26.06.2025

Ausstellungen

Garten Eden in München

Die farbig gefasste Holzskulptur Wilde Chrysantheme (Chrysanthemum indicum) von Yoshihiro Suda (*1969) tritt in der Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung München in einen sensiblen Dialog mit japanischen Farbholzschnitten. Zu sehen ab 2. Juli 2025 eröffnet. © Courtesy Yoshihiro Suda und LOOCK, Berlin
Die farbig gefasste Holzskulptur Wilde Chrysantheme (Chrysanthemum indicum) von Yoshihiro Suda (*1969) tritt in der Ausstellung der Staatlichen Graphischen Sammlung München in einen sensiblen Dialog mit japanischen Farbholzschnitten. Zu sehen ab 2. Juli 2025 eröffnet. © Courtesy Yoshihiro Suda und LOOCK, Berlin

Die Staatliche Graphische Sammlung München präsentiert ab dem 3. Juli 2025 eine außergewöhnliche Ausstellung über Naturbilder in der Kunst – von Ukiyo-e bis zur zeitgenössischen Installation.
Mit der Ausstellungseröffnung am 2. Juli 2025 um 19 Uhr lädt die Staatliche Graphische Sammlung München zu einem besonderen Dialog zwischen Ost und West ein: Die Schau „Yoshihiro Suda – Garten Eden“ verbindet japanische Holzschnitte aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit zeitgenössischer japanischer Skulptur und einer Auswahl westlicher Kunst der Klassischen Moderne. Der renommierte Bildhauer Yoshihiro Suda (*1969) hat dafür eigens neue Arbeiten geschaffen, die als poetische Interventionen zwischen den historischen Blättern fungieren.


Japanische Holzschnitte – Impulsgeber der Moderne

Im Zentrum der Ausstellung „Garten Eden“ steht eine Schenkung von rund 250 japanischen Farbholzschnitten, die 2020/21 in die Staatliche Graphische Sammlung gelangte. Die Sammlung umfasst Werke bedeutender Meister des japanischen Holzschnitts, darunter Hokusai (1760–1849) und Hiroshige (1797–1858). Diese Erweiterung bereichert die europäischen Bestände des Museums auf kunsthistorisch wertvolle Weise. Die Schenkung vereint exemplarische Beispiele des Ukiyo-e, jener „Bilder der fließenden Welt“, die in großer Auflage in Japan entstanden und bald weltweite Verbreitung fanden. Keine anderen japanischen Kunstwerke haben die europäische Kunst stärker beeinflusst als die Holzschnitte. Kunstströmungen wie Jugendstil, Impressionismus und Expressionismus griffen diese Motive auf. Künstler wie Claude Monet, Vincent van Gogh oder Wassily Kandinsky fanden in diesen japanischen Kompositionen neue Ausdrucksformen für eine Kunst, die jenseits akademischer Regeln funktionieren konnte.
Die Präsentation, kuratiert von Michael Hering und Nina Schleif, lässt eindrucksvoll erkennen, wie sehr die Ästhetik dieser Drucke die europäische Moderne prägte. Dabei eröffnet der vergleichende Blick auf japanische und westliche Kunst neue Perspektiven auf das Thema Naturdarstellung.

Hiroshige (1797–1858) Provinz Harima, Maiko-Strand (Blatt der Serie Berühmte Ansichten der über 60 Provinzen), 1853 Farbholzschnitt Inv.-Nr. 2020:72 D Staatliche Graphische Sammlung München, München
Utagawa Hiroshige (1797–1858), Provinz Harima, Maiko-Strand aus der Serie Berühmte Ansichten der über 60 Provinzen, 1853. Farbholzschnitt, Inv.-Nr. 2020:72 D. Staatliche Graphische Sammlung München, München.
Hiroshige (1797–1858) Das Meer vor Satta in der Provinz Suruga (Blatt aus der Serie "36 Ansichten des Fuji"), 1858 Holzschnitt, 352 x 236 mm Inv.-Nr. 2021:427 D Staatliche Graphische Sammlung München, München
Utagawa Hiroshige (1797–1858), Das Meer vor Satta in der Provinz Suruga aus der Serie 36 Ansichten des Fuji, 1858. Farbholzschnitt, 352 × 236 mm, Inv.-Nr. 2021:427 D. Staatliche Graphische Sammlung München, München.

Yoshihiro Suda: Poesie der Unsichtbarkeit

Yoshihiro Suda, international bekannt für seine täuschend echten Holzskulpturen von Pflanzen und Naturdetails, reagiert mit subtilen Eingriffen auf die Werke der Graphischen Sammlung. In seiner künstlerischen Sprache verhandelt er Fragen nach Wahrnehmung, Achtsamkeit und der Rolle von Kunst im öffentlichen und musealen Raum. Seine minimalistischen Skulpturen – etwa vertrocknete Blätter, Wildkräuter oder Blüten – wirken wie beiläufige Erscheinungen, die sich erst bei genauem Hinsehen als kunstvoll gearbeitete Werke offenbaren.
Sudas Arbeiten entfalten in der Gegenüberstellung mit den historischen Holzschnitten sowie Gemälden und Grafiken der westlichen Moderne eine stille, aber eindringliche Präsenz. In der Verbindung von Naturwahrnehmung und kultureller Reflexion schafft die Ausstellung einen Raum, der die Idee des Garten Eden als utopischen Sehnsuchtsort neu interpretiert.

Yoshihiro Suda (*1969) Japanische Krötenlilie (Tricyrtis hirta), 2025 farbig gefasstes Holz © Courtesy Yoshihiro Suda und LOOCK, Berlin
Yoshihiro Suda (*1969), Japanische Krötenlilie (Tricyrtis hirta), 2025. Farbig gefasstes Holz. © Courtesy Yoshihiro Suda und LOOCK, Berlin.

Kunst als kultureller Brückenschlag

Der Ausstellungstitel „Garten Eden“ verweist auf einen Ort der Harmonie zwischen Mensch und Natur – ein Thema, das Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten beschäftigt. In der Moderne wurde die Natur häufig zum Gegenbild gesellschaftlicher Krisen und zum Symbol innerer Sehnsüchte. Die Präsentation greift dieses Spannungsfeld auf und zeigt Seelenlandschaften der Klassischen Moderne im Dialog mit Sudas Naturimpressionen.
Michael Hering und Nina Schleif gelingt es in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler, eine kuratorisch wie künstlerisch herausragende Schau zu entwickeln, die die Besucher zur intensiven Betrachtung einlädt – eine Einladung zum Staunen, zum Innehalten und zur Reflexion über unsere Beziehung zur Natur.


Informationen

Ausstellungseröffnung: 02.07.2025, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 03.07.2025 – 21.09.2025
Ort: Staatliche Graphische Sammlung München, Kunstareal München

Weiterlesen: In Köln beschäftigt sich Pauline Hafsia M’barek intensiv mit der Sammlung des Museum Ludwig.

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