22.06.2022

Museum

Das Bergwerk im Deutschen Museum schließt

von Martin Miersch
Erzgewinnung mit Schlägel und Eisen. Foto: Deutsches Museum / Christian Illing

Erzgewinnung mit Schlägel und Eisen. Foto: Deutsches Museum / Christian Illing

Die Bergbau-Abteilung des Deutschen Museums (München) bildet einen Rundweg von etwa 500 m Länge. Rund drei Viertel davon sind als Anschauungsbergwerk ausgebaut, das eine realistische Bergwerksatmosphäre vermittelt: Bergmännische Technik vor Ort, vom 16. Jh. bis heute, gibt ein eindrucksvolles Bild der Verhältnisse unter Tage. Das Anschauungsbergwerk erstreckt sich über drei Sohlen (Stockwerke), die über Treppen und Stiegen miteinander verbunden sind. Ab 29. Juni wird das Bergwerk Stück für Stück ausgebaut

Erzgewinnung mit Schlägel und Eisen. Foto: Deutsches Museum / Christian Illing
Erzgewinnung mit Schlägel und Eisen. Foto: Deutsches Museum / Christian Illing

Neue Lüftungstechnik, Rohre, Kabel und eine Sprinkleranlage braucht das alte Haus

Für viele Besucherinnen und Besucher ist es DAS Highlight des Deutschen Museums (München). „Auf keinen Fall das Bergwerk verpassen“, heißt es etwa auf einer einschlägigen Chat-Plattform. Zahlreiche Anekdoten ranken sich um das Bergwerk im Deutschen Museum. Einmal fragte ein US-amerikanisches Ehepaar, wie man das denn geschafft habe, direkt über einem Bergwerk ein Museum zu bauen. Auch wenn die Ausstellung in weiten Teilen 100 Jahre alt ist – alles ist natürlich nicht echt und original. Aber das Museumsbergwerk hat Generationen von Münchnern und Millionen Besuchern eindringlich vermittelt, wie es früher war, unter Tage zu schuften. Das Bergwerk ist ein Must-see. Jeder dritte Besucher des Deutschen Museums taucht ein in die enge, düstere und bedrückende Welt, die bis zu zwölf Meter in die Tiefe führt. Es ist wohl diese Mischung aus Grusel, Staunen und Bewunderung für die Bergleute, die so viele Besucher:innen fasziniert. Schon bald wird die Ausstellung schließen.

Der erste Abschnitt der Generalsanierung auf der Museumsinsel ist geschafft, nun kommt der zweite dran. Das heißt: Auch hinter den Felsen im Bergwerk, die zum großen Teil aus Drahtgeflecht und Gips nachgebaut wurden, muss saniert werden: Neue Lüftungstechnik, Rohre, Kabel und eine Sprinkleranlage braucht das alte Haus. Außerdem muss das Mauerwerk, das durch frühere Isar-Überflutungen schimmelt, trockengelegt werden. “Es ist traurig und bitter, dass wir mindestens zehn Jahre kein Bergwerk zeigen können”, sagt Andreas Gundelwein, der Kurator der Bergwerksausstellung im Deutschen Museum. “Noch bitterer ist: Wir wissen nicht, ob und wann es wiederkommt. Wir haben kein Geld. Wir bräuchten zehn Millionen Euro.” Damit wäre es die mit Abstand teuerste Ausstellung im Haus. An zweiter Stelle folgt die Physik, die fünf Millionen kostet. Selbst wenn sich ein Großspender findet, 1:1 wird das Bergwerk nicht zurückkehren. Dafür gibt es mehrere Gründe: “Die Technologie hat sich weiterentwickelt. Manches ist leider nicht korrekt”, so Gundelwein. Auch an den Kulissen hat er manches auszusetzen. Zum Beispiel an dem nachgebildeten Gestein: Spuren, die Hammer und Meißel dort hätten hinterlassen müssen oder auch Bohrlöcher – fehlen vielerorts. “Da fragt man sich als Betrachter, wie die Hohlräume entstanden sind”, kritisiert der Kurator.

Ab 29. Juni wird das Bergwerk Stück für Stück ausgebaut

Doch auch fehlerhafte Kulissen wurden unter Denkmalschutz gestellt. Sie aufwendig auszubauen und jahrelang in Depots teuer aufzubewahren, hält Gundelwein für grundfalsch. “Wenn wir schon viel Geld ausgeben, würden wir es gern richtig machen”, sagt er. Sicher ist: Wenn ein neues Bergwerk kommt, hätte es weniger Fläche zur Verfügung als die 3.500 Quadratmeter bisher. “Nach der Sanierung werden es zehn Prozent weniger sein, weil wir Fluchttunnel und -treppenhäuser einbauen müssen”. Ab 29. Juni wird das Bergwerk Stück für Stück ausgebaut, 16 Monate sind dafür anberaumt. Die Nachbildungen von Bergarbeitern wie dem Stürzer, Maschinen, Loren, Meißel – alles verschwindet in Kisten. “Die 5.000 Exponate sind uns heilig”, sagt Gundelwein. “Das ist Kulturgut. Es steht völlig außer Frage, dass wir sie für die Nachwelt aufbewahren.” Die Frage ist: Wann werden sie wieder rausdürfen aus ihren Kisten?

Ein weiterer Dauer-Publikumsmagnet im Deutschen Museum ist die Starkstromabteilung

Ein zweiter Dauer-Publikumsmagnet im Deutschen Museum ist die Starkstromabteilung mit ihren Vorführungen, bei denen es blitzt und knallt – und der Person im Faradayschen Käfig trotzdem nichts passiert. Auch diese Abteilung wird in vier Wochen geschlossen. Die gute Nachricht: Hier ist die Finanzierung gesichert. Wenn die zweite Hälfte des Museums voraussichtlich 2028 fertig saniert ist, wird diese Ausstellung wieder modernisiert öffnen – erneut mit Live-Vorführungen, aber mit mehr Lärmschutz.

Lesetipp: Orgelbauer Alexander Steinbeißer arbeitet seit 2013 als Restaurator in der Werkstatt für wissenschaftliche Musikinstrumente im Deutschen Museum, München. RESTAURO sprach mit ihm über seine aktuellen Projekte.

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