Wenn sich Ende Januar die Türen der Brussels Expo öffnen, blickt die internationale Kunstwelt wieder gespannt nach Belgien. Die BRAFA 2026 steht ganz im Zeichen außergewöhnlicher Provenienzen, wiederentdeckter Meisterwerke und Objekte, deren Geschichte ebenso faszinierend ist wie ihre ästhetische Wirkung. Die renommierte Messe für Kunst, Antiquitäten und Design beweist damit einmal mehr, warum sie zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen Europas zählt.
Bereits zum 71. Mal findet die BRAFA in diesem Jahr statt. Die Messe gehört damit zu den ältesten und auch renommiertesten Kunstmessen der Welt. Was diese Ausgabe besonders macht, ist der konsequente Fokus auf Werke mit historischer Tiefe. Die BRAFA 2026 versteht sich nicht nur als Marktplatz, sondern als Bühne für Geschichten: von legendären Sammlungen, päpstlicher Eleganz, archäologischen Raritäten und visionären Privatsammler:innen. Jede präsentierte Arbeit erzählt von kulturellen Umbrüchen, persönlichen Leidenschaften und kunsthistorischen Wendepunkten.
Ein weiteres zentrales Anliegen der Messe, die nicht nur Sammler:innen, sondern auch Museumsfachleute anlockt, ist die enge Zusammenarbeit mit der König-Baudouin-Stiftung. Im Jahr 2026 feiert die Stiftung ihr 50-jähriges Bestehen und ist zugleich Ehrengast der BRAFA. Diese Auszeichnung würdigt das langjährige Engagement der Stiftung und ihrer Philanthrop:innen für den Erhalt des belgischen Kulturerbes und die Förderung von Kunst und Kultur.
Die König-Baudouin-Stiftung
Als Ehrengast wird die König-Baudouin-Stiftung eine Reihe von Vorträgen rund um Meisterwerke ihrer Sammlung organisieren. Besucher:innen können hinter dem Stand der Stiftung nicht nur inspirierende Geschichten entdecken, sondern auch Projekte kennenlernen, die die Verbindung zwischen Philanthropie, Kulturerbe, Kultur und gesellschaftlichem Wohlergehen verdeutlichen.
Seit ihrer Gründung im Jahr 1976 setzt sich die Stiftung dafür ein, Solidarität zu stärken und eine bessere Welt aufzubauen. Heute vereint sie 154 Fonds, die der Kultur, den Künsten und dem Kulturerbe gewidmet sind. Dank der Großzügigkeit ihrer Unterstützer:innen konnte die Stiftung eine umfassende Sammlung mit über 29 000 Werken und 31 Archiven aufbauen, die von archäologischen Objekten über moderne Kunst bis zu Malerei, Design, Arbeiten aus Spitze und Schmuckstücken reicht. Zahlreiche Werke befinden sich als langfristige Leihgaben in über 100 Museen und öffentlichen Einrichtungen, um einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu sein.
Auf der BRAFA 2026 präsentiert die König-Baudouin-Stiftung sowohl Neuerwerbungen als auch herausragende Werke aus früheren Ankäufen, darunter:
Neuerwerbungen:
• Pol Bury, Armreif Boules des deux côtés d’un carré, 1968 – ein Meisterwerk der kinetischen Kunst
• Evelyne Axell, L’égocentrique 2, 1968 – ein kraftvolles Pop-Art-Werk, das Freiheit und Subjektivität feiert
• Brüsseler Spitze in Point de Gaze, 1860–1880
Frühere Erwerbungen:
• Jean-Baptiste Bonnecroy, Ansicht von Brüssel, 1664–1665
• Die Silber-Eule, ältestes bekanntes Antwerpener Kunstwerk aus Kokosnuss
• Prozessionsschild der Heilig-Blut-Prozession, Brügge 1529
• Cornelis de Vos, Porträt von Jan Vekemans, 1624
Zusätzlich wird die Stiftung Gastgeberin der BRAFA Art Talks sein. Persönlichkeiten aus der Kunstwelt, Kurator:innen, Museumskonservator:innen und Fachleute des Kunstmarkts teilen ihr Wissen in Gesprächen. Die Art Talks finden vom 24. Januar bis 1. Februar 2026, jeweils um 16 Uhr statt (mit Ausnahme von Montag, 26. Januar). So bietet die BRAFA 2026 nicht nur einen Einblick in historische Kunstwerke, sondern macht das Jubiläum der König-Baudouin-Stiftung zu einem Feiermoment für Kunst, Kulturerbe und Philanthropie.
Wiener Moderne neu entdeckt
Ein herausragendes Beispiel für den diesjährigen Ansatz der BRAFA liefert die Galerie Florian Kolhammer aus Österreich. Ihre Präsentation widmet sich der geistigen und künstlerischen Aufbruchsstimmung Wiens um 1900. Im Mittelpunkt steht ein spektakuläres Paar Secessions-Armlehnsessel, entworfen von Joseph Maria Olbrich und ausgeführt von Friedrich Otto Schmidt kombiniert mit dem Textilentwurf „Abimelech“ von Koloman Moser. Diese Möbelstücke, ursprünglich für die zweite Wiener Secessionsausstellung von 1898 geschaffen, sind weit mehr als Designikonen: Sie verkörpern die ästhetische Revolution einer ganzen Epoche.
