21.08.2025

Welterbe

Das Augsburger Wassersystem

Das Augsburger Wassermanagment-System ist seit 2019 UNESCO-Welterbe. Foto: Christine Pemsl - Regio Augsburg Tourismus GmbH, CC BY-SA 3.0 de, via: Wikimedia Commons
Das Augsburger Wassermanagment-System ist seit 2019 UNESCO-Welterbe. Foto: Christine Pemsl - Regio Augsburg Tourismus GmbH, CC BY-SA 3.0 de, via: Wikimedia Commons
Das Augsburger Wassersystem wurde 2019 als UNESCO-Welterbe eingetragen. Es vereint Erfindungsgeist, Ingenieurskunst und künstlerische Gestaltung. Insgesamt umfasst es 22 Objekte, die sich über einen Zeitraum von mehr als 800 Jahren entwickelten – von mittelalterlichen Kanälen über Renaissance-Wassertürme bis hin zu modernen Wasserkraftwerken.
Aufnahmekriterien
– ii: für einen Zeitraum oder in einem Kulturgebiet der Erde einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf Entwicklung der Architektur oder Technik, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung aufzeigen.
– iv: ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften darstellen, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Menschheitsgeschichte versinnbildlichen.

Historische Entwicklung des Wassermanagements

Bereits im 8. Jahrhundert wurden Kanäle zur Versorgung der Stadt angelegt. Sie leiteten Wasser hinein und hinaus und prägen bis heute das Stadtbild. Mit über 500 Brücken besitzt Augsburg sogar mehr als Venedig. Das eigentliche Wassermanagement-System hat seine Wurzeln im 13. Jahrhundert. 1276 wurde es erstmals urkundlich erwähnt, etwa 70 Jahre später entstand die erste Stauanlage. Im Zeitraum vom 15. bis 17. Jahrhundert errichtete man die berühmten Wassertürme mit Pumpwerken, die die höhergelegene Altstadt zuverlässig mit Trinkwasser versorgten. Ein entscheidender Fortschritt war 1545 die strikte Trennung von Trink- und Brauchwasser – ein innovatives Konzept, das lange vor medizinischen Erkenntnissen über die Bedeutung von Hygiene eingeführt wurde.


Innovation und internationale Bedeutung

Die Ingenieure und Baumeister Augsburgs galten als Pioniere des Wassermanagements. Ihre Innovationen verbreiteten sich weit über die Stadt hinaus und beeinflussten die Wasserversorgungssysteme anderer europäischer Metropolen wie München, Brüssel und Wien. Die UNESCO würdigte Augsburg deshalb nach Auswahlkriterium ii für den Austausch und die Weitergabe technischen Wissens sowie nach Kriterium iv als ein herausragendes Beispiel sozio-technischer Ensembles – insbesondere während der Renaissance und der Industriellen Revolution.


Architektur und Technik: Beispiele aus dem Wassersystem

Die Wassertürme
Die Wassertürme am Roten Tor, entstanden zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert, zählen zu den ältesten Wassertürmen Mitteleuropas. Mit Hilfe von Pumpwerken wurde Wasser in Hochbehälter befördert, um die Altstadt zu versorgen.

Die Stadtmetzg
Die Stadtmetzg, 1609–1611 nach Plänen von Elias Holl erbaut, war die zentrale Metzgerei der Stadt. Das Renaissancegebäude wurde über einen Kanal im Untergeschoss mit Wasser versorgt, das zur Kühlung, Reinigung und Abfallentsorgung diente. Die Stadtmetzg galt im 17. Jahrhundert als modernste Fleischerei Europas.

Die Monumentalbrunnen
Besondere Kunstwerke des Augsburger Wassersystems sind die drei prachtvollen Renaissancebrunnen – Augustusbrunnen, Merkurbrunnen und Herkulesbrunnen. Sie symbolisieren die städtische Selbstrepräsentation und vereinen hydraulische Technik mit künstlerischem Ausdruck.

Wasserkraftwerke
Seit dem 19. Jahrhundert prägen auch Wasserkraftwerke das System. Augsburg war eine der ersten Städte in Europa, die Wasserkraft im industriellen Maßstab nutzte. Bis heute liefert die Energiegewinnung aus Wasser einen Beitrag zur städtischen Versorgung.

Das System in Augsburg war äußerst ausgeklügelt und spielte auch im Bereich der Hygiene eine wichtige Rolle. Foto: Tiia Monto, CC BY-SA 3.0, via: Wikimedia Commons
Das System in Augsburg war äußerst ausgeklügelt und spielte auch im Bereich der Hygiene eine wichtige Rolle. Foto: Tiia Monto, CC BY-SA 3.0, via: Wikimedia Commons

Bedeutung für Stadtentwicklung und Wohlstand

Das Augsburger Wassermanagement war Grundlage für Wachstum, Wohlstand und Gesundheit der Stadt. Sauberes Trinkwasser, hygienische Abwasserentsorgung und die Nutzung von Wasserkraft machten Augsburg zu einem führenden Zentrum von Wirtschaft und Technik. Das Ensemble ist nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern auch ein kulturelles Symbol für die Verbindung von Natur, Ingenieurskunst und urbaner Lebensqualität.


Tourismus und Besucherangebote

Das Augsburger Wassersystem ist heute nicht nur ein Stück lebendige Stadtgeschichte, sondern auch touristisch hervorragend erschlossen. Besucher können die einzelnen Stationen auf eigene Faust oder im Rahmen von Führungen entdecken.

Besucherzentrum WasserWelten: Im WasserWelten-Haus am Roten Tor befindet sich das zentrale Besucherzentrum. Hier erfahren Gäste in Ausstellungen und interaktiven Stationen alles über die Entwicklung des Augsburger Wassermanagements.

Führungen & Erlebnispfade
– Stadtführungen: Themenführungen zu Wassertürmen, Brunnen oder der Stadtmetzg.
– Wasserwege entdecken: Der UNESCO-Wasserweg verbindet die wichtigsten Objekte des Welterbes.
– Kanufahrten & Bootstouren: Kanäle können aus neuer Perspektive erlebt werden.

Museen & Ausstellungen
– Wasserwerke am Hochablass: Historische Pumpwerke als technisches Denkmal.
– Lechmuseum Bayern in Langweid: Nutzung der Wasserkraft über die Jahrhunderte.
– Maximilianmuseum: Ausstellung der Originalfiguren der Monumentalbrunnen.

Veranstaltungen: Jährlich finden Themenführungen, Festivals und Vorträge statt. Besonders beliebt ist der Augsburger Wasserkunst-Tag mit geöffneten historischen Anlagen und Vorführungen.

 

Weiterlesen: Wie die UNESCO ein Wiederaufbauprojekt in Mossul unterstützt.

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Scroll to Top