Das Museum in der Wiener Votivkirche ist wieder geöffnet

Das Museum in der Wiener Votivkirche ist nach Zusammenarbeit mit Restaurierungsstudent:innen des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien wieder geöffnet

Die Votivkirche an der Wiener Ringstraße ist nicht nur der erste Monumentalbau an Wiens späterem Prachtboulevard, sie ist auch der einzige Sakralbau. Und der erste Auftrag für den damals 27-jährigen Architekten Heinrich Ferstel. Ferstel, 1828 geboren, baute in mehr als zwei Jahrzehnten ein neogotisches Gesamtkunstwerk zum Gedenken an das missglückte Attentat auf Kaiser Franz Joseph I. im Februar 1853. Ferstel entwarf nicht nur die Kirche nach Vorbildern französischer Kathedralgotik, sondern kümmerte sich gestalterisch auch um die Innenausstattung und entwarf die liturgischen Geräte. Da verwundert es nicht, dass die Kirche samt Ausstattung nicht die geplanten 1,5 Millionen Gulden sondern vier Millionen Gulden kostete. Bezahlt haben die Kirche die Wiener selbst, denn sie wurde komplett durch Spenden finanziert.

Das Museum in der Wiener Votivkirche konnte vergangene Woche eröffnet werden

Momentan ist die Kirche wegen einer umfassenden Sanierung noch geschlossen. Doch das Museum im erhöhten Kaiseroratorium konnte vergangene Woche am 15. Oktober wieder eröffnet werden. Das Konzept für die neue Ausstellung und die Restaurierung einzelner Prunkstücke lagen in den Händen des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter der Ägide von Professorin Gabriela Krist.

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Die Ausstellung mit Blick ins Kirchenschiff und auf den neogotischen Hochaltar informiert über die Habsburger, das Attentat und die Idee zum Kirchenbau, sie würdigt die Rolle der Spenderinnen und Spender und das Gesamtkunstwerk Heinrich Ferstels. Im Zentrum steht der spätgotische Antwerpener Passionsaltar, der um 1500 entstand und heute zu den wenigen Altären dieser Art mit erhaltener polychromer Fassung gehört. Ursprünglich kaufte ihn Kaiser Franz Joseph 1858 für die berühmte Ambraser Kunst- und Wunderkammer. Seit 1878 gehört er zur Ausstattung der Votivkirche.

Ebenso wie die prächtigen Fenster mit aufwendigen Glasmalereien, von denen nur das „Kaiserfenster“ nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg rekonstruiert wurde. Entwürfe für die anderen Fenster befinden sich in der Sammlung, zwei sind in der Ausstellung zu sehen. Ebenso wie das restaurierte Ziborium, die Kelche, Monstranzen und Kerzenleuchter, die alle im neogotischen Stil für das Gesamtkunstwerk Votivkirche entworfen wurden. In den vergangenen zwei Jahren wurden sowohl der Altar als auch die liturgischen Geräte von Studentinnen und Studenten des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien erforscht und unter der Leitung von Professorin Gabriele Krist restauriert.

Unter den 300.000 Spendern, die Kirchenbau und Ausstattung möglich machten, waren viele Frauen. Nicht nur Kaiserin Elisabeth, sondern auch viele Wiener Bürgerinnen und Arbeiterinnen: Ihnen widmet das Museum 2022 seine erste Sonderausstellung.

Lesetipp: Das Institut für Konservierung und Restaurierung an der Universität für angewandte Kunst Wien unter der Leitung von Professorin Gabriela Krist ist weit über die Grenzen Österreichs mit Ausbildungskooperationen und Restaurierungsprojekten aktiv. 2019 wurde es mit einem UNESCO-Lehrstuhl ausgezeichnet. Lesen Sie mehr hier.