01.07.2026

Beruf Denkmalpflege

Fortbildungen in der Denkmalpflege

Seminarteilnehmer:in bei einer Übung zum Bauaufmaß. Foto: © Propstei Johannesberg
Seminarteilnehmer:in bei einer Übung zum Bauaufmaß. Foto: © Propstei Johannesberg

Historische Gebäude erhalten, sanieren und zukunftsfähig weiterentwickeln – dafür braucht es fundiertes Fachwissen. In der Propstei Johannesberg in Fulda starten deshalb ab September zwei berufsbegleitende Fortbildungen in der Denkmalpflege: die Seminarreihe „Architekt/in, Planer/in in der Denkmalpflege“ sowie der bundesweit einzigartige Zertifikatslehrgang „Tragwerksplaner/in in der Denkmalpflege“. Beide Angebote verbinden wissenschaftliche Grundlagen mit einem hohen Praxisanteil und ermöglichen den Einstieg jederzeit.

Mehr als 50 Prozent aller Bauvorhaben in Deutschland entfallen auf die Altbausanierung oder die Denkmalpflege. Damit ist das Bauen im Bestand längst zu einem der wichtigsten Tätigkeitsfelder für Architekt:innen, Planer:innen und Ingenieur:innen geworden. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den fachgerechten Umgang mit historischer Bausubstanz. Die notwendigen Kenntnisse werden jedoch in der akademischen Ausbildung häufig nicht in der erforderlichen Tiefe vermittelt. Wer Bauwerke mit geschichtlicher und kultureller Bedeutung verantwortungsvoll erhalten möchte, profitiert deshalb von einer gezielten Spezialisierung. Genau hier setzen die beiden berufsbegleitenden Fortbildungen an, die ab September in der Propstei Johannesberg angeboten werden.


Fachwissen für Architekt:innen und Planer:innen im Bauen im Bestand

Die Fortbildung „Architekt/in, Planer/in in der Denkmalpflege“ wurde entwickelt, um Architekt:innen und Planer:innen auf ihre verantwortungsvolle Rolle bei Bauaufgaben an Altbauten und Kulturdenkmalen vorzubereiten. Ziel ist es, kompetente Partner für das Bestandsmanagement auszubilden und den fachgerechten Umgang mit schützenswerter Bausubstanz zu vermitteln.
Konzipiert wurde die Seminarreihe in enger Zusammenarbeit des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie der Propstei Johannesberg gGmbH. Ein unabhängiger Kreis aus freien Architekten, Kunsthistorikern und Fachleuten der Denkmalpflege entwickelt die Inhalte kontinuierlich weiter. So bleibt die Weiterbildung eng an den Anforderungen der Praxis orientiert.
Die Seminarreihe umfasst insgesamt zwölf Seminarwochen, die sich über einen Zeitraum von drei Jahren verteilen. Pro Jahr finden vier Seminarwochen statt. Inhaltlich bereitet die Fortbildung auf die zentrale und koordinierende Aufgabe von Architekt:innen bei Bauvorhaben im Bestand vor – von der Planung bis zur Bauleitung. Ergänzt werden die theoretischen Inhalte durch Übungen und Exkursionen. Dadurch erhalten die Teilnehmenden nicht nur fundiertes Wissen, sondern lernen auch, dieses unmittelbar in der Praxis anzuwenden.
Ein besonderer Vorteil besteht in der flexiblen Organisation. Der Einstieg in die laufende Seminarreihe ist jederzeit möglich. Sollten einzelne Seminarblöcke nicht besucht werden können, lassen sie sich problemlos nachholen. Mitglieder der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie gegebenenfalls Mitglieder anderer Kammern erhalten Fortbildungspunkte entsprechend der jeweiligen Kammerregelung. Die Kosten betragen 780 Euro pro Wochenblock einschließlich Mittagessen, Getränke und Seminarunterlagen. Mitglieder der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen erhalten eine Ermäßigung von zehn Prozent.


