiten geschaffen, die als poetische Interventionen zwischen den historischen Blättern fungieren.
Japanische Holzschnitte – Impulsgeber der Moderne
Im Zentrum der Ausstellung „Garten Eden“ steht eine Schenkung von rund 250 japanischen Farbholzschnitten, die 2020/21 in die Staatliche Graphische Sammlung gelangte. Die Sammlung umfasst Werke bedeutender Meister des japanischen Holzschnitts, darunter Hokusai (1760–1849) und Hiroshige (1797–1858). Diese Erweiterung bereichert die europäischen Bestände des Museums auf kunsthistorisch wertvolle Weise. Die Schenkung vereint exemplarische Beispiele des Ukiyo-e, jener „Bilder der fließenden Welt“, die in großer Auflage in Japan entstanden und bald weltweite Verbreitung fanden. Keine anderen japanischen Kunstwerke haben die europäische Kunst stärker beeinflusst als die Holzschnitte. Kunstströmungen wie Jugendstil, Impressionismus und Expressionismus griffen diese Motive auf. Künstler wie Claude Monet, Vincent van Gogh oder Wassily Kandinsky fanden in diesen japanischen Kompositionen neue Ausdrucksformen für eine Kunst, die jenseits akademischer Regeln funktionieren konnte.
Die Präsentation, kuratiert von Michael Hering und Nina Schleif, lässt eindrucksvoll erkennen, wie sehr die Ästhetik dieser Drucke die europäische Moderne prägte. Dabei eröffnet der vergleichende Blick auf japanische und westliche Kunst neue Perspektiven auf das Thema Naturdarstellung.
Yoshihiro Suda: Poesie der Unsichtbarkeit
Yoshihiro Suda, international bekannt für seine täuschend echten Holzskulpturen von Pflanzen und Naturdetails, reagiert mit subtilen Eingriffen auf die Werke der Graphischen Sammlung. In seiner künstlerischen Sprache verhandelt er Fragen nach Wahrnehmung, Achtsamkeit und der Rolle von Kunst im öffentlichen und musealen Raum. Seine minimalistischen Skulpturen – etwa vertrocknete Blätter, Wildkräuter oder Blüten – wirken wie beiläufige Erscheinungen, die sich erst bei genauem Hinsehen als kunstvoll gearbeitete Werke offenbaren.
Sudas Arbeiten entfalten in der Gegenüberstellung mit den historischen Holzschnitten sowie Gemälden und Grafiken der westlichen Moderne eine stille, aber eindringliche Präsenz. In der Verbindung von Naturwahrnehmung und kultureller Reflexion schafft die Ausstellung einen Raum, der die Idee des Garten Eden als utopischen Sehnsuchtsort neu interpretiert.
Kunst als kultureller Brückenschlag
Der Ausstellungstitel „Garten Eden“ verweist auf einen Ort der Harmonie zwischen Mensch und Natur – ein Thema, das Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten beschäftigt. In der Moderne wurde die Natur häufig zum Gegenbild gesellschaftlicher Krisen und zum Symbol innerer Sehnsüchte. Die Präsentation greift dieses Spannungsfeld auf und zeigt Seelenlandschaften der Klassischen Moderne im Dialog mit Sudas Naturimpressionen.
Michael Hering und Nina Schleif gelingt es in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler, eine kuratorisch wie künstlerisch herausragende Schau zu entwickeln, die die Besucher zur intensiven Betrachtung einlädt – eine Einladung zum Staunen, zum Innehalten und zur Reflexion über unsere Beziehung zur Natur.
Informationen
Ausstellungseröffnung: 02.07.2025, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 03.07.2025 – 21.09.2025
Ort: Staatliche Graphische Sammlung München, Kunstareal München
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