Fürst Pückler und sein landschaftliches Erbe

 

Agnieszka Lulińska ist Kunsthistorikerin und hat drei Jahre lang die Ausstellung „Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürsten Pückler“ in der Bundeskunsthalle in Bonn vorbereitet. Landschaften werden zunehmend als Aufgabe der Denkmalpflege und als kulturelles Erbe wahrgenommen. Kann eine Ausstellung einen Beitrag dazu leisten?

Heinrich von Pückler-Muskau (1785–1871) hat drei bedeutende Parkanlagen geschaffen: Bad Muskau, Babelsberg und Branitz. In seinen Parks und Gärten entwickelte er zahlreiche, bis zum heutigen Tag für die Landschaftsarchitektur gültige Planungsgedanken. Diese grundlegenden Gestaltungsprinzipien werden ebenso in der Ausstellung vermittelt wie sein Lebensstationen.

Bad Muskau
Hier wurde Heinrich Pückler-Muskau geboren und stellte bezüglich der Erhaltung eine Herausforderung dar. „Durch die besondere Lage und Geschichte hatte Muskau sicherlich einen schwierigeren Stand als die anderen beiden Parks“, erläutert Lulińska. „Die deutsch-polnische Grenzsituation war für Fürst Pückler-Muskau nicht vorhanden: Er gestaltete Brücken und Sichtachsen über die Neiße in beide Teile des Parks hinein. Das wurde durch den Zweiten Weltkrieg und die spätere Grenzziehung stark in Mitleidenschaft gezogen. In der DDR wurde der Park in den 1960er Jahren wieder zugänglich gemacht und unter Denkmalschutz gestellt. Erst in den späten 1980er Jahren zog hier der größere, polnische Teil nach.“

Das Gestaltungsprinzip
Schloss Babelsberg wurde als zweites von Fürst Pückler gestaltet und besitzt ebenso wie Branitz UNESCO-Welterbestatus. Es gehört zum Gesamtensemble Potsdam und wurde 1990 in die Liste aufgenommen. Auch hier galt es, eine Grenzsituation zu überwinden: Die 1961 errichteten Sperranlagen mit der 3,60 Meter hohen Mauer, asphaltierten Kolonnenstraßen, Wachtürmen und Zäunen wurden entfernt. Kurz nach der Benennung zum Welterbe begann die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Wege und Flächen zu restaurieren, sodass heute das Gestaltungskonzept Pücklers wieder erfahrbar ist. „Das Prinzip Pücklers – die sogenannte Zonierung – benötigt sehr viel Aufwand, damit der Park unberührt aussieht. Die französischen Anlagen sind viel klarer mit den geschnittenen Buchsbäumen und geometrischen Formen – der Mensch ist Herrscher über die Natur. Der englische Park, an dem sich Pückler orientierte, versucht Mensch und Natur zu einem Ganzen zu verschmelzen und der Natur möglichst freie Hand zu lassen. Aber die entstandenen Parkbilder sollen erhalten bleiben. Das bedeutet sehr viel Arbeit, und zwar so, das die menschliche Hand unsichtbar bleibt“, erläutert Lulińska. Brandts ist der Ort, an dem der Fürst begraben wurde. Eine eigens für ihn angelegte Pyramide wurde 2015 umfassend restauriert.

Wie kommt ein Park in ein Museum?
Damit die Ideen und die Gärten in der Ausstellung vermittelt werden konnten, wurden verschiedene Methoden eingesetzt. Einerseits werden klassische Objekte aus dem Leben des Fürsten gezeigt und in den historischen Kontext eingeordnet. Darüber hinaus gibt es viele Stationen, in denen die Parkanlagen über 3-D-Darstellungen erfahren werden können. Die Interpretation seines Konzept auf dem Dach der Bundeskunsthalle ist wohl aber die anschaulichste: Hier wurden Elemente aller drei Orte nach heutigen Gesichtspunkten umgesetzt, wie zum Beispiel die „Baumuniversität“, bei der Großbäume zur späteren Verpflanzung gezogen wurden.

Insgesamt wird in Bonn eine Ausstellung gezeigt, die für Denkmalpfleger unbedingt sehenswert ist und die Lust macht, sich die Gartenanlagen im Original anzuschauen. Die Ausstellung und der Garten sind noch bis zum 18. September in der Bundeskunsthalle zu sehen. Mehr zur Erhaltung von Landschaften lesen Sie auch in der RESTAURO 5/2015. In unserer Schwesternzeitschrift Garten + Landschaft berichtet die Landschaftsarchitektin Christine Orel über die Umsetzung des Dachgartens.