29.03.2021

Museum

Der Louvre und sein Mega-Kunstlager

von Ute Strimmer
Blick in die noch zum Teil leeren Depoträume im großen Kunstbunker des Louvre in Lens. Foto: Rogers Stirk Harbour + Partners/Louvre-Lens/Bruynzeel

Blick in die noch zum Teil leeren Depoträume im großen Kunstbunker des Louvre in Lens. Foto: Rogers Stirk Harbour + Partners/Louvre-Lens/Bruynzeel

Der neue Louvre-Kunstbunker in Nordfrankreich gilt als einzigartig. Rund 250.000 Werke soll er sicher aufbewahren. Bruynzeel aus Panningen hat dafür die Depoträume entwickelt

Blick in die noch zum Teil leeren Depoträume im großen Kunstbunker des Louvre in Lens. Foto: Rogers Stirk Harbour + Partners/Louvre-Lens/Bruynzeel
Blick in die noch zum Teil leeren Depoträume im großen Kunstbunker des Louvre in Lens. Foto: Rogers Stirk Harbour + Partners/Louvre-Lens/Bruynzeel

60 Millionen Euro hat das Mega-Depot des Louvre im nordfranzösischen Département Pas-de-Calais in der Region Hauts-de-France gekostet. In Lens, etwa 200 Kilometer von Paris entfernt, eröffnete der Louvre 2012 seine Dependance. Und dort sollen nun auch 250.000 Werke sicher lagern. Bis zum Ende der 1980er Jahre durch den Steinkohlebergbau geprägt, hat sich Lens damit nun zu einem wichtigen Zentrum für Kunstforschung und -konservierung entwickelt.

Die zweifache Louvre-Ansiedlung gilt als Teil der Stadtentwicklung, um der ehemaligen Bergbauregion zu einem Aufschwung zu verhelfen und sie wiederzubeleben. Brice Mathieu, der Direktor des neuen Depots, betont, dass er die Niederlassung in dieser Gegend als Danksagung des Staates an die Bevölkerung verstehe. Die Maßnahme gehört zu einer kulturellen Dezentralisierung, die in Frankreich in den letzten dreißig Jahren vorangetrieben wurde. Die Nation habe dem Louvre Schätze anvertraut, die in Paris gefährdet und hier in Sicherheit seien, erklärte Louvre-Direktor Jean-Luc Martinez bei der Einweihung des Centre de Conservation im vergangenen Oktober.

Der Museums-Chef bezog sich damit auf die Hochwasser der Seine, die die Sammlungen in den Lagern des Louvre und seinen Außenstellen immer wieder bedroht hatten. 2016 musste das Museum deswegen sogar für vier Tage schließen, um seine Kunstwerke aus den Kellern ins erste und zweite Stockwerk zu verlagern. In 48 Stunden wurden rund 35.000 Werke in Sicherheit gebracht. Auf 68 Standorte ist der Bestand verteilt. Den 18.500 Quadratmeter großen Bunker entwarf das britische Architekturbüro Rogers Stirk Harbour + Partners (London).

Von dem Pritzker-Preisträger Richard Rogers stammt auch das gemeinsam mit Renzo Piano gestaltete Pariser Centre Pompidou. Auch der neue Flügel für das British Museum (London), wo ein fünftausend Quadratmeter großes Depot eingerichtet wurde, stammt von dem renommierten Büro. Das Gelände in Lens grenzt an den Museumspark des Louvre-Gebäudes. Die beiden Einrichtungen berühren sich nicht nur, sondern sind verbunden durch einen transparenten und lichtdurchlässigen Pavillon, der von den SANAA-Architekten entworfen wurde. Der Komplex selbst ist so konzipiert, dass er als Gegenstück zum Louvre-Lens erscheint und das Areal ergänzt.

Aus viel Beton und Glas besteht auch der minimalistische Louvre-Kunstbunker, der von außen wie eine Sprungschanze aussieht: Im Osten verschwindet er fast in der Erde, im Westen ragt er meterhoch mit riesigen Fensterflächen aus dem Boden heraus. Die Einrichtung dient nicht nur der Lagerung, sondern soll künftig als Sammlungszentrum dienen und die Einrichtung zu einem der größten Studien- und Forschungszentren Europas machen. Rund 1.700 Quadratmeter sind daher der Untersuchung und Restaurierung der Werke gewidmet.

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 2/2021.

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