Zertifikatslehrgang für Tragwerksplaner:innen in der Denkmalpflege

Ebenfalls im September beginnt der Zertifikatslehrgang „Tragwerksplaner/in in der Denkmalpflege“. Die bundesweit einzigartige Seminarreihe richtet sich an Ingenieur:innen, die ihre Kenntnisse im Bereich historischer Bauwerke gezielt erweitern möchten.
Statische Sicherungen leisten einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt von Baudenkmalen. Gleichzeitig können sie die historische Substanz beeinträchtigen, wenn sie nicht sorgfältig geplant werden. Tragwerksplaner übernehmen deshalb eine verantwortungsvolle Aufgabe: Sie erkennen Schäden, untersuchen Bauwerke, beurteilen deren Zustand, entwickeln Lösungen und begleiten die Umsetzung der Maßnahmen. Dabei gilt es, technische Anforderungen und die Belange der Denkmalpflege gleichermaßen zu berücksichtigen.
Die Seminarreihe wurde gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen und der Ingenieurkammer Hessen entwickelt. Das Konzept wird von erfahrenen Ingenieuren betreut, die selbst seit vielen Jahren in der Denkmalpflege tätig sind. Ihre Erfahrungen fließen ebenso in die Seminare ein wie der fachliche Austausch mit den Teilnehmenden.
Vermittelt werden Kenntnisse über das Tragverhalten historischer Baukonstruktionen und deren Materialeigenschaften. Darüber hinaus beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Bestandsaufnahmen, bautechnischen Voruntersuchungen, rechnerischen Analysen sowie der denkmalverträglichen Planung notwendiger Instandsetzungen und Zusatzkonstruktionen. Die Seminarreihe umfasst acht Seminarblöcke mit jeweils drei Tagen und erstreckt sich über eineinhalb Jahre. Für jeden absolvierten Seminarblock wird ein Zertifikat ausgestellt, nach erfolgreichem Abschluss aller Module erhalten die Teilnehmenden ein Abschlusszertifikat. Zusätzlich werden Fortbildungspunkte beziehungsweise Unterrichtseinheiten entsprechend der jeweiligen Kammerregelung vergeben.


Berufsbegleitend spezialisieren und Fachkompetenz nachweisen

Gerade im Bereich historischer Bauwerke gewinnt der Nachweis besonderer Qualifikationen zunehmend an Bedeutung. Für Tragwerksplaner ist die Teilnahme an der Seminarreihe ein wesentlicher Parameter bei der Einordnung des Versicherungsschutzes im Rahmen der Berufshaftpflicht. Wer Maßnahmen an denkmalgeschützten Gebäuden plant und begleitet, muss nachweisen können, dass die erforderlichen Kenntnisse in der Denkmalpflege vorhanden sind. Die Weiterbildung vermittelt dieses Fachwissen und unterstützt dabei, die eigene Qualifikation langfristig zu dokumentieren.
Die Kosten für den Zertifikatslehrgang betragen 650 Euro pro Seminarblock. Im Preis enthalten sind Seminarunterlagen, Mittagessen und Getränke. Auch hier ist der Einstieg in die laufende Seminarreihe jederzeit möglich.
Mit den beiden Fortbildungsangeboten bietet die Propstei Johannesberg in Fulda eine praxisnahe Möglichkeit, sich gezielt für das Bauen im Bestand zu qualifizieren. Die enge Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen sowie der Ingenieurkammer Hessen gewährleistet eine hohe fachliche Qualität und einen konsequenten Praxisbezug. Ob Architektur, Planung oder Tragwerksplanung – wer sich im Bereich der Denkmalpflege spezialisieren möchte, erhält hier das notwendige Wissen, um historische Bausubstanz fachgerecht zu erhalten und Bauvorhaben an Kulturdenkmalen verantwortungsvoll umzusetzen.

 

Weiterlesen: Muss Denkmalschutz neu gedacht werden?

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