Bestandsaufnahme, Notsicherung und Restaurierungsplanung

Diplom-Restaurator Boris Frohberg arbeitet derzeit an einem Restaurierungskonzept für das Epitaph für Heinrich von Stralendorf in der mecklenburgischen Stadtkirche zu Lübz.

Das Epitaph für Heinrich von Stralendorf, Reichsvizekanzler des Heiligen Römischen Reiches im 17. Jahrhundert, zeigt einen für die späte Renaissance typischen Aufbau, bestehend aus Schriftfeldern in Scagliolatechnik und Architekturrahmungen aus Gesimsen, Säulen und Schweifwerken in der Stuckmarmortechnik. Zur Dekoration sind Wappenreihen aus Gips eingefügt worden.

Der Künstler kann wohl im Umfeld von Franz Julius Döteber und Daniel Werner gesucht werden. Diese erschufen vermutlich das Grabmal von Sophia von Schleswig-Holstein-Gottorf in selbiger Kirche, da hier an den rot geäderten Säulen ebenfalls Stuckmarmor verwendet wurde. Es bleibt aber auch eine Zuordnung zu böhmischen Meistern denkbar, da die Familie von Stralendorf zur Entstehungszeit diverse Kontakte an den Hof des böhmischen Königs nach Prag unterhielt. Die Tatsache, dass die Bauteile des Epitaphs in der Werkstatt vorgefertigt sind und erst vor Ort montiert wurden, unterstützt diese These. Weitere kunsthistorische Untersuchungen sollten sich hier anschließen.

Wer kann etwas dazu beitragen?

Im Rahmen der restauratorischen Voruntersuchungen und der Sicherungsarbeiten wurde festgestellt, dass dieses Epitaph aus Stuckmarmorfertigteilen, Kalk- und Gipsstuck besteht. Die Verwendung des gipsgebundenen Kunstmarmors, oder auch Stuckmarmors, stellt nach meiner Meinung eine Besonderheit in Mecklenburg dar. Mir sind bislang keine vergleichbaren Kunstwerke in Nordbrandenburg und Mecklenburg aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts bekannt. Die Stuckmarmorbauteile sind in der Werkstatt angefertigt und vor Ort zusammengesetzt, da zwischen den Bauteilen Kalkmörtelfugen vorhanden und Eisenanker eingebaut worden sind.

Durch die bereits in den Voruntersuchungen geleistete Farbuntersuchung konnte die ursprüngliche Farbfassung des Epitaphs ermittelt werden. Ursprünglich zeichnete das Kunstwerk eine tiefe schwarze Färbung aus, geäderten rote Gesimse und Obelisk-Postamente, auffallend hell geäderte, dunkle Säulen und Obelisken sowie polychrome Wappen. Im umgebenden Randbereich sind unter den späteren Farbschichten Reste mehrerer (mindestens zweier) Begleitfassungen einer Schattenmalerei und einer darüber liegenden gemalten Architektur bzw. Draperie o. ä. erhalten.

Erkennbar sind Verformungen und Setzungsrisse sowie Ausbrüche und Fehlstellen verschiedenster Art und Ursache. Das Hauptproblem stellt eine Absenkung der Gesims- und Gebälkkonstruktionen dar. Die eingetragenen Lasten konnten von dem verbauten Holzbalken nicht mehr getragen werden. Dieser ist durch Insektenbefall stark geschädigt und partiell bereits zerstört. Zudem zeigen sich teils starke Korrosionserscheinungen der verbauten Eisenanker, verteilt am gesamten Objekt. Durch die Volumenerweiterung der Eisenanker bei der Korrosion sind Risse und Brüche innerhalb der Stuckmarmorbauteile entstanden. Es bestand eine akute Einsturzgefahr – zumindest für Teilbereiche des Bildwerkes. Die gesamte Oberfläche des Epitaphes war mit starken Staubablagerungen bedeckt. Die Stuckmarmorteile zeigen eine stumpfe und graue Oberfläche, die die einstige Politur vermissen lässt. Zudem kam es durch den Einfluss von Salzen und Feuchtigkeit, die sich aus dem Mauerwerk über die Fugen vor allem an den Vorderseiten niederschlugen, zu Salzablagerungen.

Untersuchungsergebnisse

Als Ergebnis der Untersuchungen wird ein Konservierungs- und Restaurierungskonzept entwickelt. Dazu war eine Teildemontage der absturzgefährdeten Teile des Epitaphs nötig. Dies erfolgte unter der Prämisse der größtmöglichen Schonung der einzelnen Teile. Einige Werkstücke erhielten eine Aussteifung oder sind zusätzlich gesichert worden. Lose Schollen und Schalen wurden durch Abklebungen (Japanpapier und Tyloseleim) gesichert und mit Klucel E hinterklebt. Die große Schrifttafel ist zum Schutz bei den Konsolidierungsmaßnahmen mit einem Ethanol-Wassergemisch gereinigt und flächig mit Japanpapier und Tyloseleim abgeklebt worden.

Das Ziel der Restaurierungsmaßnahmen ist es, das ursprüngliche Erscheinungsbild der Stuckmarmorbauteile weitestgehend wiederherzustellen. Im Vordergrund steht aber die statische Ertüchtigung durch die Entwicklung und den Einbau einer Edelstahlkonstruktion im Bereich der Voute, den partiellen Austausch der geschädigten Verankerungen und die zusätzliche Stabilisierung durch Edelstahlhalterungen, die Zusammenfügung der gebrochenen Bauteile und die Neumontage der abgebauten Teile. Eine komplette Demontage des Epitaphes wurde mit dem Statiker und der Architektin eingehend diskutiert. Da dies mit erheblichen unkalkulierbaren Risiken verbunden ist wird davon derzeit Abstand genommen. Eine Sanierung großer Bereiche in situ wird dagegen als Vorzugsvariante angestrebt.