Römische Eleganz zwischen Kirche und Couture
Einen faszinierenden Dialog zwischen Geschichte und Gegenwart eröffnet Vagabond Antiques aus Großbritannien. Gezeigt wird ein Paar römischer neoklassizistischer Konsolen aus der Zeit um 1770. Einst im Besitz von Kardinal Vincenzo Vannutelli, gelangten sie später in die Sammlung des Modedesigners Stefano Gabbana. Siena-Marmor, Breccia Africana und originale Vergoldungen verbinden kirchliche Würde mit weltlicher Raffinesse – ein perfektes Beispiel dafür, wie historische Möbel zeitlos inspirieren.
Alte Meister, Premieren und internationale Highlights
Auch im Bereich der Alten Meister setzt die Messe starke Akzente. Bei Douwes Fine Art war ein seltenes Selbstporträt von Rembrandt van Rijn zu sehen – ein eindrucksvolles Werk von großer Intimität und psychologischer Tiefe, das den hohen musealen Anspruch der Messe unterstreicht.
Ein weiteres herausragendes Highlight präsentiert Hartford Fine Art – Lampronti Gallery mit einer Arbeit von Artemisia Gentileschi. Die italienische Barockmalerin zählt heute zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Kunstgeschichte. Ihre kraftvolle Bildsprache und die dramatische Lichtführung machen ihre Werke zu begehrten Spitzenstücken des internationalen Kunstmarkts.
Zudem ist mit Beck & Eggeling erstmals eine weitere international renommierte Galerie vertreten. Ihre Teilnahme setzt neue Impulse und unterstrich die Offenheit der Messe für hochkarätige Neuzugänge im Ausstellerfeld.
Archäologische Meisterwerke
Auch Liebhaber:innen antiker Kunst kommen auf ihre Kosten. Bei Colnaghi wird eine seltene apulische Epichysis aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. präsentiert, die einst zur berühmten Sammlung von Eugène Piot gehörte. Das fein gearbeitete Gefäß, dem Menzies-Kreis zugeschrieben, zeigt Hermaphroditos und eine junge Frau in einer außergewöhnlich detailreichen Darstellung. Vergleichbare Werke befinden sich heute in renommierten Museumssammlungen – ein klares Highlight der BRAFA 2026. Besondere Aufmerksamkeit verdient zudem „Lesender Diogenes“ von Michaelina Wautier (ca. 1650), dessen Zuschreibung zur Künstlerin erst 2024 erfolgte – ein herausragendes Werk, das die kunsthistorische Bedeutung Wautiers eindrucksvoll unterstreicht.
Darüber hinaus richtet sich die Messe auch an Sammler:innen archäologischer und paläontologischer Schätze. Ob antike Objekte oder Zeugnisse der Erd- und Menschheitsgeschichte – diese Disziplinen erweiterten das Spektrum der Messe und unterstrichen ihren interdisziplinären Anspruch.
Belgische Kunstgeschichte im Fokus
Einen weiteren Akzent setzt Virginie Devillez Fine Art mit einer Auswahl aus der Sammlung des belgischen Kunstkenners Tony Herbert. Gezeigt werden Werke bedeutender Künstler wie Edgard Tytgat, Rik Wouters, Gustave De Smet und Jean Brusselmans. Diese Auswahl spiegelt den geschulten Blick eines Sammlers wider, der maßgeblich zur internationalen Anerkennung der belgischen Moderne beigetragen hat und dessen Sammlung bis heute als Referenz für das Kunstschaffen Belgiens im frühen 20. Jahrhundert gilt. Darüber hinaus sind auf der Messe zahlreiche Werke von Léon Spilliaert zu entdecken, dessen symbolistisch geprägte Bildwelt zu den markantesten und zugleich poetischsten Positionen der belgischen Moderne zählt.
Mehr als eine Messe: ein kulturelles Erlebnis
Doch die BRAFA 2026 überzeugt nicht allein durch ihre Exponate. Die Messe versteht sich als ganzheitliches Erlebnis. Die elegante Szenografie, kulinarische Angebote in der neuen Food Hall, Champagnerbars und ein umfassender Concierge-Service sorgen für einen Aufenthalt auf höchstem Niveau. Ergänzt wird das Programm durch die BRAFA Art Talks, bei denen Expert:innen, Sammler:innen und Kurator:innen aktuelle Fragen des Kunstmarkts diskutieren.
Die BRAFA 2026 findet vom 25. Januar bis 1. Februar 2026 in den Hallen 3, 4 und 8 der Brussels Expo statt. Ein exklusiver Preview-Tag am Montag sowie eine verlängerte Öffnungszeit am Donnerstagabend bieten zusätzliche Besuchsmöglichkeiten.
Ein Pflichttermin für Kunstliebhaber:innen
Am Ende wird deutlich: Diese Ausgabe ist mehr als eine Präsentation kostbarer Objekte. Die BRAFA 2026 inszeniert Kunst als lebendige Geschichte und schafft Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Für Sammler:innen, Fachleute und kulturinteressierte Besucher:innen ist sie ein unverzichtbarer Termin im internationalen Kunstkalender – inspirierend, lehrreich und voller Entdeckungen.
